HP: Schwache Zahlen, zufriedene Analysten

HP: Schwache Zahlen, zufriedene Analysten

Minus 18 Prozent bei Desktop-PC, minus 24 Prozent bei Notebooks: HP hat im Quartal drastische Rückgänge bei den Absatzzahl erlitten. Doch wegen des fortschreitenden Schuldenabbaus sind zumindest die Analysten gar nicht böse.

Der weltgrößte Computerhersteller Hewlett-Packard bekommt den Umbruch in der Branche mit voller Wucht zu spüren. Im zweiten Geschäftsquartal von Februar bis April schmolz die Zahl der abgesetzten Tischrechner um 18 Prozent und die der Notebooks sogar um 24 Prozent. Auch Drucker verkauften sich schlechter als im Vorjahresquartal, wie der Konzern am Mittwoch am Sitz im kalifornischen Palo Alto mitteilte.

HP leidet darunter, dass viele Kunden mittlerweile lieber zu einem Tablet-Computer greifen oder sich fürs Surfen im Web oder das Schreiben von E-Mails mit ihrem Smartphone begnügen. Hier ist HP schwach aufgestellt. Das schlägt sich in den Geschäftszahlen nieder: Der Umsatz büßte zehn Prozent auf 27,6 Milliarden Dollar ein und der Gewinn schrumpfte um 32 Prozent auf 1,1 Milliarden Dollar.

Auch Software-Geschäft war rückläufig

Der Abwärtstrend beschleunigte sich damit. Das Geschäft mit Privatkunden brach regelrecht ein und selbst das als solide geltende Software- und Servicegeschäft mit Firmenkunden war rückläufig. Gleiches galt für Server und Speichersystem, die angesichts steigender Datenvolumen im Internet eigentlich gebraucht werden. "Das sind wettbewerbsintensive Märkte", sagte Konzernchefin Meg Whitman.

Allerdings hatten Analysten mit einem noch schlechteren Abschneiden gerechnet. Zudem fiel der Ausblick auf das laufende Quartal besser aus als gedacht und der Schuldenabbau schritt voran. Nachbörslich stieg die Aktie deshalb um 13 Prozent.

Whitman ist zuversichtlich

"Wir machen Fortschritte", erklärte Whitman. Die Managerin stellt das Branchenurgestein neu auf, um dem rasant fortschreitenden Wandel in der Branche zu begegnen. Das bedeutet im Klartext: Sparen. Weltweit baut HP in den kommenden zwei Jahren 29.000 Stellen ab, das ist fast jeder zehnte Beschäftigte. Auch der deutsche Standort in Rüsselsheim wird geschlossen. Das gesparte Geld will der Konzern in Forschung und Entwicklung stecken, um den Rückstand bei den Kernprodukten Drucker und PCs aufzuholen. Bisher hat Hewlett-Packard 18.800 Stellen abgebaut. Bis zum Jahresende sollen es 26.000 sein."Wie ich schon so oft gesagt habe, ist dies eine mehrere Jahre dauernde Reise", sagte Whitman.

Der US-Rivale Dell kämpft mit den gleichen Problemen, allerdings war der Umsatzschwund hier zuletzt wesentlich moderater ausgefallen. Zur Schwäche von HP trugen Fehlentscheidungen der früheren Konzernführung bei. Dazu zählt der Zickzack-Kurs um die letztlich abgesagte Abspaltung des PC-Geschäfts. Der Zukauf der Software-Firma Autonomy entpuppte sich als Milliardengrab. Whitman war im September 2011 zum Aufräumen geholt worden.

"Tiefgreifendster Umbruch"

"Wir befinden uns mitten in dem tiefgreifendsten Umbruch seit einer Generation", sagte sie in einer Telefonkonferenz mit Analysten im Hinblick auf Smartphones und Tablets, wo Konzerne wie Apple oder Samsung den Ton angeben. Erschwerend kommen die wirtschaftlichen Probleme in einigen Weltregionen hinzu. Finanzchefin Cathie Lesjak nannte vor allem das von der Schuldenkrise geplagte Europa.

HP könnte demnächst seine Marktführerschaft im PC-Geschäft verlieren. Nach Angaben des Marktforschers IDC lag der Anteil an den Auslieferungen im ersten Kalenderquartal bei 15,7 Prozent. Doch der chinesische Computerbauer Lenovo sitzt den Amerikanern im Nacken. Nummer drei der Branche ist Dell. Um diesen Konzern tobt gerade ein Übernahmekampf zwischen Gründer und Firmenchef Michael Dell sowie großen Investoren.

Investoren reagierten erfreut - sie hatten schlimmeres befürchtet. Die HP-Aktie legte im nachbörslichen Handel 14 Prozent zu.

Der Weltmarktführer erwartet den Angaben vom Mittwoch zufolge 2013 nun ein Ergebnis von 3,50 bis 3,60 Dollar. Damit erhöhte der Dell-Konkurrent den unteren Erwartungswert um zehn Cent.

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