Deutsches Start-Up Licobo macht Kontakt-Verwaltung sicher

Deutsches Start-Up Licobo macht Kontakt-Verwaltung sicher

Die einfache und vor allem sichere Verwaltung, Synchronisation und Aktualisierung von Kontaktdaten verspricht das junge Mannheimer Unternehmen Licobo. Der Ansatz ist interessant, in der Praxis gibt es noch kleinere Schwächen.

Der Schutz ihrer Privatsphäre ist Internetnutzern angesichts der globalen Überwachung des Datenverkehrs durch Behörden aller Art derzeit besonders wichtig. Im Zuge unserer Recherchen hat uns ein Format-Leser auf das Angebot von Licobo aufmerksam gemacht, das ein sicheres Adressbuch anbietet.

Tatsächlich ist Licobo eine jener Ideen, von denen man sich fragt, weshalb sie nicht schon längst umgesetzt wurden. Es handelt sich um ein Cloud-Adressbuch, also eine Kontakt-Datenbank, die an zentraler Stelle abgespeichert und abgerufen werden kann. Klingt nach dem, was etwa via Google ohnehin vorhanden ist? Ja, aber Licobo unterscheidet sich in mehrfacher, durchaus positiver Hinsicht.

Auf Nummer sicher

Wichtigster Faktor in Zeiten wie diesen: Alle Kontaktdaten bzw. die kompletten Adressbücher werden verschlüsselt bei Licobo hinterlegt. Dies passiert laut dem Unternehmen mit dem Verschlüsselungsstandard AES256 , die Daten werden zudem im SSL-Modus übertragen. Damit soll der Zugriff auf die Kontakte verhindert werden, nicht mal Licobo selbst kann diese einsehen.

Zweites Unterscheidungsmerkmal: Die im Licobo-Adressbuch gespeicherten Daten werden automatisch aktualisiert. Wenn also der Besitzer einer Licobo-Visitenkarten beispielsweise seine Telefonnummer ändert, wird dies in allen Adressbüchern berücksichtigt.

Vom Studium in die Netz-Wirtschaft

Licobo ist im April offiziell gestartet, nachdem im Februar eine offene Beta-Version verfügbar war. Das Unternehmen wurde im Vorjahr von Felix Kollmar und David Amann gegründet. "Wir hatten schon während des Studiums in Mannheim den Gedanken, eine Cloud-Lösung zu finden, mit der Kontaktdaten sicher gespeichert werden können", sagt Felix Kollmar im Gespräch mit format.at. Es sollte ein Platz geschaffen werden, mit dem alle Kontakte für alle Geräte bereit gestellt werden kann. "Adressebücher sind eigentlich immer veraltet, aber unsere Visitenkarten bleiben stets aktuell", sagt Kollmar.

Derzeit zählt Licobo nach eigenen Angaben noch keine tausend User, das Wachstum lässt Kollmar auf raschen Ausbau der Mitglieder hoffen. Seine Vision: "Wir wollen der Standard für den Adressaustausch werden. In Zukunft soll man nicht mehr Visitenkarten austauschen, sondern Licobo-IDs", sagt er. Das Geschäftsmodell von Licobo sieht vor, dass die Grundversion für Privatnutzer kostenlos bleibt, es soll aber eine kostenpflichtige Premium-Version für Unternehmen geben. Damit können beispielsweise umfangreiche Adressbücher verwaltet werden.

Kleinere Hürden in der Praxis

Im Praxistest erweist sich das Anlegen einer Licobo-Visitenkarte mit allen möglichen Daten und inklusive Foto als einfach. Die Benutzeroberfläche ist recht gut gelungen, die Idee eines Adressbuches, in dem sicher alle Kontakte gespeichert werden, ist bestechend. Man erhält bei der Nutzung eine Licobo-ID, die wie eine normale Mailadresse aussieht. Bis vor kurzem mussten Änderungen in den Adressbüchern immer via Web vorgenommen werden, auf dem Handy war das noch nicht möglich. Das wurde nun laut Kollmar geändert, auch auf dem Handy können Änderungen durchgeführt werden.

Die Daten sind im sogenannten CardDAV-Standard abgespeichert, es können Kontaktdaten mit dem Dateikürzeln .vcf oder .csv verwendet werden. Umständlich ist das Einrichten eines Adressbuches, wenn man Kontakte von einem Android-Gerät übernehmen will. Da Android den CardDAV-Standard nicht unterstützt, muss eine andere Applikation aushelfen. Licobo empfiehlt dazu CardDAV-Sync free beta , diese App ist in der Basisversion gratis. Mit dieser App können dann Daten, soferne sie einmal ins (Web-)Adressbuch übernommen wurden, aktualisiert werden. Dazu muss der Licobo-Server in den Einstellungen eingetragen werden.

Allerdings ist schon das Übertragen der Daten vom Android-Gerät nicht ganz so einfach (wofür aber Licobo nichts kann). Die Kontakte müssen zunächst im Handy abgespeichert werden und können dann etwa mithilfe des ES Datei Explorers weitergeleitet werden. Eine Spur einfacher ist das alles mit iOS-Geräten. In der Praxis empfiehlt sich eine Verwendung von vcard-Dateien, mit dem csv-Format klappte es nicht wirklich gut.

Fazit: Licobo ist eine spannende Idee, die das Thema Datenschutz mit einer prinzipiell einfachen Variante eines Cloud-Adressbuches verknüpft. Die etwas mühsame Anbindung an Android-Geräte wird hoffentlich noch einfacher, dann hat Licobo das Zeug, von einer wirklich guten Idee zu einer massentauglichen Anwendung zu werden.

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