Virtuell studieren in Krems und dem Rest der Welt

Virtuell studieren in Krems und dem Rest der Welt
Virtuell studieren in Krems und dem Rest der Welt

Die Cafeteria ist ein angenehmerer Ort als der Hörsaal - und auch hier kann man lernen.

Studierende an der FH Krems können nun Vorlesungen problemlos am Tablet-PC betrachten, der Online-Broker Brokerjet bietet seinen Kunden kostenlose Webinare zu Börse-Themen. Und über die Website coursera.org studieren Menschen aus aller Welt an Universitäten wie Yale, Stanford und Princeton.

Mit Start des aktuellen Studienjahres besuchen 2400 Studierende die IMC FH Krems – das ist ein neuer Rekord für die niederösterreichische Fachhochschule. Generell sind das gute Nachrichten, allerdings werden die Verantwortlichen damit auch vor neue Herausforderungen gestellt: „In Spitzenzeiten müssten wir für manche Lehrveranstaltungen PC-Arbeitsräume für bis zu 500 Personen gleichzeitig bereitstellen, was völlig illusorisch und nicht finanzierbar ist“, sagt Markus Bamberger, Leiter IT-Services an der FH Krems. Diesem Problem begegnet er damit, dass der Lehrsaal über seine räumlichen Grenzen hinaus wächst: Studierende loggen sich mit einem Zugangscode auf ihren Laptops, Smartphones und Tablet-PCs über das WLAN ein und können überall auf dem Campus an den Lehrveranstaltungen teilnehmen – also auch etwa in der Cafeteria bei einem Cappuccino, anstatt in einem stickigen, überfüllten Raum.

Im Hintergrund dieser Lösung läuft Microsofts Cloud-Lösung Azure, passend dazu versorgt der US-Konzern die österreichische FH mit weiteren Produkten zur Steigerung der Lernleistung: Über das „Student Advantage Programme“ erhalten sie etwa das Office-Paket „Office 365“ kostenlos, mit der Online-Plattform SharePoint können gemeinsam Dokumente bearbeitet werden, mit dem Online-Telefonsystem Lync werden die Vorlesungen ebenso wie virtuelle Meetings in kleinen Gruppen abgehalten. Insgesamt, so Bamberger, arbeitet die FH durch das neue System nun nicht nur kostengünstiger, sondern ist auch flexibler.

Virtuelle Seminare bei Brokerjet

Microsoft ist nicht der einzige Anbieter, der das gemeinsame Lernen und Arbeiten erleichtert. Unter dem Schlagwort „Collaboration“ bietet fast jeder IT-Konzern Produkte, mit denen man gemeinsam Dokumente bearbeiten oder über räumliche Grenzen hinaus Besprechungen durchführen kann. So bietet etwa die österreichische Trading-Plattformen Brokerjet via „GoToMeeting“ von Citrix Webinare an, in denen Wissen zu Aktien vermittelt wird. In einem Test von format.at wurden hier Folien zu Charttechnik von einem Brokerjet-Experten präsentiert; die Zuhörer konnten Fragen via Chat stellen. Die gleiche Technologie wird vom estnischen Unternehmen Infogr.am für Kundenschulungen verwendet – hier sah der Tester von format.at den Vortragenden, welcher bei Bedarf seinen Bildschirminhalt herzeigte, um die Verwendung des eigenen Software-Produkts zu erläutern.

Weit fortgeschritten im Bereich der Collaboration via Video ist auch Cisco mit seinem Produkt WebEx, welches ebenfalls speziell auf Schulen zugeschnitten werden kann. Hier ist es für den Vortragenden auch möglich, Tests mit den Studierenden durchzuführen und diese gleich im System zu benoten. Über kurze Zwischenfragen kann zudem geprüft werden, ob der Studierende überhaupt noch zuhört – oder ob er am anderen Ende des Campus eingeschlafen ist.

Dokumente teilen und bearbeiten

Doch was wäre ein Studium schon ohne gemeinsame Projekt-, Seminar- und Abschlussarbeiten? Auch hier gibt es Lösungen wie Sand am Meer. Neben der genannten SharePoint-Lösung haben Microsoft-Fans etwa auch die Möglichkeit, Dokumente über den kostenlosen Online-Speicher „OneDrive“ zu teilen. Seit der 2010er-Version des Office-Pakets ist es möglich, Dokumente dort direkt aus dem Programm heraus zu speichern und von dort zu öffnen. So ist die Seminararbeit jederzeit verfügbar – auch wenn man den eigenen Laptop zuhause vergessen hat.

Alternativ dazu gibt es das kostenlose Google Drive – ebenfalls ein Online-Speicher, auf dem Gmail-Nutzer Dokumente ablegen und gemeinsam mit anderen Studierenden bearbeiten können. Diese können auch auf Smartphones und Tablets mit Android, dem weltweit führenden Betriebssystem bei Smartphones, geöffnet werden.

Die virtuelle Universität

Die Erweiterung des Lehrsaals in den virtuellen Raum ist der eine Schritt – ein anderer ist das Anbieten von gänzlich virtuellem Unterricht. Perfektioniert haben dies die so genannten „MOOCs“ („massive open online courses“), bei denen tausende Studenten aus aller Welt an diversen Kursen teilnehmen. Maßgebend ist hier etwa die Website coursera.org, die Lehreinheiten von Eliteuniversitäten wie Yale, Stanford und Princeton bietet – und zwar gratis. Hier finden die Vorträge ausschließlich über Videos statt, die Prüfungen sind Multiple Choice, die Interaktion mit anderen Studierenden wird über Online-Foren ermöglicht und die Hausübungen werden im Peer-Review benotet.

Die FH Krems arbeitet laut Eigenangabe nun mit Hochdruck daran, selbst die Ansätze des Fernstudiums („Distance Learning“) auszubauen. „Sodass wir in Zukunft die Orts- und Zeitbindung in der Ausbildung völlig aufheben können“, sagt Bamberger: „Und es keinen Unterschied mehr macht, ob ein Professor seine Lehrveranstaltung aus Indien hält und seine Studierenden während der Vorlesung nicht über den gesamten Campus, sondern über die ganze Welt verstreut sind.“

Slideshow: Die besten Universitäten der Welt

Nokia Zentrale in Espoo, Finnland

Wirtschaft

Nokias Auferstehung: Finnen beleben Handy-Marke wieder

Technik

Apple knickt ein: Weg frei für iPhone-Entsperrung

Technik

Und Action: GoPro kauft zwei Video-Apps