3D Audio: Die neue Dimension des Klangs

3D Audio: Die neue Dimension des Klangs

Auf der Website www.newaudiotechnology.de kann man sich unter anderem Musik von David Bowie in 3D anhören.

Durch die Revolution des "3D Audio" wird in der Tonproduktionen mit alten Dogmen aufgeräumt - akustische Objekte werden nun in einen Raum projiziert und schaffen virtuelle Klangwelten. Davon profitieren Event-Veranstalter ebenso wie Filmproduzenten.

Mit dem neuen Pink Floyd-Album „The Endless River“ entführen die Meister der psychedelisch angehauchten Rockmusik ihre Fans erneut in eine Welt voll sphärischer, langatmiger Klänge. Für ihre beeindruckenden Live-Auftritte sind die legendären Musiker ebenso bekannt wie für ihre aufwändigen Musik-Produktionen – Anlass genug also, einen Blick auf den letzten Schrei in der Musikproduktion zu werfen, der inzwischen auch Anwendung in der freien Wirtschaft findet: 3D Audio.

Unter diesem Begriff versteht man eine neue Form der Musikproduktion, die sich von der alten Herangehensweise verabschiedet, bei der Tonspuren auf einzelne Kanäle gelegt wurden. Nun werden nicht mehr die Lautsprecher einzeln angesteuert, sondern mit Hilfe einer Software virtuelle akustische Objekte generiert. Der Vorteil: Zuvor musste sich der Hörer an einer bestimmten Position zwischen den Lautsprechern befinden – dem sogenannten „Sweet Spot“ -, um den optimalen Klang erleben zu können. Nun spielt es keine Rolle mehr, wo sich der Zuhörer aufhält – die Objekte befinden sich immer an der gleichen Stelle. Beim Test von format.at im Wiener Studio der Soundtrack Unlimited GmbH wurde dies eindrucksvoll demonstriert: Stimmen in einem virtuellen Saal befinden sich stets hinter oder neben dem Zuhörer, auch wenn sich dieser im Raum bewegt; durch Lautsprecher an der Decke wir ein so genannter „Voice of God“-Effekt geschaffen – bei Hörspielen ist etwa die Stimme des Erzählers omnipräsent.

Für Großevents und Kinos

„Das Ziel von 3D-Audio ist weniger die Musikproduktion, sondern die Schaffung von Klangwelten“, sagt Markus Pöchinger, Gründer der Soundtrack Unlimited GmbH, im Gespräch mit format.at - Anwendung findet die Technologie meist bei Großveranstaltungen oder Präsentationen: Pöchinger hat zum Beispiel den Österreich-Stand auf der Expo Shanghai vertont, sowie für die Swarovski Kristallwelten geliefert.

Auch in der Wissenschaft wird 3D-Audio verwendet, um etwa die Wirkung von Hörgeräten in einer Laborsituation zu testen. Im Kinobereich wurden heuer Blockbuster wie „Lucy“ oder „Teenage Mutant Ninja Turtles“ in 3D-Sound abgemischt. „Gut zu 3D-Audio passen etwa auch 3D-Filme“, erläutert Pöchinger. In den Niederlanden haben laut Pöchinger Planetarien auf 3D-Audio umgerüstet, um einen besseren Effekt beim Publikum zu erzielen.

Markus Pöchinger, Soundtrack Unlimited GmbH: "3D-Audio und 3D-Film passend gut zusammen."

Für vergleichsweise kleine Studios wie Soundtrack Unlimited ergibt sich mit der Technologie ebenfalls ein enormer ökonomischer Vorteil: Denn auch kleinere Studios können mit beispielsweise zehn Lautsprechern eine Sound-Umgebung erschaffen und diese auf eine große Installation mit 2-300 Lautsprechern hochskalieren – möglich wird dies durch einen speziellen 3D-Audio-Prozessor, von dem die weltweit erste Festinstallation im Studio von Soundtrack Unlimited steht.

Zukunftsmusik: Spiele und Point-of-Sale

Potenzial könnte es für 3D-Audio laut Pöchinger auch im Bereich des Point-of-Sale geben: Kleine Räume könnten durch die richtige Klanggestaltung größer wirken; im Verkaufsraum könnten mit der richtigen Klanggestaltung Wohlfühl-Welten entstehen.

Außerdem schafft es die Software, den 3D-Effekt auch auf bloß zwei Kanäle herunter zu rechnen – damit eröffnen sich weitere interessante Märkte, wie etwa die Videospiele-Industrie: In Kombination mit Virtual-Reality-Brillen wie der „Oculus Rift“ könnte der Spieler somit gänzlich in eine andere Welt entführt werden. Sound-Beispiele zur Wirkung von 3D-Audio auf Kopfhörern gibt es im Web; etwa auf einer Website von Sennheiser, oder im nachfolgenden Video, das den Besuch bei einem Barbier simuliert - vielleicht auch mal eine nette Option zur akustischen Abschottung von der Kollegschaft im lauten Großraumbüro.

Kopfhörer aufsetzen, Video starten - und den Besuch eines Friseurladens mit 3D-Audio erleben.

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