Ausbau des Breitband-Internet
ist teuer, aber unverzichtbar

Ausbau des Breitband-Internet
ist teuer, aber unverzichtbar

Autobahn oder Schotterstraße? Flüssiger Verkehr oder verstopfte Transportwege? Was für den Straßenverkehr gilt, gilt auch für Internet und Mobilfunk: Ohne entsprechende Infrastruktur gibt es kein Vorankommen.

Tatsächlich sind eine moderne Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnologie sowie entsprechendes Know-How die Voraussetzungen für Wettbewerbsfähigkeit und Wohlstand. Österreich ist in dieser Hinsicht gar nicht so ein Musterland, wie es die außerordentlich hohe Zahl der Mobilfunkverträge und der harte Wettbewerb unter den Providern vermuten lassen würden.

Unser Land liegt im jüngsten Global Information Technology Report auf dem gar nicht berauschendem 19. Platz. Die Nummer eins ist Schweden, gefolgt von Singapur und Finnland. Deutschland liegt auf dem 16. Platz. Erstaunlich ist, dass der Abstand zwischen den westlichen Staaten und den Entwicklungsländern hinsichtlich der IKT-Infrastruktur trotz deren großer Anstrengungen größer geworden ist.

Investitionen nötig

Das Ranking zeigt auch: Ohne große Investitionen und ohne eine umfassende Strategie kann ein Land in dieser Hinsicht nicht reüssieren. Die Schwierigkeit für Politik und Wirtschaft ist aber, einen Weg zwischen berechtigten Interessen der Privatunternehmen, den Anforderungen des Standortes und den erforderlichen Kosten zu finden. Das zeigt sich beispielsweise im Falle der Versteigerung der Mobilfunk-Lizenzen, die in Österreich im September über die Bühne gehen wird. Sie soll rund 530 Millionen Euro einbringen – eine Summe, die nicht nur bei Politikern für Begehrlichkeiten sorgt.

Ein Großteil dieser Einnahmen soll ins Bau-Konjunkturpaket strömen, zudem will Infrastrukturminsterin Doris Bures 250 Millionen für den Ausbau des Breitband-Internet verwenden, was auf Widerstand seitens der Mobilfunker T-Mobile und „3“ gestoßen ist. Auch der Verband der Elektro- und Elektronikindustrie hat nun verlangt, dass weitere 100 Millionen in Forschung und Innovationsförderung dieser Branche gehen sollten. Einig sind sich die Mobilfunker, dass allzu teure Frequenzen letztlich keinem helfen würden. Sie verweisen auf eine Versteigerung in Tschechien, die beim Stand von 785 Millionen Euro zunächst abgebrochen werden musste. Die hohen Kosten wären auf die Kunden übertragen worden, so die Angst. Auch in Österreich fürchten A1, T-Mobile und „3“, dass der Regulator die Preise in die Höhe treiben wird.

Unbestritten ist, dass es den Ausbau der Internet- und Telekom-Infrastruktur braucht, will Österreich im Technologie-Index nicht weiter an Boden verlieren und nicht nur für Unternehmen aus dieser Branche, sondern in allen Wirtschaftsbereichen ein attraktiver Standort bleiben. Die flächendeckende Versorgung des Landes mit Breitband-Internet ist hier oberstes Ziel. Datenübertragungsgeschwindigkeiten von bis zu 100 Mbit pro Sekunden sollen möglich sein.

Für die Telekom Austria ist aus logischen Gründen eine Parallel-Strategie angesagt: Einerseits soll im Festnetz ein Hochgeschwindigkeitsnetz aufgebaut werden, das auf Glasfaser basiert; per Ende Juni des Jahres wurden rund 2,3 Millionen Haushalte und Betriebe mit diesem Glasfasernetz versorgt. Auf diese Weise könne ein Kommunikations-Netzwerk errichtet werden, das für alle multimedialen Eventualitäten gerüstet ist. Dazu zählt auch die Optimierung der bestehenden Kupfer-Infrastruktur durch neue Technologien wie das sogenannte Vectoring, bei dem Störeffekte parallel laufender Leitungen herausgefiltert werden können.

Kapazitäten erweitern

Zugleich werden die Kapazitäten im Datennetz erweitert – das Zauberwort für A1 lautet dabei LTE. Das Kürzel steht für „Long Term Evolution“ und ist die Technologie für die vierte Generation (4G) des Mobilfunks. LTE ermöglicht eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 Mbit pro Sekunde.

Für die Praxis bedeutet das, dass beispielsweise ganze Videos in wenigen Sekunden auf ein Smartphone heruntergeladen werden können. Ab dem Herbst geht es bei der vorher erwähnten Auktion um die 800-MHz-Frequenz, bei deren Nutzung wird LTE auch für ländliche Regionen einsatzbereit sein. Derzeit konzentriert sich beispielsweise A1 beim Aus- und Aufbau von LTE auf die Ballungsräume, bis Ende des Jahres sollen 25 davon mit 4G/LTE versorgt sein. Ein Drittel der Österreicher wird dann die schnelle Datenübertragung via Mobilfunk nutzen können, konkret wird sich das auch bei Veranstaltungen positiv bemerkbar machen. Bisher ist es ja so, dass bei einem Konzert oder im Fußballstadion der Internet-Zugang über das Handy eingeschränkt ist, weil viele Nutzer zugleich das Mobilfunknetz nutzen. Dank LTE werden höhere Kapazitäten zur Verfügung stehen. Doch die Konkurrenz schläft nicht: Auch „3“ und T-Mobile investieren massiv in LTE.

LTE ist aber nicht nur für österreichische Konsumenten und Unternehmen interessant: Weltweit wird die Zahl der Nutzer dieser Technologie schon nächstes Jahr von derzeit 105 Millionen auf mehr als 220 Millionen steigen. Nach Ansicht von Branchenanalysten ist LTE damit der erhoffte Schub für die Branche, von dem auch Zulieferer wie Huawei (der in Österreich u.a. für „3“ im Einsatz ist) profitieren. Europa ist allerdings im Vergleich zu Nordamerika und China zurückhaltend, was die Investitionen betrifft – wofür nicht nur die Krise, sondern ein gewisser Mangel an Verständnis seitens der Politiker verantwortlich ist.

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