"Das war der erste Online-Wahlkampf"

 "Das war der erste Online-Wahlkampf"

Social Media- und Web-Experten ziehen eine Bilanz des Wahlkampfes. Im Netz sind viele Parteien durchaus kreativ, aber bisweilen allzu missionarisch unterwegs.

In Sachen Social Media-Kommunikation gibt es bei Österreichs Parteien noch "große Defizite". Für Judith Denkmayr , Geschäftsführerin der Agentur "Digital Affairs" ist das eine der wesentlichen Erkenntnisse des jüngsten Nationalratswahlkampfs. "Es gab viel politisches Hickhack, Dialog stand oft nicht im Vordergrund", sagte Denkmayr Mittwochabend bei einem Symposium des Friedrich Funder Instituts in Wien.

Die Großparteien SPÖ und ÖVP hätten in den sozialen Netzwerken vor allem ihre "eigenen Großartigkeit" demonstriert. Auf die User sei man dort nicht wirklich eingegangen. "Wahlkampf-Claims können einem um die Ohren fliegen, wenn ein Medium einen Rückkanal hat", so Denkmayrs Botschaft an die Politik. Und: "Tonalität ist Teil des Gesamtauftritts. Unguided Missiles schädigen das Image." Technologie beherrschen sei nicht genug, man müsse auch kommunizieren können.

Positiver bewertete Denkmayr die Social Media-Aktivitäten von FPÖ, Grünen und NEOS. Diese hätten die Möglichkeiten der sozialen Netzwerke "gut genutzt". So habe etwa der "HC Strache Rap" auf YouTube inzwischen über 700.000 Abrufe. Ob einem das Video gefalle oder nicht, das sei schon eine gelungene Aktion, erklärte die Social Media-Expertin. Denkmayrs Resümee: "Propagandaartiges Drüberziehen ist wenig sinnvoll. Der Köder muss dem Fisch schmecken, nicht dem Wahlkampfmanager."

ÖVP: Zu viel Propaganda?

"Das war der erste Online-Wahlkampf den wir gesehen haben", meinte der Politikberater Thomas Hofer. Während es etliche gute Mobilisierungsvideos gegeben habe, sei auf dem Kurznachrichtendienst Twitter einiges aus dem Ruder gelaufen. Die ÖVP sei dort etwa stark, aber zu propagandistisch unterwegs gewesen. "Da haben einige Twitter missverstanden", sagte Hofer.

Der "strategische Megagau des Wahlkampfs war aber Frank Stronach". Dieser hätte sich mit seinen Fernsehauftritten selbst versenkt, so der Politikberater. Anders die Erklärungsversuche über den Parlamentseinzug der NEOS. "Die NEOS sind vielleicht gerade deshalb reingekommen, weil sie sich im ORF nicht entzaubern konnten", gab die stellvertretende "Kurier"-Chefredakteurin Martina Salomon zu bedenken.

Kritik am Wahlkampf-Medium Fernsehen übte unterdessen "Falter"-Herausgeber Armin Thurnher. "Das war ein sehr TV-konzentrierter Wahlkampf, eine Art Polit-Casting-Show. Und die Printmedien haben sich von der Dominanz des Fernsehens treiben lassen und ihre Formate ebenfalls angepasst", so Thurnher. "Man entkommt dieser TV-Popularisierung nicht, das geht aber zu Schaden der Politik, die versucht, sich dem Entertainment-Faktor anzupassen. Wenn sich Politiker im Fernsehen wie Kasperl verhalten, kann eine hohe Quote sogar zu größerer Politikverdrossenheit führen. Für die Demokratie ist das keine besonders erfreuliche Entwicklung."

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