Das schmutzige Geschäfte mit billigen Druckerpatronen

Das schmutzige Geschäfte mit billigen Druckerpatronen

Ein Schwarz-Weiß-Laserdrucker um 49,90 Euro! Was für ein Schnäppchen, denkt sich der unerfahrene Konsument. Das erste Aha-Erlebnis: Nach wenigen Ausdrucken steht der Drucker. Denn die Kartuschen in Neugeräten sind nur minimal befüllt. Warum, wird spätestens beim Kauf des neuen Toners klar: 59,90 Euro - das böse Erwachen.

Die fetten Preise beim Verbrauchsmaterial sind freilich nicht den Herstellungskosten geschuldet, die laut Brancheninsidern bestenfalls zehn Prozent des Verkaufspreises ausmachen, sondern vielmehr dem Geschäftsmodell der Druckerhersteller, die 90 Prozent ihres Umsatzes mit Tonern und Tinten machen. Kunden werden mit billiger Hardware angelockt und mit teurem Verbrauchsmaterial abgezockt.

Kein Wunder, dass Refill-Angebote oder Recycling- und Nachbauprodukte von Drittanbietern boomen - vor allem bei Konsumenten und KMU. Aber immer öfter greifen auch Großunternehmen und Behörden auf die billigeren Alternativen zurück. Die Preisersparnis pro gedruckter Seite beträgt bis zu 80 Prozent, hat die deutsche Stiftung Warentest ermittelt. Laut Marktforscher IDC sind bereits mindestens 20 Prozent der in Europa verkauften Toner-Kartuschen "new built compatibles“ (NBCs), also von Drittanbietern vertriebene Nachbauten - Tendenz stark steigend. In Europa sind nicht weniger als 1.400 Alternativanbieter aktiv und machen allein mit Tonern einen Umsatz von drei Milliarden Euro.

Neben den legalen Nachbauten seriöser Hersteller überschwemmen immer mehr illegale chinesische "Klone“ den europäischen Markt, die Patentrechte verletzen und mit minderwertigen Tinten oder Tonern befüllt sind. Oft sind sie fälschlich als recycelte Originalkartuschen deklariert, oder werden überhaupt gleich als neue Originalware etikettiert. Produktpiraterie in Reinkultur.

Chinesische Giftbomben

Die illegale Billigware ist nicht nur in puncto Qualität und Ergiebigkeit unberechenbar, sondern meist auch ökologisch verheerend. Die Tinte kann giftige Schwermetalle enthalten, die insbesondere bei der Entsorgung Probleme aufwerfen. Die Toner wiederum setzen im Betrieb nicht nur Feinstaub und Ozon, sondern auch krebserregende Gase wie Styrol und Benzol in unkontrolliertem Ausmaß frei.

Als Verbraucher kann man die illegale Ware meist nur am unverschämt niedrigen Preis erkennen. Auf Anfrage müssen Händler aber laut EU-Verordnung ein Sicherheitsdatenblatt aushändigen, das die Inhaltsstoffe auflistet. FORMAT hat mehrere Internet-Händler mit verdächtigen Angeboten dazu aufgefordert. Die Anfragen blieben unbeantwortet.

Der Anteil südostasiatischer Billigklone ist binnen kürzester Zeit immens angestiegen, weiß Christian Wernhart, Gründer und Geschäftsführer von Embatex. Die Kärntner Firma zählt mit ihren unter der Marke Emstar vertriebenen Produkten zu den größten Recyclern in Europa. "Wir sind zum unfreiwilligen Entsorger illegaler China-Ware geworden, 50 Prozent des angelieferten Leerguts sind Ausschuss“, so Wernhart.

Embatex recycelt jährlich 700.000 Tonerkartuschen und 900.000 Tintenpatronen. Im Handel sind die Emstar-Produkte, die nach diversen Umweltstandards zertifiziert sind (z.B. Blauer Engel, Österreichisches Umweltzeichen), im Schnitt um 50 Prozent billiger als die Originale. Mit den chinesischen Klonen, die teilweise nur ein Zwanzigstel der Originale kosten, kann Wernhart freilich nicht mithalten. Denn Recyceln ist umweltfreundlich, aber teuer. Embatex betreibt ein aufwändiges Leergut-Sammelsystem, an dem über 30.000 Firmen und Fachhändler teilnehmen.

Wernhart ärgert vor allem, dass in der öffentlichen Wahrnehmung und teilweise sogar in Ausschreibungen umweltfreundliche Recycling-Ware mit den Billig-Klonen in einen Topf geworfen wird und will nun gerichtlich gegen Händler, die sie in Umlauf bringen und "die ganze Branche in Verruf bringen“, vorgehen.

Patentkrieg

Auch die Originalhersteller wollen das Milliardengeschäft mit Kartuschen und Patronen nicht kampflos teilen. Deshalb melden sie für so ziemlich alles und jedes Patente an, was das Geschäft auch für Anbieter legaler Nachbauten, die versuchen Patente zu "umgehen“ statt zu verletzen, zu einer rechtlichen Gratwanderung macht. Hersteller und Händler müssen jedenfalls immer mit Klagen rechnen. Oft enden derlei Rechtsstreitigkeiten in nicht publizierten Vergleichen.

Auch Recyclern wie Embatex wird das Leben schwer gemacht. Mit einer Verschlüsselung der Chips auf Kartuschen und Patronen versuchen die Hersteller, das für die Wiederverwendung notwendige "Resetten“ oder den Nachbau zu verunmöglichen. Lexmark hat den Marktführer für Nachbauchips, die US-Firma Static Control, auch rechtlich bekämpft, ist aber bei Gericht abgeblitzt.

HP wiederum hat sich einen raffinierten Selbstzerstörungsmechanismus einfallen lassen. Bei einigen Tintenpatronen mit integriertem Druckkopf überhitzt der Chip bei niedrigem Tintenstand automatisch und brennt durch. Ein weiterer Herstellertrick sind Firmware- oder Druckertreiber-Updates, nach deren Installation Nachbau-Chips plötzlich nicht mehr funktionieren. In den USA gibt es bereits ein erstes Gerichtsurteil, das derlei Schikanen, mit denen sich Hersteller ein "künstliches Monopol“ verschaffen wollen, für unzulässig erklärt.

Kaum Qualitätsunterschiede

Ein Vergleichstest von Verbraucherorganisationen zeigte im Schnitt nur marginale Qualitätsunterschiede zwischen Originalen und Drittanbieter-Produkten. Die Druckerhersteller sehen das freilich anders. Auf FORMAT-Anfrage verweist HP auf eine "unabhängige Studie“, die seinen Originalprodukten eine "deutlich bessere Qualität“ und eine "bis zu 50 Prozent“ höhere Ergiebigkeit zuschreibt. Auch Canon pocht auf die Qualität und Zuverlässigkeit seiner "genau auf die Hardware abgestimmten“ Toner und Tinten, sowie auf den umweltfreundlichen Produktionsprozess und das kostenlose hauseigene Recycling-Programm. Konica Minolta schlägt ebenfalls in die Öko-Kerbe und streicht die besondere Umweltfreundlichkeit seiner "polymerisierten Toner“ hervor. Angaben zu den Herstellungskosten wollte allerdings keiner der Anbieter machen.

HP betont auch, dass die Verwendung von Drittanbieter-Produkten in HP-Druckern keineswegs verhindert werde. Aber das "geistige Eigentum“, das in den Originalkartuschen und -patronen steckt, werde man weiterhin "energisch verteidigen“. Eine Kampfansage.

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