„E-Books sind eine Chance für die Buchbranche“

„E-Books sind eine Chance für die Buchbranche“

Die Buchhandelskette Thalia will mit einer E-Reading-Offensive auf der Digitalisierungswelle mitreiten. Thalia-Chef Josef Pretzl erklärt, weshalb er elektronische Bücher nicht als Gefahr sieht und Buchläden unverzichtbar sind.

Eine Buchhandlung, die E-Books und E-Readern nicht ablehnend gegenübersteht, sondern im Gegenteil das Thema offensiv angeht? Das ist kein Widerspruch: Die Buchhandelskette Thalia will vom Trend zum digitalen Lesegerät profitieren und bereitet ihre Filialen bzw. ihr gesamtes Geschäft darauf vor. Thalia-Österreich-Chef Josef Pretzl sagt im Gespräch mit format.at: „Rund 40 Prozent der Österreicher sind am Thema E-Reading prinzipiell interessiert. An diesem Thema können daher Buchbranche inklusive Buchhandel nicht vorüber gehen.“

E-Books am Vormarsch

Tatsächlich lesen 19 Prozent der Österreicher bereits E-Books, in den USA sind es 25 Prozent. Die Verlage reagieren darauf, rund die Hälfte der deutschsprachigen Verlage hat elektronische Bücher im Angebot. „Es gibt bei Büchern kein Entweder – Oder“, sagt Pretzl. Am schönsten würde er es finden, wenn sich „der Kuchen durch E-Books vergrößert“.
Die Thalia Holding, die zum deutschen Einzelhandelskonzern Douglas Holding gehört, verfügt in Österreich über 35 Buchhandlungen und rund 800 Mitarbeitern. Diese Geschäfte sollen nun als Standorte für alle Belange rund ums E-Book wahrgenommen werden. Dazu wurden in den großen Filialen bereits E-Reading-Zonen eingerichtet, in denen Mitarbeiter über technische sowie fachliche Details zu elektronischen Büchern beraten sollen. Thalia hat derzeit fünf E-Reader (also Lesegeräte für E-Books) im Angebot: Vom einfachen Reader um rund 50 Euro bis zum Acht-Zoll-Tablet mit Beleuchtung um rund 150 Euro sollen unterschiedliche Lesebedürfnisse abgedeckt werden. „E-Reader werden stationär gekauft, die Kunden erwarten entsprechende Beratung“, sagt Josef Pretzl.

Hoher Investitionsbedarf

Im Geschäftsjahr 2011/2012 war der Gewinn von Thalia in Österreich von 4,3 Millionen auf 2 Millionen zurückgegangen. Pretzl erklärt das mit „massiven Investitionen“ in das Digital-Geschäft. Das Unternehmen mache sich damit fit für die derzeitige rasante Entwicklung. „E-Books sind eine Chance für die Buchbranche“, sagt er. Neben der entsprechenden Aufrüstung der Shops baut Thalia seine Website aus, erweitert die Social-Media-Aktivitäten und hat auch entsprechende Cloud-Lösungen für E-Books aufgebaut. Im Gegensatz beispielsweise zu Amazon kommen die bei Thalia gekauften elektronischen Bücher in einem offenen Format (epub oder pdf) daher; sie können auf maximal fünf Geräten gelesen werden.

Einem Buchhändler bleibe auch gar nichts anderes übrig, als nun zu investieren, glaubt Pretzl. „Wir sitzen bei den Veränderungen im Handel sozusagen erste Reihe fußfrei.“ Die Zukunft liege im Multichannel-Handel, bei dem etwa die Shops eine andere Rolle einnehmen. Im Vorjahr wurden rund 80 Prozent der Bücher traditionell im Geschäft gekauft, rund 20 Prozent online – also entweder in einem Internet-Shop bestellt oder als E-Book heruntergeladen. „Das wird sich zum Verhältnis 70 – 30 entwickeln“, glaubt Pretzl. Das gedruckte Buch werde es immer geben – alleine weil man beispielsweise ein Kochbuch nicht in elektronischer Form nutzen wird. Genauer gesagt: Noch nicht nutzen kann. „Der stationäre Buchhandel bleibt das Herz der Branche“, sagt Pretzl.

Keine Angst vor Raubkopien

Der Umgang mit dem Thema Online-Content – in Österreich ein besonders heikles Thema - ist für Pretzl hingegen keine Frage der Restriktionen, sondern eine der Kreativität. „Wie die Musikindustrie gezeigt hat, bringen Verbote wenig. Wir müssen stattdessen dafür sorgen, dass für die Inhalte bezahlt wird.“

Aber kaufen die Kunden dann ihre E-Books nicht doch lieber beim großen Online-Händler? Pretzl setzt auf die Beratung vor Ort, auf den Aufbau einer Channel-übergreifenden Marke und auf die Shops als „umfassende Erlebniswelten“. Eine Kinderbuch-Abteilung biete heute nicht mehr nur Kinderbücher, sondern rund um dieses Kernprodukt verschiedene Angebote für Familien. Die Nähe zum Kunden könne dafür sorgen, dass der Buchhandel sich gegen die großen Anbieter durchsetze. „Und das ist keine Frage der Größe, sondern der Kreativität“, glaubt Pretzl.

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