Amazon-Drohnen dürfen in Österreich noch nicht abheben

Amazon-Drohnen dürfen in Österreich noch nicht abheben

Für die Flugsicherung Austro Control ist Amazons Projekt "Prime Air" Zukunftsmusik. Für die Post ebenso. Ferngesteuerte Drohnen werden in Österreich den Briefträgern noch länger keine Konkurrenz machen.

Wien. Seit Amazon gestern bekanntgab, ferngesteuerte Drohnen zur Paketlieferung einzusetzen , schwirren die unbemannten Fluggeräte durch das Internet. Bald auch durch Österreich? Nein, sagt die Austro Control, die den Flugverkehr in Österreich regelt. Dafür würde Amazon einen Pilotenschein brauchen. Bis zu einer Distanz von 16 Kilometern will der Paketdienst an die Kunden ausliefern. In Österreich würden die Flugmaschinen damit unter Klasse II der "unbemannten Luftfahrzeuge" fallen, da ein Sichtkontakt nicht mehr möglich ist. "Die Zulassung wäre ähnlich wie bei einem Passagierflugzeug", sagt Markus Pohanka von der Austro Control.

Einsatz in Österreich wäre ab 1. Jänner 2014 theoretisch möglich

Gesetzlich wäre der Einsatz ab 1. Jänner 2014 erlaubt, da eine Novelle des Luftfahrtgesetzes in Kraft tritt. Erstmals sind auch Bestimmungen für den Betrieb von unbemannten Luftfahrzeugen und ihren gewerblichen Einsatz enthalten. Außerdem müssen die Fluggeräte mit einer "Detect&Avoid"-Funktion ausgestattet sein. Das bedeutet, sie erkennen selbstständig andere Flugkörper und können ihnen gegebenenfalls ausweichen. Deshalb sind für Pohanka die Pläne von Amazon noch Zukunftsmusik. "Die derzeit erhältlichen Quadro- oder Octocopter haben noch keine derartige Funktion eingebaut." Für einen regelmäßigen und gewerblich ausgerichteten Betrieb wie ihn sich Amazon vorstellt, müsse man die weitere technische Entwicklung abwarten, so Pohanka.

Unsere Slideshow: Drohnen - Fliegende Killer im Kampf gegen den Terror.


Bild: © Amazon / Post-Drohnen

Drohnenlieferung: "Kein Bedarf bei österreichischen Kunden"

Bei der österreichischen Post, die eng mit dem amerikanischen Zusteller zusammenarbeit, sind die Drohnen noch kein Thema. "Kurz- und mittelfristig ist eine Zustellung per Drohne nicht realisierbar", sagte Michael Homola, Pressesprecher der Österreichischen Post. Konkret arbeitet der heimische Postzusteller auch nicht an einer technischen Entwicklung in dieser Richtung. Vor allem die Frage nach den Kosten und dem genauen Ort, an dem die Drohne das Paket abliefert, wäre nach Homola zu klären. Er sieht bei den österreichischen Kunden auch keinen Bedarf an einer Postzustellung per Drohne. "Das ist Zukunft für uns und wird in den kommenden zehn Jahren nicht realisierbar sein", so Homola weiter.

Zustell-Drohnen sind kein Scherz

Die Drohnen-Meldung hatte die mediale Berichterstattung gestern fest im Griff, doch es tauchten Fragen auf, ob es sich nicht um eine kluge Marketing-Strategie handelte. Laut Amazon-Pressesprecher Stefan Rupp war die gestrige Verlautbarung von Konzernchef Jeff Bezos "schon ernst gemeint". "Wir haben mit der Technik einen ersten Schritt gemacht, aber es sind noch rechtliche Fragen zu klären", gibt Rupp zu. Bezos erklärte, es würde noch vier bis fünf Jahre dauern, bis die Drohnen die Ware innerhalb von 30 Minuten zum Kunden bringen. Auf der amerikanischen Website des Unternehmens zeigt ein Video, wie die Hauszustellung über die Luft, kurz "PrimeAir", aussehen soll.

Amazon-Chef Jeff Bezos schränkte gegenüber dem US-Sender CBS jedoch ein, dass noch weitere Tests und Zulassung der US-Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration (FAA) nötig seien. Die Dienstleistung dürfte für kleine und besonders eilige Bestellungen auf kurze Entfernung vorbehalten bleiben: Die achtmotorigen Drohnen könnten Waren mit einem Gewicht von bis zu 2,5 Kilo transportieren und pro Lieferung etwa 16 Kilometer zurücklegen, sagte Bezos.

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