13 IT-Trends, die Österreichs Wirtschaft verändern werden

13 IT-Trends, die Österreichs Wirtschaft verändern werden

Informationstechnologie ist Treiber von Innovation und Basis für gesellschaftliche Entwicklungen und als einer der wenigen Wirtschaftszweige. Marktforscher haben die wichtigsten Trends identifiziert - sie können auch anderen Branchen helfen, fit für die Zukunft zu werden.

1. Steigende IT-Budgets

Rezession? Welche Rezession? Während an anderen Enden gespart wird, steigen im kommenden Jahr die IT-Budgets um 33,6 Prozent – das besagt zumindest eine Capgemini-Umfrage unter 154 IT-Entscheidern (CIOs) von Großunternehmen in Österreich, Deutschland und der Schweiz. In den Folgejahren soll in Unternehmen gar noch mehr Geld für Tech-Investitionen locker gemacht werden.

2. Fachabteilungen haben das Sagen

Weiters hat die Capgemini-Umfrage ergeben, dass in knapp zwei Drittel der Fälle die Verantwortung für die IT-Budgets den Fachabteilungen übertragen wird. Diese Entwicklung wird von den CIOs positiv gesehen, zumal die Annäherung zwischen technischen und inhaltlichen Experten für eine gute Gesamtstrategie unerlässlich ist. Technik ist nun nicht mehr Selbstzweck - sondern soll Unternehmen helfen, bessere Ergebnisse zu erzielen.

3. Smartphone-Wachstum flaut ab – Preise sinken

Im Jahr 2014 wurden weltweit rund 1,3 Milliarden Smartphones verkauft, berichtet das Marktforschungsunternehmen IDC: Im Vergleich zum Vorjahr ist der Absatz um 26 Prozent gestiegen. Solch exorbitant hohe Steigerungsraten sind nun aber passé, sagen die Experten: Im kommenden Jahr würden die Verkäufe nur noch um rund zwölf Prozent zunehmen. Mit der Sättigung des Marktes sinken die Preise, von durchschnittlich 297 Dollar (238 Euro) in diesem Jahr auf 241 Dollar im Jahr 2018.

4. Omnipräsentes Internet

Das nachlassende Wachstum des Smartphone-Marktes besagt aber nicht, dass wir weniger online sein werden – ganz im Gegenteil: Dem Marktforscher Gartner zufolge werden wir durch Smartphones und Tablets, aber auch durch so genannte „Wearable Devices“ (Technologie in Kleidungsstücken, wie etwa smarte Armbanduhren) verstärkt mit dem Internet verbunden sein. Auch das „Internet der Dinge“ wird seinen Siegeszug erleben, indem mehr Geräte des täglichen Gebrauchs mit dem Web verbunden sind.

5. Schwellenländer gehen online

Sinkende Preise bei Endgeräten – Smartphones und Tablets gleichermaßen – bedeuten auch, dass jene Menschen online gehen können, denen dies zuvor aus ökonomischen Gründen nicht möglich war. Schon heute ist laut Marktforscher Statista Indien das Land mit den zweitmeisten Facebook-Nutzern: Über 150 Millionen US-Amerikaner nutzen das Soziale Netzwerk, in Indien sind es rund 110 Millionen Menschen; auf den weiteren Plätzen des globalen Rankings folgen die Schwellenländer Brasilien (70 Millionen), Indonesien (60 Millionen) und Mexiko (45 Millionen). Zugleich bringen diese Länder eigene IT-Unternehmen hervor: Indiens Flipkart und Chinas Alibaba sind Asiens Pendants zu Amazon, und Autowale bietet in Indien dem kalifornischen Taxi-Dienst Uber die Stirn; China ist das weltweit einzige Land, in dem die lokale Suchmaschine Baidu mehr Marktanteil hat als Platzhirsch Google. Für österreichische Exporteure bedeutet dies, dass sich hier ein neuer Markt öffnet – allerdings sollten sie dabei diverse interkulturelle und organisatorische Stolpersteine bedenken.

Unter diesem Link lesen Sie, wie Sie mit dem Web Ihren Export ankurbeln.

6. 3D-Druck für KMU

Sinkende Kosten werden auch die Verwendung von 3D-Druck antreiben – dabei wird ein 3D-Modell am Computer generiert und anschließend als echtes Objekt produziert, indem dünne Schichten eines Materials (meist Kunststoff) aufeinander aufgetragen werden. Für Endkonsumenten gibt es dafür noch keine massentauglichen, sinnvollen Anwendungsszenarien – wohl aber im professionellen Bereich: Architekten und Designer können etwa auf diese Art rasch und preiswert Prototypen für den nächsten Kundentermin erstellen.

7. Big Data-Analyse

Mit dem Internet verbundene Geräte, Smartphones, Wearable Tech und der Fußabruck des Menschen im Internet – all dies hinterlässt Massen an Daten, die meist in unstrukturierter Form vorliegen. Erfolgreicher als die Konkurrenz werden jene Unternehmen sein, die diese Informationen richtig strukturieren, analysieren und interpretieren, um anschließend bessere Entscheidungen zu treffen. Das gilt etwa für den Handel, der den Kunden basierend auf vergangenen Kaufentscheidungen zu neuen Käufen motivieren kann. Oder für die Industrie, die durch intelligentes Monitoring der Abläufe diese optimiert, um Zeit und Energie zu sparen.

8. Industrie 4.0

Auch die Industrie wird nach dem Motto „Industrie 4.0“ digitalisiert – im Fokus steht dabei, dass Maschinen effizienter arbeiten, um Kosten zu sparen und die Umwelt zu schonen. Dieses Thema hat auch die heimische Politik inzwischen für sich entdeckt: In den nächsten beiden Jahren soll Industrie 4.0 mit 250 Millionen Euro aus dem Infrastrukturministerium gefördert werden; diese werden über die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG), Investitionszuschüsse der Austria Wirtschaftsservice GmbH (aws) und Pilotfabriken fließen, in denen etwa Produktionsprozesse getestet werden können. Die erste Pilotfabrik startet 2015 in Zusammenarbeit mit der Technischen Universität (TU) Wien, fünf weitere sollen folgen. Die Industriellenvereinigung (IV) will alle Maßnahmen zur Industrie 4.0 in einer Plattform vernetzen.

9. Kontaktlos bezahlen – per Karte und Smartphone

Im Handel wird das Thema „Near Field Communication“ (NFC) weiter an Fahrt gewinnen. Bei dieser Technologie tauschen Chips geringe Mengen an Daten miteinander aus, indem sie aneinander gehalten werden. Seit Jahren versuchen Smartphone-Anbieter, auf diese Art das Bezahlen mit dem Handy salonfähig zu machen. Allerdings verzögerte sich der Durchbruch – inzwischen sind im österreichischen Handel zwar viele Kassen mit NFC-Terminals ausgestattet, bezahlt wird dort aber nach wie vor in Cash oder mit Karte. Nun ist aber auch der Trendsetter Apple mit dem iPhone 6 in die Welt der NFC-Zahlung vorgedrungen – was für Marktforscher Juniper Reserach Grund genug ist, 2015 als das „Jahr des NFC“ zu bezeichnen. Woran der Plan dennoch scheitern könnte, das hat format.at im Herbst bereits beschrieben.

10. Interaktive Displays und virtuelle Shops

Hohe Mieten im traditionellen Handel zwingen Ladenbesitzer, ihre Verkaufsfläche besser zu nutzen. Interaktive Displays spielen hierbei eine immer wichtigere Rolle, prognostiziert der Elektronik-Konzern Samsung. Auch die Verbindung zwischen Online- und Offline-Handel wird sich fortsetzen: Immer mehr Unternehmen werden erkennen, dass sie alle verfügbaren Vertriebskanäle nutzen müssen - auch übergreifend. Dazu gehört etwa, dass der Kunde seine Ware online bestellen und und anschließend selbst im Geschäft abholen kann. So ist er unabhängig von Lieferdiensten und spart sich außerdem das Porto. Für einige Branchen, etwa Autohandel und Reisebüros, könnte Virtual Reality neue Möglichkeiten schaffen: Lust, schon vor der Buchung über einen weißen thailändischen Strand zu spazieren? Brillen wier die Oculus Rift machen es möglich.

11. Die persönliche Fitness

Neben dem Bezahlen per Smartphone hat Apple auch beschlossen, sich auf das Thema „Mobile Health“ zu stürzen: Die „Health App“ fasst Daten zu Herzfrequenz, verbrannten Kalorien, Blutzucker und Cholesterin zusammen, die von anderen Apps und Geräten gemessen werden. Konkurrent Google hat mit „Google Fit“ eine App, die die täglich zurückgelegten Schritte des Nutzers zählt. Smarte Uhren wie die „Apple Watch“ messen den Puls am Armgelenk des Trägers. Clevere Waagen wie jene von „Withings“ messen nicht nur das Gewicht ihres Besitzers, sondern helfen via Smartphone-Abgleich bei der Dokumentation des Diät-Erfolgs. Das österreichische Start-up MySugr hilft Diabetikern beim Messen des Blutzuckers; das oberösterreichische Unternehmen Runtastic bietet Sportler-Apps, die alles von der Jogging-Performance bis zum Schlafverhalten messen. Es ist zu erwarten, dass sich der Health-Hype auch im kommenden Jahr fortsetzen wird. Österreichs Unternehmen können diese Entwicklung nutzen, um selbst Produkte für dieses Segment zu entwickeln – oder bestehende Lösungen zu integrieren. Sind Sie etwa auf der Suche nach einem sinnvollen Incentive? Tun Sie Ihrem Mitarbeiter etwas Gutes und helfen Sie ihm, ein gesundes Leben zu führen.

12. Das smarte Zuhause

Zwei von fünf Personen vertrauen heute laut einer Studie von Samsung in ihrem Zuhause auf Haushaltsautomatisierung. Am beliebtesten sind moderne Heiz- und Air Conditioning Systeme (22 Prozent) sowie Entertainment Devices (16 Prozent). Samsung prognostiziert, dass immer mehr Menschen dies in ihrem Zuhause nutzen werden. Warum? Weil es einfach mehr Spaß macht. Auch hier werden Start-ups Innovationen präsentieren, Elektronik-Konzerne wie Samsung haben selbst derartige Lösungen im Gepäck (was auch der Hintergrund der Studie sein dürfte).

13. Sicherheit und Angst

Vernetze Menschen, vernetzte Waschmaschinen und vernetzte Unternehmen – und bei all dem schwingt bitter das Wissen um den NSA-Skandal mit, der im Jahr 2013 die Welt erschütterte; und auch wiederholte Hacker-Angriffe auf Unternehmen schüren die Angst vor Datendiebstahl. In Österreich bremste diese Sorge etwa die Entwicklung des Cloud Computing: Laut Eurostat nutzen nur 12 Prozent der hiesigen Betriebe derartige Dienste – 39 Prozent der europäischen Unternehmen sehen Sicherheitsbedenken als das größte Hindernis. Marktforscher Juniper Research prognostiziert daher, dass 2015 verstärkt in Sicherheitslösungen investiert wird. Auf globaler Ebene soll vor allem die biometrische Identifizierung einen Aufschwung erfahren, bei der sich Nutzer etwa über Körpermerkmale wie ihre Iris oder ihren Fingerabdruck ausweisen. In Österreich wird diese Entwicklung wiederum durch Datenschutz-Bedenken gebremst.

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