Edward Snowden sucht eine neue Heimat

Edward Snowden sucht eine neue Heimat

Der ehemalige US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden ist am Sonntag von Hongkong Richtung Moskau abgeflogen.

Der von den USA wegen Spionage gesuchte frühere Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden sucht möglicherweise Zuflucht in Ecuador. Der Botschafter des südamerikanischen Landes in Russland, Patricio Alberto Chavez Zavala, sagte am Sonntagabend in Moskau, er gehe davon aus, Snowden noch am Abend in einem Hotel in der russischen Hauptstadt zu treffen. Snowden hatte zuvor seinen Zufluchtsort Hongkong verlassen und war nach offiziell nicht bestätigten Berichten nach Moskau geflogen.

Snowden ist ein früherer Vertragsmitarbeiter des US-Geheimdienstes NSA. Er hat umfangreiche Spähaktionen amerikanischer und britischer Nachrichtendienste enthüllt. Die USA werfen Snowden nun Geheimnisverrat und damit einen Verstoß gegen das Spionagegesetz vor. Sie hatten von Hongkong die Auslieferung Snowdens verlangt. Da der Auslieferungsantrag der USA fehlerhaft gewesen sei, habe es keinen Grund gegeben, Snowden an der Ausreise zu hindern, erklärte die Regierung in Hongkong. Die USA haben angekündigt, sich weiter um die Festnahme Snowdens zu bemühen.

Würde Snowden nach Ecuador gehen, würde er sich damit in die gleichen Hände begeben wie der Wikileaks-Gründer Julian Assange. Assange, der in Schweden wegen einer Sexualstraftat vernommen werden soll, hat sich vor längerer Zeit in London in die ecuadorianische Botschaft geflüchtet. Die britische Regierung lässt ihn aber nicht nach Ecuador ausreisen. Die Enthüllungsplattform Wikileaks hatte vor geraumer Zeit zahllose Dokumente über die Aktivitäten von US-Geheimdienste und Diplomaten bekannt gemacht.

"Wir sind von den Behörden in Hongkong informiert worden, dass Snowden Hongkong in Richtung eines dritten Landes verlassen hat", erklärte Nanda Chitre, Sprecherin des US-Justizministeriums. In ihrer schriftlichen Mitteilung sagte sie jedoch nicht ausdrücklich, dass sich Snowden bereits auf dem Weg nach Moskau befand. Man werde den Fall mit Hongkong bereden. Zugleich deutete die Sprecherin an, dass sich die USA auch bei andere Ländern um eine Auslieferung Snowdens bemühen werde. Der von den USA gesuchte Geheimdienstspezialist nutzt Moskau vermutlich nur zum Umsteigen.

Russische Medien spekulierten, sein Ziel sei Venezuela. Nach Angaben von Informanten aus der russischen Fluggesellschaft Aeroflot will er am Montag über Havanna nach Venezuela weiterreisen. Die in Hongkong erscheinende "South China Morning Post" nannte als weitere Aufnahmeländer Ecuador oder Island. Kuba, Venezuela und Ecuador werden von sozialistischen Präsidenten regiert und bezeichnen sich als "anti-imperialistische" Staaten.

Ein Sprecher des russischen Präsidenten Wladimir Putin sagte, ihm seien weder Snowdens Aufenthaltsort noch dessen Reisepläne bekannt. Putins Sprecher Dmitri Peskow hatte Anfang des Monats erklärt, falls Snowden in Russland um Asyl nachsuchen sollte, würde das geprüft. Ein Vertreter der russischen Sicherheitskräfte sagte der Agentur RIA Nowosti, in Russland liege nichts gegen Snowden vor, und es gebe keine Anweisung ihn festzunehmen. Island hatte am Freitag eine Antwort auf die Frage abgelehnt, ob es dem Computer-Experten Asyl gewähren würde.

In den USA verlangte der Vorsitzende des Geheimdienst-Ausschusses im Repräsentantenhaus alle Anstrengungen zu unternehmen, Snowdens habhaft zu werden. Dazu müsse die Regierung von Präsident Barack Obama alle rechtlichen Mittel nutzen, sagte der republikanische Politiker Mike Rogers dem Fernsehsender NBC.

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