Hyperloop: Mit Highspeed in 40 Minuten von Wien nach Mailand

Hyperloop: Mit Highspeed in 40 Minuten von Wien nach Mailand

Ein Start-up aus den USA möchte gewaltige Röhren bauen, durch die Menschen mit 1200 km/h von einer Stadt in die nächste geschleudert werden. Und das ist noch nicht mal der verrückteste Teil der Geschichte.

Kostenlos mit einer Geschwindigkeit von 1200 km/h in nur 40 Minuten von Wien nach Mailand düsen, und dabei auch noch mehr Energie produzieren als man für die irre Fahrt verbraucht – das klingt heute noch wie blanker Irrsinn, soll nach den Vorstellungen der „Hyperloop“-Initiatoren aber schon bald Realität werden. Und dabei Mittelstreckenflüge ebenso in die Geschichtsbücher verbannen wie die Eisenbahn oder den Fernbus.

Doch was ist diese ominöse Technologie namens „Hyperloop“ eigentlich? Einfach gesagt: Eine Röhre, in der ein Unterdruck entsteht, so dass mit Passagieren gefüllte Kapseln darin mit Höchstgeschwindigkeit transportiert werden können. Ideen zu derartigen Lösungen gibt es bereits seit dem frühen 19. Jahrhunderts, neu beflügelt wird die Euphorie der Zukunftsoptimisten aber durch Elon Musk, Gründer der Elektroauto-Schmiede Tesla: Er stellte 2013 ein entsprechendes Konzept vor, das vor allem als Alternative für die „California High-Speed Rail“ (CHSR) dienen soll, einer Schnellbahn zwischen Los Angeles und San Francisco. Ein Hyperloop für diese Strecke kostet laut Musks Berechnung sechs bis acht Milliarden Dollar, während die Kosten für die CHSR mit 70 Milliarden Dollar veranschlagt werden.

Musk lässt andere machen

Musk hat zwar das Konzept präsentiert, will aber selbst im Bereich des Hyperloop nicht unternehmerisch tätig sein – er ist ausreichend mit Tesla und seinem Weltraum-Unternehmen SpaceX beschäftigt und wird vorerst lediglich eine kleine Teststrecke in Texas bauen. Stattdessen kommen nun andere Unternehmer zum Zug, die sich von Musk inspirieren ließen. Einer von ihnen ist Dirk Ahlborn, CEO von Hyperloop Transportation Technologies Inc., der im Rahmen des Pioneers Festivals 2015 in Wien zu Gast war.

Dirk Ahlborn im Gespräch mit CNBC: Bauarbeiten am Hyperloop beginnen 2016, Fertigstellung 2018.

Ahlborns Plan: Ab 2016 soll im kalifornischen Quay Valley eine Teststrecke entstehen, die 2018 fertiggestellt wird. Später sollen pro Kapsel 40 Leute transportiert werden, das sind 3300 Reisende pro Stunde. „Wir haben schon jetzt Gespräche mit Städtepaaren, die einander gerne mit einem Hyperloop verbinden würden“, sagt Ahlborn zu format.at: „Das sind jeweils Projekte im Milliardenbereich.“

Wer braucht noch Tickets?

Das innovative Denken hört nicht beim Transportmittel auf – es werden auch Finanzierungs- und Vertriebskonzepte neu durchdacht. „Tickets sind zum Beispiel ein Relikt aus dem 18. Jahrhundert“, sagt Ahlborn: „Wir müssen uns die Frage stellen, ob wir wirklich einen Fahrpreis verlangen wollen, oder ob es nicht eine bessere Lösung gibt.“ Inspiration holt er sich aus der IT-Branche: Wurde Software früher teuer verkauft, so bieten Unternehmen wie Google heute ihre Dienste gratis an – und verdienen trotzdem Geld.

Doch wie lässt man Kunden kostenlos sein neues Verkehrsmittel nutzen, ohne einen Verlust zu machen? Ahlborn spielt mit dem Gedanken, die Preise für Tickets zu staffeln: Zu Stoßzeiten zahlt man mehr, zu ruhigeren Zeiten fährt man dafür gratis – damit ließe sich auch die Auslastung besser regulieren. Ein anderes Gedankenspiel ist, auf die Entwicklung der Grundstückspreise zu setzen: Käme man von einer derzeit unbewohnten Gegend in 15 Minuten ins sündhaft teure Los Angeles, dann würde dies die dortigen Immobilien massiv aufwerten. „Allein dadurch könnten wir den Hyperloop finanzieren“, meint Ahlborn. Oder die Pfeiler der Hyperloop-Strecke werden genutzt, um Umsatz zu generieren – als Photovoltaikzellen, Windkraftwerke oder vertikale Anbauflächen für Nahrungsmittel.

„Wir wollen nicht allzu futuristisch klingen, all diese Dinge sind heute technisch machbar“, sagt Ahlborn überzeugt: „Und wenn sie wirtschaftlich sinnvoll sind, dann werden wir sie auch machen.“

IPO noch dieses Jahr

Ebenso ungewöhnlich wie die Technologie und das Vertriebskonzept ist der Aufbau des Unternehmens. Denn zwar sind 150 Experten für das Unternehmen tätig – dies aber in vielen Fällen nur nebenberuflich. Denn die Besten unter ihnen arbeiten hauptberuflich für Unternehmen wie Tesla, Boeing, Airbus und SpaceX oder für Top-Universitäten wie Stanford oder das MIT. Sie verpflichten sich, eine gewisse Zeit pro Woche am Hyperloop zu arbeiten; so wurden bisher Arbeitsstunden im Gegenwert von knapp neun Millionen Euro geleistet. Im Gegenzug für ihre geopferte Freizeit erhalten die Experten Stock Options.

Stock Options? Ja. Denn das Unternehmen plant, noch im Herbst 2015 an die Börse zu gehen. Die Motivation dahinter ist nicht die Finanzierung des Unternehmens, so Ahlborn: „Sondern wir wollen der Community die Möglichkeit geben, sich auch finanziell an dem Projekt zu beteiligen.“ Das wahre Potenzial des Unternehmens ließe sich derzeit noch nicht wirklich ausrechnen. „Meiner Meinung nach wird der Hyperloop aber eine größere Technologie werden als die Eisenbahn“, gibt sich Ahlborn selbstsicher: „Und viele Mitarbeiter, die jetzt Stock Options haben, werden dann Millionäre sein.“

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