Die Skype-Revolution

Die Skype-Revolution

An jenem Tag brachte ein unbekanntes Start-up-Unternehmen namens Skype sein gleichnamiges Serviceangebot heraus. Es war auch nicht leicht, die aus Schweden und Dänemark stammenden Firmengründer Niklas Zennström und Janus Friis ernst zu nehmen. Zu verwegen klang ihr Plan, dass Menschen künftig über das Internet telefonieren sollten.

Zehn Jahre später machen rund 300 Millionen Menschen genau das: Sie telefonieren mit Skype gratis rund um die Welt. Zwei Milliarden Telefonminuten kommen so jeden Tag zusammen.

Die Telefonkonzerne hätten durch das Beispiel der Plattenindustrie gewarnt sein können: Zennström und Friis hatten mit Kazaa - einer Online-Tauschbörse für Musikdateien - schon einmal dazu beigetragen, einer etablierten Branche die Geschäftsgrundlage zu entziehen. Skype und Kazaa funktionieren beide nach dem Peer-to-Peer-Prinzip: Informationen werden in Datenpakete zerstückelt und wandern zwischen den Computern der Nutzer hin und her.

Ein "s" auf babyblauem Grund

Das Markenzeichen von Skype ist ein weißes "s" auf babyblauem Grund. Zum Start des Angebots zeigten sich die ersten Medienberichte zunächst skeptisch. Tester empfahlen Skype-Nutzern den noch nicht sehr verbreiteten Breitbandanschluss DSL. Doch obwohl die Übertragungsqualität vorerst zu wünschen übrig ließ und die Videotelefonie erst im Jänner 2006 eingeführt wurde, traf Skype den Nerv der Zeit.

"Insbesondere die Zielgruppe der jungen, die Welt bereisenden Akademiker ging den klassischen Telefonanbietern an Skype verloren", sagt Torsten Gerpott, Forscher für Telekommunikationswirtschaft an der Mercator School of Management in Duisburg. Fernbeziehungen, Businessgespräche und sogar Unterricht finden plötzlich übers Internet statt. In Deutschland ist skypen inzwischen sogar ein im Duden eingetragenes Verb.

Und weil Skype auch günstige Anrufe ins klassische Telefonnetz anbietet, müssen die Telefon- und Internetanbieter reagieren. "Skype hat deutlich dazu beigetragen, dass die Preise zum Wohl der Nutzer gefallen sind", sagt Branchenanalyst Rüdiger Spies. Auch die Verbreitung von Internet-Flatrates führt Spies unter anderem auf Skype zurück.

Skype-App bringt nächste Revolution

Mit der Skype-App für das iPhone zündete Skype 2009 die zweite Stufe seiner Revolution und erobert die boomenden Smartphones. Anfangs versuchten die Mobilfunkkonzerne noch, die "Voice over IP"-Telefonie zu blockieren. Vergeblich: Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass bereits 2014 mehr als 50 Prozent des Handy-Datenverkehrs in Deutschland auf die Nutzung von Skype und Konkurrenzprogrammen wie Whatsapp und GoogleTalk entfallen.

Ob Skype selbst profitabel sein kann, zweifeln Analysten seit jeher an. Zennströms und Friis' Plan sah vor, an zusätzlichen Service-Angeboten wie Videokonferenzen und Festnetzanrufen zu verdienen. Noch bevor sie den Funktionsbeweis antreten, verkaufen die beiden im Jahr 2005 ihr Baby für mehr als drei Milliarden Dollar (2,25 Milliarden Euro) an Ebay.

Im Frühjahr 2011 landete das Unternehmen schließlich beim Software-Giganten Microsoft - für 8,5 Milliarden Dollar. Nach Angaben des Unternehmens trug die Tochter im vergangenen Jahr wesentlich zum Gewinn von Microsofts "Unterhaltungssparte" bei. Doch Gewinnaussagen sind immer auch eine Frage der Bilanzierung. Dank Skype bleibt Microsoft zumindest auf den Smartphone-Modellen der Marktführer vertreten, während das Windows-Telefon ein Nischendasein pflegt.

Internettelefonie ist zu einem "heiß umkämpften Markt" geworden, sagt Gerpott. Skypes jahrelange Dominanz ist angekratzt. "Microsoft versteht es nicht so gut wie andere IT-Konzerne, Firmenkäufe zu integrieren und weiterzuentwickeln", sagt Spies. Vielleicht sollte Microsoft einmal mit Zennström skypen. Der inzwischen 47-jährige Skype-Gründer verhilft heute mit seinem Investitionsfonds Atomico jungen Internetfirmen zum wirtschaftlichen Erfolg.

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