Stromnetze werden intelligenter als Menschen (was nicht schwer ist)

Stromnetze werden intelligenter als Menschen (was nicht schwer ist)

Waschmaschinen, die loslegen, wenn der Strom billig ist, Solaranlagen auf dem Dach, die Private zu Stromanbietern machen, und Zähler, die sparen helfen, aber auch den Tagesablauf der Bewohner verraten, sind Beispiele dafür, wie intelligente Stromnetze unser Leben beeinflussen wird.

Das erklärte Wilfried Elmenreich anlässlich seiner gestrigen Antrittsvorlesung an der Universität Klagenfurt der APA. Ein intelligentes Stromnetz (Smart Grid) wird durch die Umstellung auf erneuerbare Energieträger notwendig, so der Computerwissenschafter, der seit März Universitätsprofessor im Fachbereich "Smart Grids" am Institut für Vernetzte und Eingebettete Systeme der Universität Klagenfurt ist. Die heutigen Netze seien zentral gesteuert und von wenigen Kraftwerken gespeist, die je nach Bedarf hochgefahren und wieder gedrosselt werden können, so der Experte. Sie wären aber nicht für viele einzelne Solaranlagen und Windräder ausgelegt, die je nach dem lokalen Wetter mal mehr Strom liefern, mal weniger.

Außerdem sei der Strombedarf gerade in den Abendstunden am höchsten, wenn die Sonne bereits untergegangen ist und auch der Wind sich oft gelegt hat. Man müsse auch den Verbrauch an die Zeiten anpassen, zu denen die erneuerbaren Energieträger den meisten Strom liefern. Dazu seien flexiblere Netze nötig, die von lokal eingebetteten Computern gesteuert werden und wo ein intelligentes Kontrollsystem in den einzelnen Haushalten etwa das Wasser im Boiler aufheizt und die Batterie eines Elektroautos lädt, wenn viel Strom zur Verfügung steht und der Preis deshalb auch günstiger ist.

"Die Systeme werden so komplex, dass man sie nicht mehr mit den traditionellen Systemen beherrschen kann, die sich seit über hundert Jahren kaum geändert haben," sagte Elmenreich, man brauche nun die Unterstützung der Informationstechnologie.

Die Umsetzung von intelligenten Stromnetzen passiert in Europa unterschiedlich schnell. Während zum Beispiel Italien und Schweden praktisch schon heute das EU-Ziel von 2020 erreicht haben, intelligente Stromzähler (Smart Meters) mit einer Flächendeckung von 80 Prozenten zu installieren, sei man unter anderem in Österreich noch skeptisch und "sehr zurückhaltend", so der Experte.

Dafür gäbe es verschiedene Gründe: Es sei noch nicht klar, ob sich solche Stromzähler wirtschaftlich überhaupt rechnen und das Sparpotenzial nicht geringer ist als erwartet, weil etwa alte Gewohnheiten den Stromkonsum weiter bestimmen könnten. Möglicherweise würden tageszeitabhängige Tarife für manche Personengruppen, die nicht sehr flexibel sind, den Strom sogar teurer machen. "Das Smart Meter ist natürlich auch ein Eindringen in die Privatsphäre, weil man relativ leicht herausfinden kann, welche Geräte wann am Laufen sind", so Elmenreich.

In seinem Forschungsteam würde man daher Methoden testen, um die Aktivitäten der einzelnen Geräte zu verstecken. "Mit einer Batterie als Puffer oder dem gezielten Einsatz eines Großverbrauchers, zum Beispiel eines Boilers, kann man die Privatsphäre und den Datenschutz auf technischem Weg forcieren", sagte er.

Österreich kann die Umstellung ruhig gemütlich angehen, meint Elmenreich. Die bereits existierenden Donau- und Speicherkraftwerke würden einen großen Anteil an erneuerbarer Energie liefern, ohne CO2 zu produzieren, und gut mit den klassischen Systemen funktionieren. "In der Umsetzung würde ich bei Österreich nicht eine Vorreiterrolle erwarten, weil wir es nicht notwendig haben", erklärte er. Nachsatz: "Was uns aber nicht daran hindert, in dem Bereich gute Forschung zu machen."

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