BCG Top-50 Innovatoren: Google erstmals an der Spitze

BCG Top-50 Innovatoren: Google erstmals an der Spitze

Google-Mutter Alphabet ist nach dem Innovationsranking 2019 der Boston Consulting Group erstmals die Nummer 1. Online-Händler Amazon ist auf Rang zwei vorgerückt vor Apple, das zwölf Jahre an der Spitze war. Österreichische Unternehmen unter den Top-50: Fehlanzeige.

2500 Top-Manager waren weltweit dem Ruf der Strategieberatung Boston Consulting Group (BCG) gefolgt, um ihre Innovationskaiser zu küren. Und das Ergebnis lässt sich grosso modo auf einen Nenner kürzen: Innovation ist "Made in USA". Alleine unter den 25 Erstgereihten wurden 17 US-Unternehmen zu den Top-Innovatoren gezählt. Vier Unternehmen aus Deutschland, zwei aus Südkorea und eines jeweils aus China und Brasilien kamen ebenso in dies Wertung.

Google, Amazon, Apple sowie Microsoft führen das Top-50-Ranking der weltweit 50 innovativsten Unternehmen an. Und zur Überraschung: erstmals seit zwölf Jahren gibt es einen neuen Sieger: Google-Mutterkonzern Alphabet ist heuer die Nummer 1. Der bisherige Seriensieger Apple ist erstmals seit zwölf Jahren nicht mehr top, sondern auf den dritten Platz hinter Online-Händler Amazon abgerutscht. Erst auf Rang 5 folgt Samsung als erstes nicht-amerikanische Unternehmen. Danach wird die Reihe der US-Innovatoren bis auf Rang zehn fortgeführt.

Videostreamer Netflix stößt in die Riege der Top-10 und kommt nach Rang 13 im Vorjahr nun auf den 6. Platz. Und darauf folgt mit IBM das Computer-Urgestein. Zuletzt mit sinkenden bzw. stagnierenden Umsätzen und Gewinnen über fast 20 Quartale hinweg gebeutelt, gescholten und von manchen schon zum Absteiger gekürt, hat bei "Big Blue" bei den befragten Innovationsexperten den Dreh noch immer heraus - und den Ruf einer hohen Innovationskraft.

IBM hat sogar gegenüber dem Vorjahr einen Platz gut gemacht und hält nun Platz 7. Facebook, sonst in der Unzahl von Rankings bereits seit Jahren immer Kandidat für die ersten fünf Plätze, ist hingegen um einen Platz zurückgereicht worden. Nach Analyse der Innovationskennzahlen wurde von den Befragten der Social-Media-Ikone etwas weniger Innovationskraft zugestanden - Platz 8, nach 7 im Vorjahr. Gleich um drei Plätze hat Tesla eingebüßt. Der E-Autopionier, der viel Nebengeräusche und vollmundige Ankündigungen seines Gründers und CEO Elon Musk geglänzt hatte, konnte die befragten Manager heuer weniger überzeugen und rangiert nun auf Platz 9 - nach 6 im Vorjahr.

Die Deutschen kommen

Eine sportliche Überraschung kommt aus Deutschland: adidas kickt sich auf den 10. Platz. Der Sportartikelkonzern ist somit das innovativste Unternehmen Deutschlands und wurde von Rang 35 binnen Jahresfrist gleich um 25 Plätze im Ranking nach oben springen.

Aber auch die deutschen Flaggschiffe schneiden in der Wahrnehmung der Manager recht gut ab. Und haben mit Top-Beurteilungen im Ranking große Sprünge gemacht: Mit dem Chemiekonzern BASF (von 23 auf Rang 12) sowie Siemens (von 21 auf 16) haben zwei weitere die Top-20 erreicht. Die Deutsche Telekom-Tochter T-Mobile US hat es gar erstmals in die Top-50 geschafft und landet gleich auf dem 13. Platz. Die US-Tochter gilt allerdings als US-Company im Ranking.

Neun deutsche Unternehmen haben heuer erstmals den Sprung unter die 50 innovativsten Unternehmen geschafft. Chemie- und Pharmakonzern Bayer (nun 24/Vorjahr 27), der Versicherer Allianz (26/30), der Autokonzern BMW (27/36) und das Softwarehaus SAP (28/42) haben sich zum Teil stark gegenüber dem Vorjahr verbessert. Selbst der durch den Dieselskandal und Manipulationen der Software in Dauerschlagzeilen verhaftete Volkswagen-Konzern (inkl. Porsche und Audi) genießt bei den Innovationsexperten noch immer hohe Innovatorenkompetenz. Volkswagen schaffte ebenso unter die Top-50 auf Rang 38. Im Vorjahr konnte der deutsche Autoriese nicht punkten.

Daimler ist das einzige deutsche in den Top-50 gereihte Unternehmen, das heuer zurückgefallen ist. Der Autokonzern schafft es auf Rang 47, um 14 Plätze hinter der Vorjahresplatzierung.

Die USA führen die BCG-Top50-Liste mit insgesamt 28 Unternehmen an. Die deutschen Unternehmen sind im Top-50 Innovationsranking heuer mit neun Unternehmen die zweitstärkste Nation. Dahinter folgen Niederlande und Großbritannien mit jeweils drei Unternehmen, Südkorea, Japan, China (jeweils zwei) sowie Brasilien und Frankreich (je 1 Unternehmen).

Innovation - mehr als ein Produkt

„Die im Ranking vertretenen Unternehmen zeichnet aus, dass sie über die reine Produktinnovation hinaus denken. Sie haben alle Kundenschnittstellen im Blick und entwickeln rund um ihr Produkt innovative Dienstleistungen, schaffen neue Prozesse und bauen dort, wo es notwendig ist, Partnerökosysteme auf“, sagt BCG-Österreichchef Lukas Haider.

Dass so viele deutsche Vertreter unter den Top 50 sind, bestätigt den Trend der vergangenen Jahre. „Deutsche Unternehmen haben erkannt, wie sie die Daten ihrer weltweit installierten Geräte, Maschinen und Anlagen richtig nutzen können, um im internationalen Wettbewerb nicht nur Schritt zu halten, sondern sogar aufzuholen“, so Haider. „Die Daten sind die Grundlage für die Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle.“

Der Aufholbedarf in der Breite

Ranglisten können wie im vorliegenden Fall ein geschöntes Bild der Realität abbilden.

Wenn es um die Bewertung der eigenen Unternehmen geht, zeigt sich insbesondere für Deutschland ein gespaltenes Bild. Umsomehr wenn es um Zukunftsthemen und vor allem Digitalisierung geht.

84 Prozent der befragten deutschen Führungskräfte räumen Innovation eine hohe Bedeutung in ihren Unternehmen ein. Geht es aber um die Umsetzung, dann wird die Zahl derer, die innovativ agieren dünner. Nur wenige Unternehmen setzen bisher digitale Innovationsprojekte um. Nur jeweils etwa ein Fünftel der Unternehmen bauen auf Plattformökosysteme, Datenanalyse oder digitales Design. Das sind im Schnitt fast elf Prozentpunkte weniger als im globalen Vergleich.

Beim Thema Künstliche Intelligenz sehen sich zwar ein Viertel der Befragten als Vorreiter, jedoch auch fast ein Fünftel als Nachzügler. „Die starke Präsenz deutscher Unternehmen in den Top 50 zeigt, dass es immer mehr Unternehmen schaffen, sich zu Innovationsführern zu entwickeln. Gleichzeitig ergibt die Selbsteinschätzung der Unternehmen, dass es in der Breite noch Aufholbedarf hinsichtlich der Innovationskraft gibt“, sagt Florian Grassl, Partner bei BCG und Co-Autor der Studie.

Auf der Suche nach Partnerschaften

Der Erfolg der US-Konzerne und vor allem der Top-Tech-Companys Google & Co in den Spitzenrängen kommt nicht von ungefähr.

Ein Erfolgsrezept der führenden Unternehmen dürfte das Setzen auf Partnerschaften sein. Drei von vier der US-Tech-Companys arbeiten im Innovationsprozess mit Inkubatoren, während mehr als vier Fünftel Partnerschaften mit Wissenschaft und anderen Unternehmen nutzen.

„Innovation entsteht im digitalen Zeitalter immer häufiger durch externe Kooperation“, erklärt Haider. „Die Vorreiter gehen nachhaltige Partnerschaften ein und kreieren Plattformen, bei denen Kunden von einer Kombination unterschiedlicher Fähigkeiten und Positionen profitieren – und einen echten Mehrwert erhalten.“

Österreichische Unternehmen sind in den Top-50 nicht vertreten. BCG ortet hierbei noch "Aufholbedarf".


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