Loewe sucht sich mit neuem Aufputz seine kapitale Nische

Loewe sucht sich mit neuem Aufputz seine kapitale Nische

Der deutsche Fernsehhersteller Loewe will nach der Insolvenz zu alter Größe wachsen. Mit einer Premium-Strategie und einem Partner aus China will der neue Eigentümer die Marke neu positionieren. Hochwertige TV-Geräte für Kunden, die sich den TV-Genuss auch leisten können.

Berlin. "Neustart geglückt", erklärte Mark Hüsges, neuer CEO und Miteigentümer des deutschen Fernsehherstellers Loewe anlässlich der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA). Mit neuen Produkten und weiterhin als Premium-Marke sucht Loewe die Umkehr zu schaffen.
Im Vorjahr war das deutsche Traditionsunternehmen in die Insolvenz geschlittert. Der deutsche Investor Stargate mit Hüsges im Top-Management hat das Unternehmen aus der Insolvenz übernommen.

"Wir sind kein Finanzinvestor", betont Hüsges. Der Tradition des 91 Jahre alten Fernsehpioniers verpflichtet, habe man "eigenes Geld" eingesetzt, um das Unternehmen wieder zum Erfolg zu führen. Nach der Insolvenz wurde im Frühjahr 2014 von Hüsges der Neustart eingeleitet und Schlüsselpositionen neu besetzt. Das Portfolio wurde einem Update unterzogen.

Zahlungskräftige Kundschaft

Die hochpreisigen TV-Geräte - sie kosten derzeit bis zu 8500 Euro - sollen zahlungskräftige Kunden locken. Neben der Top-Qualität verspricht der neue Loewe-Eigentümer vor allem eine neue Software, die den "höchsten Bedürfnissen" der Anwender entspricht. "Wir sind ein Nischen-Player", so Hüsges: "Bei uns bekommt der Kunde das, was er bei Massenherstellern nicht bekommt." Der Loewe-Chef setzt auf die Premium-Strategie. Kunden mit höchsten Ansprüchen seien auch bereit etwas tiefer als bei Massenware ins Geldbörsel zu greifen.

Nichts Neues also gegenüber der Epoche, die im Vorjahr zur Insolvenz geführt hat? Dem widerspricht CEO Hüsges vehement. Nachgebessert wurde nicht nur beim Design oder der Qualität, was Bild und Ton anbetrifft, wo sich Loewe wieder im Spitzenfeld sieht.

Intelligente Software

Mittels intelligenter Software, "die einzigartig in der Branche ist", will Loewe-CEO Hüsges weiterhin bei seiner anspruchsvollen Kundschaft punkten. Die Software soll das Loewe-TV-Gerät in den Mittelpunkt des Smart Home Entertainment rücken, wie Hüsges im Gespräch mit Format.at betont, und besonderen Nutzerkomfort bieten, den andere Hersteller nicht bieten können. Loewe verspricht verschiedene Features, etwa auch die Steuerung und Nutzung der TV-Programme von dem so genannten "Second Screen". Der Nutzer kann von einem Tablet oder Smartphone das TV-Gerät steuern.
Im heiß umkämpften Fernsehmarkt wird seit gut einem halben Jahrzehnt der Wettbewerb über einen ruinösen Preiskampf ausgefochten. Loewe hatte bis zur Insolvenz vor allem unter der massiven Konkurrenz aus Asien gelitten.

Ungleiches Paar

Ganz alleine wird Loewe die Trendumkehr nicht stemmen. Die Kooperation mit dem Elektronikriesen Hisense aus China, der im Gegensatz zu den Deutschen auf Massenware setzt, soll vor allem Kostenvorteile beim Einkauf bringen. "Wir haben eine gemeinsame Plattform, über die wir uns austauschen", so Loewe-CEO Hüsges. Soll heißen: Bei der Entwicklung von Prozessoren und TV-Panelen arbeiten die beiden Unternehmen eng zusammen.

Loewe will dabei vom gemeinsamen Einkauf und den damit günstigeren Konditionen und Kosteneinsparungen profitieren. Hisense will das Knowhow von Loewe und dessen Vertriebswege in Europa nutzen, um noch schneller in den europäischen Markt vorstoßen zu können. Gemeinsame Produkte sind nicht geplant, wie Hüsges betont. Die Gefahr, dass Hisense beim Design nachrüstet und "Loewe-Produkte"unter eigener Marke, aber billiger, auf den Markt bringen könnte, sieht Hüsges nicht.

Hisense wurde 1969 als Radiohersteller gegründet. Heute stellt der Konzern TV-Geräte, Waschmaschinen, Kühlschränke sowie Tablet-PC und Smartphones her. Im Jahr 2014 wollen die Chinesen mit 75.000 Mitarbeitern einen Umsatz von 17,2 Milliarden Dollar erzielen - 2007 waren es noch rund 7,0 Milliarden Dollar.

Die Geschäfte laufen nach dem Neustart nach Angaben von CEO Hüsges wieder so gut, dass bereits Neueinstellungen in der Produktion ins Auge gefasst werden. Die Produktion soll weiterhin im oberfränkischen Kronach verbleiben.

Zahlen zum Umsatz will Hüsges noch keine bekannt geben. 2014 sei ein Rumpfgeschäftsjahr. "Außerdem sind die Zahlen nur wenig aussagekräftig", sagt Hüsges. Den Break-Even will der Loewe-Chef so "schnell wie möglich" erreichen. 400 Millionen Euro Jahresumsatz hatte Loewe zu Spitzenzeiten erzielt. Die Belegschaft von Loewe ist nach der Insolvenz von 1000 auf nunmehr 400 Mitarbeiter geschrumpft. Ein Börsengang des einst in Frankfurt notierten Unternehmens ist derzeit kein Thema.

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