Google versus Verleger: Die seltsamen Argumente

Google versus Verleger: Die seltsamen Argumente

Das geplante Leistungsschutzrecht sorgt in Deutschland für Wirbel. Die Debatte wird demnächst nach Österreich überschwappen. Dabei zeigt eine Studie, dass zum Teil mit haarsträubenden Argumenten hantiert wird.

Wie FORMAT kürzlich berichtete , hat Google eine Kampagne namens „Verteidige Dein Netz“ gestartet. Es geht um das geplante „Leistungsschutzrecht“, kurz LSR, das die Verlage vor einem „systematischen Zugriff“ auf ihre Leistungen schützen soll. Die Verleger wollen es nicht länger hinnehmen, dass Suchmaschinen oder Betreiber von Sites, auf denen News gesammelt werden, auf ihre Artikel verweisen, ohne dass sie als Rechteinhaber davon profitieren. Ganz konkret wollen sie an den Milliarden, die Google im Internet verdient, mitschneiden – vor allem weil die meisten Verlage ja selbst derzeit nur sehr bescheidene Umsätze im Web machen. Das Gesetz wird daher auch als „Google-Steuer“ bezeichnet.

Google, sonst nicht eben als Vorreiter für Menschenrechte bekannt, argumentiert in seiner Kampagne, ein solches Gesetz würde jeden User treffen und die „Grundfunktion“ des Internet insgesamt einschränken. Die Kampagne wurde daher auch von vielen Seiten kritisiert; Google setze seine Marktmacht unverhohlen für das eigene Geschäftsmodell ein.

Was meinen die Befürworter?

Die Argumente der Befürworter: Google verdiene über seine „Adwords“-Werbung viele Milliarden auf Kosten der Verlage, die eigentlich für den entsprechenden Inhalt sorgen würden. Konkret heißt es seitens der CDU etwa wörtlich: "Früher gab es im Pressebereich eine durchgängige Wertschöpfungskette. Das heißt, ein Verlag hatte vom Schreiben eines Artikels bis zum Vertrieb der Zeitung alles in eigener Hand. Das hat sich durch das Internet verändert. Durch die Verlinkung können Suchmaschinen an der Leistung anderer partizipieren, indem sie den Inhalt für sich nutzen und daraus ein eigenes Geschäftsmodell machen.“

Studie bringt Fakten

Eine Studie der deuschen Marketingberatung TRG zeigt indes die wahren Fakten: Knapp 93 Prozent der Google-Suchergebnisse stammen nicht von einem News-Verleger, nur rund acht Prozent der Ergebnisse auf der ersten Seite von Google stammen von Artikeln deutscher Verlage. Insgesamt sei die Nachfrage nach News-Ergebnissen ungefähr so groß wie jene nach Wikipedia-Artikeln. Insgesamt ist der Anteil an Presseverlegern in der Google-Suche (untersucht wurde von TRG google.de) mit 10,6 Prozent nicht allzu groß. Werden die News von Websites wie immobilienscout24.de hinausgerechnet, sind es überhaupt nur 7,5 Prozent.

Erstaunlich auch die Tatsache, dass Verleger nun Google kritisieren, selbst aber Google Adwords buchen. Jeder siebente Verleger bucht bezahlte Anzeigen via Google. Hier die Ergebnisse der Studie im Detail .

Leistungsschutz in Österreich?

Die Debatte um die „Google-Steuer“ wird demnächst in Österreich landen, schließlich soll das Urheberrecht überarbeitet werden. Der neue Präsident des Zeitungsherausgeberverbands VÖZ, Thomas Kralinger, wird in seiner eigenen Zeitung Kurier mit folgenden Worten zitiert: “Erst der Rechtsschutz für Content und die Durchsetzbarkeit von Leistungsschutzrechten machen Erlösmodelle für den Qualitätsjournalismus im Web möglich.“ Anders ausgedrückt: Das Urheberrecht soll den Verlagen das Internetgeschäft retten. Wir dürfen uns auf entsprechende VÖZ-Kampagnen (großflächig, erste Seiten, etc.) vorbereiten.

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