Tuk-Tuk statt Taxi: Inder drängen Uber von der Straße

Tuk-Tuk statt Taxi: Inder drängen Uber von der Straße

Der Markt für das Reisen per Rikscha ist allein in Indien 10 Milliarden Dollar groß - aber dezentral organisiert und dementsprechend ineffizient.

Nach der Vergewaltigung durch einen Uber-Fahrer in Neu-Delhi wird der Dienst nun wohl aus Indien verbannt. Unterdessen scharrt ein indisches Start-up bereits in den Startlöchern, um die Lücke zu füllen.

Mit Uber, einem Start-up aus Kalifornien, können Kunden über Smartphone-Apps Fahrten bei Gelegenheitsfahrern buchen. Durch dieses Konzept revolutionierte das Unternehmen das Taxi-Gewerbe und breitet sich nun auch auf globaler Ebene rasant aus – was jedoch auf Widerstand stößt. In diversen europäischen Ländern laufen etwa bestehende Taxi-Unternehmen gegen den Newcomer Sturm: Sie bringen das Argument auf die Straße, dass Uber-Fahrer keine Genehmigung zur Personenbeförderung besitzen und ihre Fahrzeuge nicht entsprechend versichert sind. Zudem steht Uber nun auch in Indien am Pranger – aber aus anderen Gründen.

Denn einem Bericht der Zeitung „Indian Express“ zufolge plant Innenminister Rajnath Singh nun eine Erklärung im Parlament, über die Uber in ganz Indien verboten werden soll – derzeit ist das Unternehmen in sechs indischen Städten aktiv. Am Montag war der Dienst bereits in der Hauptstadt Neu-Delhi verboten worden, nachdem eine junge Frau berichtet hatte, sie sei von einem Uber-Fahrer vergewaltigt worden. Der Vorwurf gegen Uber lautet, dass das Unternehmen den der Vergewaltigung beschuldigten Fahrer im Vorfeld nicht überprüft habe. Der Mann war schon vor drei Jahren wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung inhaftiert, später aber freigelassen worden.

Motor-Rikschas für mehr Sicherheit

Verschwindet ein Dienst von der Bildfläche, so folgt rasch ein neuer nach – diese Dynamik ist in der Szene der Start-ups nicht selten zu beobachten. Im indischen Fall könnte durch ein bundesweites Uber-Verbot neues Potenzial für ein junges Unternehmen aus dem westindischen Pune entstehen: „Autowale“ vermittelt nicht Taxis, sondern die in asiatischen Städten omnipräsenten Motor-Rikschas, die in vielen Ländern auch als „Tuk-Tuks“ bezeichnet werden. Einem Artikel von Forbes zufolge nutzen vor allem indische Frauen lieber Rikschas als Autos: „Die Seiten des Fahrzeugs sind offener und exponierter“, wird Autowale-Gründer Janardan Prasad zitiert: „Dadurch gelten die Fahrzeuge als sicherer.“ Der Nachteil der Autorikschas ist wiederum, dass das Heranwinken der Fahrzeuge eine mühsame Angelegenheit ist, und dass Preisverhandlungen mit den hartnäckigen Fahrern oft wertvolle Zeit kosten.

Hier kommt Autowale ins Spiel: Der Kunde bucht einfach über einen Anruf, eine SMS oder die Smartphone-App; der korrekte Fahrpreis wird anschließend berechnet, indem der optimale Fahrweg via Google Maps ermittelt wird. Der nächstgelegene Rikscha-Fahrer kommt daraufhin zum Kunden; bei Erreichen des Ziels wird gegen Vorlage einer Rechnung in bar bezahlt. Betrügt der Fahrer, so kann der Kunde dies bei einer Hotline melden.

Indischer Bericht über Autowale.in: Ein Modell für den asiatischen Markt, fernab des sterilen Silicon Valley.

Wer oft fährt, der kann über die Website des Unternehmens eine Pauschale buchen; außerdem ist es möglich, die Fahrt am Vortag oder kurz vor der Abreise zu bestellen – diese Flexibilität ist angesichts der teils katastrophalen Verkehrsverhältnisse in indischen Großstädten Gold wert. Das ist nur ein Beispiel dafür, wie die Kenntnis des lokalen Marktes für Autowale gegenüber Uber von Vorteil ist: Auch das Bezahlen in Bargeld mag zwar nicht dem technophilen Geist des Silicon Valley entsprechen, macht in Indien angesichts geringer Kreditkarten-Durchdringung aber durchaus Sinn.

Zwei ungleiche Gegner

Ein Kampf gegen Goliath ist Autowales Angriff auf Uber dennoch. Allein deshalb, weil Uber seine Dienste weltweit in 45 Ländern anbietet, Geldgeber wie Google und Goldman Sachs im Rücken hat, erst kürzlich wieder bei Investoren Kapital einsammelte und nun auf einen Firmenwert von 40 Milliarden Dollar kommt. Der Umsatz von Uber wird heuer bei einer Milliarde Dollar liegen – jener von Autowale bloß bei einer Million.

Doch die Herausforderer sind flexibel, kennen ihren Markt und wachsen beständig. Nächstes Jahr soll das Angebot von Pune auf die IT-Metropole Bangalore ausgedehnt werden, auf lange Sicht möchte das Unternehmen den Fahrern Zugang zu Bildung und Mikrokrediten ermöglichen. Damit hätte das Projekt einen weiteren guten Zweck – ergänzend zur eingangs erwähnten erhöhten Sicherheit für weibliche Fahrgäste.

Nokia Zentrale in Espoo, Finnland

Wirtschaft

Nokias Auferstehung: Finnen beleben Handy-Marke wieder

Technik

Apple knickt ein: Weg frei für iPhone-Entsperrung

Technik

Und Action: GoPro kauft zwei Video-Apps

Technik

Selbstfahrendes Google-Auto fährt in Autobus