DuckDuckGo-Chef Weinberg: "Wir können Behörden nichts liefern"

DuckDuckGo-Chef Weinberg: "Wir können Behörden nichts liefern"

Im Interview mit format.at spricht Gabriel Weinberg, Gründer und Chef von DuckDuckGo über das ganze Ausmaß der PRISM-Datensammlung, das Misstrauen der Internetnutzer und weshalb er das bessere Google bietet.

Schutz der Privatsphäre ist angesichts der unheimlichen Datensammelwut amerikanischer Behörden derzeit ein wichtiges Thema. Die Suchmaschine DuckDuckGo verfolgt die Spur ihrer Nutzer nicht und zeichnet keine Daten auf. Nicht nur damit will DuckDuckGo-Gründer Gabriel Weinberg sein Unternehmen zu einer echten Alternative machen, wie er im Interview mit format.at verrät.

FORMAT : Sind Sie überrascht über das Ausmaß der Überwachung im Rahmen des PRISM-Programms?

Gabriel Weinberg : Große Internet-Firmen zeichnen die Bewegungen der Nutzer für ihren eigenen Gebrauch auf. Das ist nichts Neues. Zudem wurden sie dazu gezwungen, Daten aufgrund richterlicher Befehle auszuhändigen, auch das geht schon lange Zeit so. Neu ist ist die Erkenntnis, dass das Ausmaß dieser Gerichtsbeschlüsse deutlich größer zu sein scheint als wir angenommen haben. Zur Ehrenrettung der Firmen muss gesagt werden, dass sie gegen diese Beschlüsse vorgehen. Wir würden auch gerne eine öffentliche Diskussion darüber führen, wie die verfassungsrechtliche Linie tatsächlich aussieht. Wie auch immer: Die Realität ist einfach so, dass die Unternehmen bei Vorliegen eines richterlichen Beschlusses nachgeben müssen. Das ist der große Unterschied zu DuckDuckGo – wir haben uns entschieden, das Nutzerverhalten nicht zu speichern. Daher haben wir nichts an die Behörden zu übergeben.

Sie haben einen Anstieg der Zugriffe nach dem Bekanntwerden von PRISM verzeichnet. Kann dieses Wachstum länger aufrechterhalten bleiben?

Weinberg: Wir denken, dass die Menschen generell nicht gerne verfolgt werden. Wenn sie die Wahl haben, zu Alternativanbietern zu wechseln, die gut zu benutzen sind und Schutz der Privatsphäre bieten, werden sie das auch tun. Seit die Story über NSA und PRISM herauskam, haben wir 73 Prozent mehr direkte Zugriffe registriert. Wir sind auch auch auf Websites gelistet, die einen Überblick über sicheres Surfen bieten, etwa prism-break.org .

Sie behaupten, DuckDuckGo sei das bessere Google – wieso sollte das so sein?

Weinberg : Zusätzlich zum Schutz der Privatsphäre konzentrieren wir uns darauf, eine insgesamt bessere Suche zu bieten, mit weniger Müll, weniger Spam, weniger aufdringlicher Werbung und natürlich mit besseren Ergebnissen. Wir glauben, dass es für die meisten Suchanfragen da draußen schon Sites gibt, die großartige Antworten liefern, etwa IMDB für Filme oder Yelp für Restaurants. Wir versuchen, die Information von der besten Quelle zu bekommen und stellen sie oberhalb anderer Links, sodass man sofort die richtigen Antworten erhält. DuckDuckGo bekommt seine Resultate von mehr als hundert Quellen, einschließlich unserem eigenen Crawler DuckDuckBot, von Crowdsourcing-Sites wie Wikipedia, von Yahoo!, WolframAlpha, Bing und Yandex. Kurz gesagt: Die Leute kommen zu uns wegen des Schutzes ihrer Privatsphäre. Sie bleiben bei uns, weil sie ein besseres Sucherlebnis haben.

Was ist ihr Ziel für die nächsten Jahre?

Weinberg : Der nächste Meilenstein, den wir anpeilen, ist ein Marktanteil von ein Prozent der Internet-Suchanfragen. Wir sind ungefähr auf halbem Weg dorthin.

Ist der Schutz der Privatsphäre nur jetzt ein Thema, weil alle über PRISM reden? Das könnte doch ganz anders sein, sobald es wieder hauptsächlich ums Online-Shopping, Zugriff auf Filme und anderes geht.

Weinberg : Wir glauben, dass die Menschen im Internet nicht verfolgt werden wollen. Es gibt viele Gründe, weshalb. Der offensichtlichste ist der, dass man im Internet nicht ständig von Werbung verfolgt werden will – das haben die Leute erst im letzten Jahr so richtig bemerkt. Außerdem haben manche Firmen damit begonnen, aufgrund der Datenprofile von bestimmten Kunden höhere Preise zu verlangen. Und wir sehen, dass Online-Profile auch in Offline-Szenarien auftauchen. So gibt es Berichte, wonach Versicherungen sich Datenprofile ansehen, um das Risiko zu kalkulieren.

DuckDuckGo hat seinen Firmensitz in den USA. Könnten Sie gezwungen werden, in Zukunft mit Behörden zusammen zu arbeiten?

Weinberg: Wie schon gesagt: Wir verfolgen unsere User nicht. Da gibt es nichts, was wir den Behörden liefern könnten.

Zur Person: Gabriel Weinberg ist Gründer und CEO von DuckDuckGo , einer Internet-Suchmaschine, die die Daten der Nutzer nicht speichert. Weinberg hat am MIT studiert und ist heute auch als Business Angel tätig.

Wirtschaft

Mateschitz und Benko checken bei Checkrobin ein

Technik

Twitter verschärft Regeln gegen Hetze und Gewaltandrohungen

Wirtschaft

Druck auf Booking.com wegen Preisklauseln