IFA-Nachlese: Die etwas hilflose Zubehör-Industrie

IFA-Nachlese: Die etwas hilflose Zubehör-Industrie

Anbieter von Accessoires für iPhone & Co. fallen nicht gerade durch übermäßige Kreativität auf, was neue Produkte betrifft – und für Android-Tablets gibt es noch fast gar nichts.

Rot, weiß, gelb, grün, alle denkbaren und undenkbaren Farbkombinationen. Gestreift, getigert, gepunktet, gestrichelt. Mit Nationalflaggen, mit Gesichtern, mit Comics. Aus Plastik, aus Holz, aus Restmüll, aus Metall. Es gibt keine iPhone-Hülle, die es nicht gibt – und selbst die kann man sich bei einem Zulieferer aus China mit Sicherheit bestellen.

Auf der eben zu Ende gegangenen IFA, der Funkausstellung in Berlin, war die Accessoire-Industrie wieder mal an allen Ecken und Enden (vor allem in letzteren) stark vertreten; neben den erwähnten iPhone-Hüllen wurde Zubehör wie Lautsprecher, Hüllen, Tastaturen und vieles mehr angeboten. Vom großen Hersteller Hama, der eine scheinbar endlose Palette an sinnvollen Ergänzungen für Hardware aller Art anbietet, bis zum kleinen chinesischen Lieferanten, der mit einem skurill-exotischem Mustermix zukünftige Kunden anlocken wollte, war alles vertreten.

Masse statt Klasse

Mehr noch als bei den Herstellern von Tablets, Laptops und PC erstaunt dabei die absolute Einförmigkeit der Produkte: Wer einen iPhone-Hüllen-Anbieter gesehen hat, hat alle gesehen. Variationen des immer gleichen Themas führen zu einer gewissen Verwirrung potenzieller Abnehmer – egal, ob Großhändler oder Endkonsument. Gewisse Premium-Anbieter wie Logitech mal ausgenommen, erstaunt in den meisten Fällen auch die mangelnde Qualität der Produkte – selbst bei der Vorführung am Stand fällt schon mal das iPad aus dem Aufsteller oder lässt sich der Lautsprecher nicht wie gewünscht befestigen. Kein Wunder: Der Verkauf von Zubehör ist ein Groscherlgeschäft, wirklich Geld lässt sich damit angesichts der Billigkonkurrenz aus China (Stichwort: Verkaufsstandln in den Einkaufszentren) nicht machen. Umso verwunderlicher, dass sich die Kreativität der Hersteller auf Design und Farbwahl beschränkt; bei der Erfindung neuer, sinnvoller Zubehörteile endet diese meist.

iPad und iPhone – und sonst nichts

Auffällig ist auch die Diskrepanz zwischen den neuen Produkten der Hersteller und dem Zubehör dazu. Während in der einen Halle gerade eine ganze Palette an Android-Tablets gezeigt wurde, gibt es in der Halle daneben fast ausschließlich Zubehör fürs iPad. Tatsächlich sind Apple-Produkte nach Ansicht vieler Zubehör-Hersteller offenbar die einzigen auf dieser Welt. Fürs iPad gibt es beispielsweis eine riesige Auswahl an Tastaturen; für Android-Tablets finden sich erst nach langem Suchen ein, zwei Modelle. Beim US-Hersteller Zagg etwa gibt uns Michelle Brennan, Marketingleiterin für Europa, die Aussicht, dass ab Oktober entsprechende Tastaturen für Hardware wie das Nexus 7 von Google erhältlich sein werden.

Dumme Frage: Die Zubehör-Hersteller wissen doch nicht erst seit gestern, dass eine Unmenge neuer Tablets auf den Markt kommen werden. Kann es wirklich so schwierig sein, rechtzeitig entsprechende Geräte herzustellen? Aber keine Angst: Bei der nächsten – oder spätestens der übernächsten IFA – wird es Accessoires für Android und Windows 8-Geräte in Hülle und Fülle geben. Also nur noch ein bis zwei Jahre warten.

Robert Prazak

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