High-Tech, made in Austria

High-Tech, made in Austria

Es kommt nicht auf die Größe eines Landes an – diese Binsenweisheit gilt auch für die Forschung. Österreich spielt in Europa in diesem Bereich eine wichtige Rolle.

Das Land habe seine Performance in den bisherigen Forschungs-Rahmenprogrammen der EU ständig verbessert, betont Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle immer wieder. Und Österreich ist laut dem Minister eines der erfolgreichsten Länder in Europa, was die Förderungen des Europäischen Forschungsrats (ERC) betrifft – damit will die EU Grundlagenforschung forcieren.

Jüngster Beweis für diese Behauptungen: Mitte Juli wurde bekannt, dass acht in Österreich tätige Nachwuchsforscher heuer einen der begehrten „ERC Starting Grants“ erhalten.

Diese Förderpreise des ERC gehen an hervorragende junge Wissenschaftler und sind mit bis zu zwei Millionen Euro für einen Zeitraum von maximal fünf Jahren dotiert. Insgesamt werden heuer 287 Förderungen vergeben, die Gesamt-Fördersumme beträgt rund 400 Millionen Euro. Mit acht Preisträgern liegt Österreich gleichauf mit Italien und Schweden im Mittelfeld (Platz neun). Eine Besonderheit: Nach der Schweiz hat Österreich den größten Anteil internationaler ERC-Preisträger, was ein Beweis für die Attraktivität des Forschungsstandorts ist.

Heuer läuft das 7. Rahmenprogramm für Forschung und technologische Entwicklung der EU aus. Es ist das derzeit größte transnationale Forschungsprogramm und hatte 2007 begonnen. Das Gesamtbudget betrug rund 54 Milliarden Euro. Die Ziele waren recht breit gefasst, die vier thematischen Säulen lauteten Zusammenarbeit, Ideen, Menschen und Kapazitäten. Darunter kann man sich recht wenig vorstellen, doch es gab eine große Anzahl konkreter Projekte in Sparten wie Gesundheit, Energie, Weltraum, Umwelt, Informations- und Kommunikationstechnologie und Verkehr.

Und Österreich spielt in diesem Rahmenprogramm eine maßgebliche Rolle: Hier drei Projekte, die im Zuge des 7. Rahmenprogramms der EU durchgeführt wurden und nicht nur die Schlagkraft der österreichischen Forschung beweisen, sondern auch die internationale Ausrichtung und Vernetzung der heimischen Wissenschaftler:

● Europäische Weltraum-Missionen werden von verschiedenen Konsortien aus unterschiedlichen Ländern betrieben. Besonderer Bedeutung kommt bei Ausflügen auf fremde Planeten der Verarbeitung von Bilddaten zu, die von Robotern auf die Erde gesendet werden. Das ist insofern von Bedeutung, da die Lebenszeit dieser Roboter begrenzt ist und daher jede übersandte Datei wichtig ist.

Beim Projekt „PRoVisG“ beschäftigen sich Forscher mit der Entwicklung verbesserter Prozessierung und Präsentation dieser Bilddaten, damit das Maximum aus den kostspieligen Weltraum-Abenteuern herausgeholt werden kann. Projektkoordinator ist Joanneum Research, im 7. Rahmenprogramm sind für PRoVisG insgesamt 4,5 Millionen vorgesehen gewesen. Ein wichtiges Ergebnis des Projekts ist ein internet-basiertes Geo-Informationssystem, mit dem Kontext, Geschichte und weitere Paramater der Roboter-Missionen visualisiert werden können.

Im Klartext: Der Benutzer sieht auf einen Blick, wo die entsprechenden Daten aufgenommen wurden, welche Instrumente verwendet wurden und welche Mess-Stationen zum Einsatz kamen. Entscheidend für das gesamte Projekt war die Expertise von Joanneum Research in Bereichen wie digitale Bildverarbeitung und Navigation aus Bildern. Neben der Grazer Forschungseinrichtung waren unter anderem Universitäten aus Großbritannien, Deutschland und Frankreich eingebunden.

● Wenn metallische Bauteile von Zügen, Schiffen oder Lastwägen versagen, sind dafür meistens Korrosion und Ermüdungsrisse verantwortlich. Die Folgen können nicht nur lebensgefährliche Unfälle, sondern auch große finanzielle Schäden sein. Um aber Inspektionen durchführen zu können, die solche Unfallursachen aufdecken, müssen die Transportmittel außer Betrieb gesetzt werden.

Beim Forschungsprojekt CORFAT wird ein Prüfverfahren entwickelt, das diesen Stillstand reduziert und die Kosten senkt. Die Idee dahinter: Es werden jene Schallwellen gemessen, die bei Rissen und Korrosionsprozessen entstehen, Sensoren nehmen diese Schallwellen auf. Durch elektronische Erfassung und Aufzeichnung kann somit der Zustand des Zuges, des Schiffes oder des Lkw ständig analysiert werden.

Dafür müssen nur einige Sensoren angebracht werden – die machen es möglich, dass etwa große Lagertanks von außen untersucht werden können. Verantwortlich für dieses Projekt, das die Verkehrssicherheit maßgeblich erhöhen kann, war die TÜV Austria Services GmbH, weiters nahmen Institutionen und Forschungseinrichtungen aus sieben weiteren europäischen Ländern teil.

● Neuartige Materialien, die in der Natur nicht vorkommen, können für vielfältige Zwecke eingesetzt werden – zum Beispiel zur Erschaffung besonders guter Linsen. Vielversprechend sind da etwa sogenannte „3D Negativ Index Materialien“, die zu der Gruppe der Metamaterialien zählen. Das sind künstlich hergestellte Strukturen mit einer besonderen Durchlässigkeit für elektrische und magnetische Felder. Für eine konkrete Anwendung sind aber zunächst Herstellungsmethoden notwendig, die industriell umsetzbar sind. Vielversprechend ist da die Nanoimprint- Lithographie, beim entsprechenden EU-Projekt war die österreichische Profactor als Koordinator im Einsatz, die Johannes-Kepler-Universität Linz war ebenfalls eingebunden. Es wurden Strukturen hergestellt, mit denen eine Massenproduktion der Materialien möglich ist.

Dass Österreich als Forschungsstandort weiter attraktiv bleiben wird, daran wird eifrig gearbeitet. Die Chancen dafür sollten sich erhöhen: EU-Forschungskommissarin Maire Geoghegan-Quinn verspricht, dass das nächste EU-Forschungs-Rahmenprogramm Horizon 2020 (2014 bis 2020) „simpler und effizienter“ wird und einen Schwerpunkt auf Klein- und Mittelbetriebe legt. Horizon 2020 biete österreichischen Forschern, Unternehmen, KMU und Innovatoren viele Möglichkeiten, sich weiterzuentwickeln.

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