Bald schreit Zalando völlig vor Glück

Bald schreit Zalando völlig vor Glück

Kreischende Frauen und jede Menge Klamotten. Wer kennt sie nicht: die "Schrei vor Glück"-Werbung des Online-Modeanbieters Zalando. Und eben diese durchaus pointierten Spots haben das junge Unternehmen in kürzester Zeit zu einem wahren E-Commerce-Riesen gemacht und es zudem nachhaltig ins Bewusstsein der Online-Shopper gerückt.

Dem nicht genug hat Zalando in den vergangenen Jahren die Textil- und Versandhandelsbranche durcheinandergewirbelt, so dass Konkurrenten wie der Platzhirsch Otto den Aufstieg der Berliner genau beobachten.

So bietet Zalando als reiner Internet-Händler inzwischen 150.000 Produkte an. Neben Bekleidung gibt es auch Haushaltsartikel, Einrichtungsgegenstände für die Wohnung, Sportgeräte und Kosmetik. Beliefert werden rund zehn Millionen Kunden in insgesamt 14 europäischen Ländern. Allein im vergangenen Jahr kamen sieben Staaten hinzu: Spanien, Schweden, Finnland, Dänemark, Norwegen, Polen und Belgien. An eine Expansion in weitere Regionen wird vorerst allerdings nicht gedacht. "Wir sind jetzt in allen wichtigen Märkten Europas vertreten. Darauf wollen wir uns konzentrieren", so Zalando-Gründer und Geschäftsführer David Schneider.

Aber auch in puncto Kundenzufriedenheit glänzt Zalando. So belegte der Versand-Riese beim Kundenzufriedenheits-Ranking des Unternehmensberatung "OC&C 2012" unter den Textilhändlern in insgesamt vier von zehn Kategorien Platz eins. Vor einem Jahr hatte es nur für einen Spitzenplatz gereicht. Damals dominierten noch die Betreiber großer bekannter Ladenketten wie Esprit, Zara, C&A und KiK die vordersten Ränge.

Auf den Lorbeeren ausruhen wolle man sich allerdings nicht. So nimmt Zalando aktuell verstärkt das Luxus-Segment ins Visier. Unter dem Namen Emeza geht ein neuer Shop mit 120 gehobenen Marken an den Start. Aber auch Gerry Weber will seine Mode ab September mit Hilfe von Zalando an die Frau bringen. Darüber hinaus verhandle das Management mit den Online-Giganten Ebay und Amazon.

Erfolgsstory wie sie im Buche steht – nicht ganz

Klingt alles mehr als vielversprechend: Von null zu den hundert umsatzstärksten Online-Shops 2012 und das in fünf Jahren – eine Erfolgsstory. Zum Teil. Wäre da nur nicht die Sache mit dem (noch) fehlenden Gewinn. Denn wegen hoher Investitionen schreibt Zalando noch immer Verluste. Der Umsatz übertraf 2012 zwar erstmals die Milliarden-Euro-Marke und konnte sich zudem von 510 Millionen Euro im Jahr zuvor mehr als verdoppeln. Beim Betriebsergebnis vor Zinsen und Steuern muss man sich allerdings immer noch mit einem Minus von 90 Millionen Euro zufrieden geben.

"Anlaufverluste nehmen wir in Kauf, sie sind Teil unserer Strategie beim Eintritt in neue Märkte", erklärt Rubin Ritter, der neben Schneider dem Gründer- und Geschäftsführer-Team von Zalando angehört. Entscheidend sei demnach, dass sich die Margen bereits in allen Regionen positiv entwickelten. In der Kernregion Deutschland, Österreich und der Schweiz hat Zalando nach eigenen Angaben zudem ein ausgeglichenes Ergebnis erzielt. Ein Gewinn unterm Strich wurde allerdings nicht genannt. Dennoch gibt sich der Zalando-Chef optimistisch. "Wir werden auch 2013 kräftig wachsen", erklärte Ritter in der Vergangenheit. Es gebe im Kernmarkt noch unendlich viel Wachstumspotenzial.

Neben den roten Zahlen sind auch die hohen Retourenquoten die offene Flanke von Zalando. So gilt es in dieser Branche als eine Art ungeschriebenes Gesetz, dass die Kunden rund 70 bis 80 Prozent der bestellten Waren wieder zurückschicken. Bei Zalando liegt die Retourenquote aber "nur" bei 50 Prozent und somit deutlich über dem Marktniveau im Bereich E-Commerce.

Finanziell sei Zalando allerdings gut aufgestellt, weil laufend Investoren Kapital einschießen. "2012 ist unsere Eigenkapitalquote auf über 50 Prozent gestiegen, von 39 Prozent im Jahr zuvor. Wir verfolgen einen starken Wachstumskurs und haben als Ausgleich dafür immer eine sehr konservative Bilanzstruktur gewählt", betont Ritter.

Investoren üben sich in Geduld

Zu den Anteilseignern gehört neben dem schwedischen Investor AB Kinnevik und dem deutschen Handelskonzern Tengelmann auch der bekannte Berliner Start-up-Inkubator der Samwer-Brüder, denen unter anderem oft das Kopieren von Geschäftsmodellen aus dem Ausland vorgeworfen wird. Erst kürzlich reihte sich zudem ein neuer Großaktionär ein. Der dänische Modeunternehmer Anders Holch Povlsen übernahm Mitte August zehn Prozent der Anteile von anderen Gesellschaftern und stieg damit zum drittgrößten Anteilseigner auf. "Holch Povlsen kennt unsere Stärken gut. Mit diesem Schritt entwickeln wir den Gesellschafterkreis strategisch weiter", so Schneider.

In Bezug auf den noch ausstehenden Gewinn geben sich die Investoren durchwegs gelassen. "Amazon hat auch 3,5 Milliarden Dollar verbrannt, bevor die profitabel wurden. Jetzt sind sie die Benchmark der Branche", sagte etwa Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub in der Vergangenheit. Amazon etwa verdiente erst nach acht Jahren Geld. "Ich weiß nicht, ob wir acht Jahre brauchen", so Ritter gegenüber der Zeitung "Die Welt". Die Investoren jedenfalls sind optimistisch.

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