Facebook, Twitter und IT-Daten: Obamas Wahlhelfer

Facebook, Twitter und IT-Daten: Obamas Wahlhelfer

Die Präsidentschaftswahl in den USA hat gezeigt, dass Social Media-Kanäle unverzichtbar geworden sind. Doch ein anderer strategischer Aspekt war viel wichtiger für den Sieg von Barack Obama.

98 Millionen Erwähnung gegen 85 Millionen Erwähungen – so endete das Rennen um den Job als US-Präsident auf Twitter. Und auch beim Kurznachrichtendienst war Obama vor Romney gelegen, wenn es um die Anzahl der „Mentions“ geht. Allerdings waren die Obama-Nennungen nur zu 45 Prozent positiv, bei Romney waren es laut ABC News 49 Prozent.

Dass der alte und neue US-Präsident dann auch via Twitter und Facebook die (auch für ihn) frohe Botschaft der Wiederwahl verkündet hat, weiß inzwischen die ganze Welt. Doch welche Rolle haben Facebook, Twitter und andere Plattformen tatsächlich gespielt in diesem Wahlkampf?

Klare Sache auf Facebook

Die Facebook-Seite von Barack Obama hat rund 33 Millionen “Likes”, rund elf Millionen Menschen sprechen darüber. Zum Vergleich: Mitt Romneys Facebook-Auftritt kommt auf zwölf Millionen mal „Daumen hoch“. Doch abseits dieser eher oberflächlichen Zahlen mangelt es an validen Daten, wie sich die Social Media-Kampagnen bei der Abstimmung ausgewirkt haben. Die meisten Experten sind sich sicher: Ohne das Netz und vor allem ohne diese Instrumente geht es nicht mehr, die direkte Auswirkung hält sich aber doch in Grenzen, vielmehr würden bestehende politische Einstellungen nur verstärkt. Anders ausgedrückt: Es werde kaum jemand Obama wählen, nur weil der öfters und eindringlicher twittern lässt; andererseits konnte auch Romney niemanden umstimmen, nur weil er auf Facebook seine Argumente wiederholte.

Dabei sprechen die nackten Zahlen eigentlich für die steigende Bedeutung von Social Media: 40 Prozent aller erwachsenen Amerikaner nutzen Facebook und Twitter auch deshalb, um ihre eigene politische Meinung kundzutun, bevorzugte Parteien zu „liken“ oder böse Kommentare über Politiker abzugeben. Und bei den Jugendlichen sind es sogar zwei Drittel, die sich via Internet politisierend betätigen. Trotzdem: Die offiziellen Seiten der Obama- bzw. Romney-Kampagnen hatten es im Netz schwerer, denn zum Einen funktioniert Social Media ja eher umgekehrt: Was von „unten“ kommt wirkt oft glaubwürdiger als eine von „oben“ vorgeschriebene Sache. User-generated Content heißt das im Fachjargon. Und zum anderen sind Facebook & Co. dermaßen eine Selbstverständlichkeit geworden, dass sie nicht mehr Effekt haben als das Plakat an der Straßenecke oder das TV-Spot, den man zum Gang auf die Toilette nutzt.

Alle Daten auf einem Haufen

Also braucht man doch keine IT und kein Netz für den Wahlkampf? Nein, denn die Sache hat noch eine andere Dimension: Die Darstellung eines politischen Spitzenkandidaten und seiner Ideen auf Facebook, Twitter oder generell im Internet (viele surfen ja doch lieber auf die stinknormale, klassische Website) ist nur die Spitze des Eisbergs. Darunter liegen Millionen an Dollar und hunderttausende Arbeitsstunden, die in die Analyse von Daten gesteckt wird. „Big Data“ ist der Begriff, der den Umgang mit solchen gewaltigen Datenmengen beschreibt.

Eine Milliarde Dollar hat sich Obama diesen IT-Teil seiner Kampagne laut eines US-Berichts diesmal kosten lassen. Schon 2008 war die professionellere Beschäftigung der Demokraten mit IT-Daten als ein Grund für Obamas Sieg bezeichnet worden; diesmal wurde das Ganze noch besser aufgezogen. Personendaten wurden mit Facebook-Likes verknüpft, Umfrageergebnisse mit Ortsdaten, Daten von Telefonkontakten mit ortsbezogenen Daten. Und dann wurde ganz gezielt auf jene Gruppen und Regionen eingegangen, bei denen Obama und sein Team am meisten zu gewinnen (oder auch: zu verlieren) hatten.
Eine Rolle spielten auch die Apps für die Obama-Kampagne, die es sowohl für Android als auch für Apple-Geräte gab. Die Daten der Nutzung dieser Apps wurden ebenfalls in die Big Data-Kampagne eingebaut.

Verbinden und verknüpfen

Dieses Data Mining war aber nicht genug – genau wie Print- und Online-Medien sich verbinden und verknüpfen müssen, müssen auch Wahlstrategien medienübergreifend laufen. So war es Teil der Obama-Kampagne, die eigenen potenziellen Wähler tatsächlich zur Stimmabgabe zu bewegen. Nach Ansicht von Wahlkampfexperten ist das wichtiger als zu versuchen, Unentschlossene umzustimmen. Daher wurde auch im Internet und im Besonderen auf Social Media-Plattformen wieder und wieder den Obama-Sympathisanten gepredigt, sie sollten doch wirklich wählen gehen; auch Romney war bis zuletzt damit beschäftigt, seine Wähler an die Wahlurnen zu bringen.

Kein Vergleich zu Europa

Tatsächlich wissen die Wahlkampfbüros der Demokraten und mit Abstrichen auch jene der Republikaner heute über jede einzelne wahlberechtigte Person so viel, dass Datenschützern eigentlich schwindlig werden müsste. Das ist auch einer der Gründe, weshalb dieses Data Mining nach US-Vorbild für Europa undenkbar ist, zumindest in diesem Maßstab: Die Datenschützer würden aufheulen. Außerdem stehen europäischen Parteien mangels Budget auch gar nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung.

Für die Republikaner hingegen ist ihre neuerliche Niederlage der Beweis, dass man auch in Sachen IT einiges tun muss. Von einem anderen, sympathischer wirkenden Kandidaten ganz zu schweigen – vielleicht schafft der dann ja mehr als 12 Millionen „Likes“. Wobei: Wirklich entscheidend wird das auch 2016 nicht sein.

Robert Prazak

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