"Die Verbindung mit Nokia ist eine besondere, denn die setzen exklusiv auf Windows Phone 8"

"Die Verbindung mit Nokia ist eine besondere, denn die setzen exklusiv auf Windows Phone 8"

FORMAT: Was sind für Sie die Höhepunkte der jüngsten Windows-Phone-8-Ankündigung?

Achim Berg: Erst einmal, dass wir 120.000 Apps anbieten. Und wir haben Funktionen vorgestellt, die es so im Smartphone-Bereich noch nicht gibt, zum Beispiel den "Kids Corner“. Damit können Eltern eine Umgebung für ihre Kinder festlegen. Mit der Funktion "Rooms“ lassen sich Termine, Adressen und Bilder mit einer Gruppe teilen.

Ihr wichtigster Partner Nokia hat im heurigen Geschäftsjahr 3,3 Milliarden Euro Verlust eingefahren. Kommt das unerwartet?

Berg: Unsere Kooperation hat begonnen, weil Nokia sagte: Wir müssen was ändern. Nokia war mit dem eigenen Symbian-System nicht gerade toll aufgestellt. Dass sie sich für eines der großen Betriebssysteme entschieden haben, war der richtige Schritt. Die Frage ist jetzt: Wie schnell kommt der Turnaround - ich bezweifle nicht, dass er kommt - und mit welchen Produkten? Es ist ganz logisch, dass sich das nicht in ein oder zwei Quartalen bewerkstelligen lässt.

Dennoch läuft die Entwicklung langsamer als erwartet, es fehlt an Marktanteilen. Warum ist das so zäh?

Berg: Es war immer klar, dass unser Weg eine Mehrjahresplanung ist. Die Weiterentwicklung eines Betriebssystems mit einem Ökosystem, das Benutzern überall das gleiche Look-and-Feel liefert - das ist ein Prozess, der einige Jahre dauert. Windows 8 und Windows Phone 8 nutzen denselben Kernel, das ist wirklich neu. Natürlich kann man sagen, es hätte schneller gehen sollen. Entscheidend ist, dass wir jetzt da sind.

Ein ganzes Ökosystem bietet auch Apple …

Berg: Nein, nicht so einfach. Derselbe Kernel, die Hardware-Verschlüsselung wie am PC, auch die komplette Integration von Office. Da gehen wir klar einen Schritt weiter.

Welche Vorteile bringt ein gemeinsamer Kernel (Herzstück des Programms; Anm.)?

Berg: Programme lassen sich einfacher von Windows 8 auf Windows Phone 8 bringen und umgekehrt, weil die Entwicklerwerkzeuge genau die gleichen sind. Ein Beispiel wäre Verschlüsselung - Stichwort BitLocker -, die wir damit auch am Telefon anbieten können.

Wie loyal steht Microsoft zu Nokia? Wie geht die Partnerschaft weiter?

Berg: Nokia ist ein starker Partner, aber wir haben mit HTC und Samsung noch andere. Gleichzeitig ist die Verbindung mit Nokia eine besondere, denn die setzen exklusiv auf Windows Phone 8. Wir treten gemeinsam auf, auch vor den Betreibern, und wir unterstützen sie in der Hardware-Entwicklung. Nehmen Sie das drahtlose Aufladen, das Nokia als erste Firma anbietet. Auch die hochauflösenden Kameras mit PureView sind ein Zusammenspiel zwischen Nokia-Hardware und unserer Software.

Soll die Zusammenarbeit noch enger werden?

Berg: Ich weiß, worauf Sie hinauswollen. Ich weiß es nicht.

Mit welchem Attribut oder Slogan würden Sie die neuen Windows-Smartphones beschreiben?

Berg: Ich würde sie frisch und modern nennen, und sie stellen die Person in den Mittelpunkt.

Wie sorgen Sie persönlich im Tagesgeschäft dafür, dass Windows Phone ein Erfolg wird?

Berg: Ich bin die Schnittstelle zu den großen Telkos dieser Welt.

Wie sieht der prototypische Kunde aus?

Berg: Den typischen Kunden gibt es nicht, nur solche, bei denen man die Telefone häufiger sehen wird. Das sind etwas mehr Frauen als Männer, und sie sind grundsätzlich jünger als der durchschnittliche Smartphone-Käufer. Wir haben eine relativ hohe Anzahl von Leuten, die zum ersten Mal ein Smartphone kaufen, und junge, innovative Familien.

Warum mehr Frauen?

Berg: Weil das Betriebssystem sehr einfach und intuitiv zu nutzen ist, und das spricht die Zielgruppe an. Sie brauchen eigentlich kein technisches Vorwissen.

Sie sprechen von jungen, innovativen Familien. Auch solche, die jetzt iPhones nutzen?

Berg: Ja, das ist so eine Mischung. Wobei ein signifikanter Anteil Erstkäufer sind. Die anderen kommen von anderen Plattformen, von Symbian etwa, vor allem aber von Android.

Also auch iPhone-Kunden sollen künftig ein Nokia-Telefon kaufen.

Berg: Sagen wir ein Windows-Telefon. Ein signifikanter Anteil an iPhone-Benutzern hat zu Windows gewechselt, insbesondere Personen, die ältere iPhones verwenden. Die Leute sehen die Vorteile von Office, aber auch die Preisvorteile.

Wie preisen Sie unter Freunden und Bekannten Windows-Telefone an?

Berg: Ich nutze von Zeit zu Zeit auch andere Geräte. Wenn ich dann zu Windows zurückkehre, bemerke ich, wie einfach es ist, eine E-Mail zu schreiben oder Word- und PowerPoint-Dokumente zu öffnen, zu bearbeiten, wieder zu schließen. Das sind Funktionen, die ich gerne zeige. Das bringt viele Leute dazu, sich Windows-Smartphones intensiver anzuschauen - und das mit gutem Erfolg.

Früher dauerte es bei Windows-Mobile-Telefonen oft viele Wochen, bis ein verfügbares Update tatsächlich am Handy des Benutzers ankam. Wie sieht das künftig aus?

Berg: Das hat sich komplett geändert. Updates sind häufiger, mitunter kleiner, ebenso sind die Geräte von vornherein zertifiziert. Das ist auch der Vorteil gegenüber Android. Bei uns ist ein Update fertig und geht hinaus.

Bei PC-Software ist Microsoft Marktführer, bei mobilen Betriebssystemen hingegen noch klein. Wie schafft es der Konzern, parallel eine Verteidigungs- und Angriffstaktik zu fahren?

Berg: Ich glaube, die Mischung aus Innovation, etwa jetzt bei Windows 8, und dem Mut zu Neuem, gemeinsam mit dem Bekenntnis, immer weiterzuentwickeln, das sind die großen Stärken von Microsoft.

Steve Ballmer kündigte an, dass sich Microsoft verstärkt in Richtung Hardware entwickeln werde. Was ist vorstellbar?

Berg: Wir entwickeln und verkaufen seit zehn Jahren die Xbox, länger noch Peripheriegeräte, und wir haben gerade Surface (Tablet-Computer; Anm.) auf den Markt gebracht. Das bedeutet nicht, dass wir unsere Dritthersteller-Strategie nicht weiterfahren. Aber wir werden in Ergänzung auch eigene Hardware-Produkte bringen. Wo das in Zukunft enden wird, darüber möchte ich nicht spekulieren. Dass wir eigene Designs wie das Magnesiumgehäuse des Surface zeigen, ist auch ein Statement, dass wir in diesem Markt mitmischen.

Baut Microsoft bald eigene Handys?

Berg: Ich habe keine Ahnung.

Wird Microsoft unterschätzt?

Berg: Ich glaube nicht, dass Microsoft je unterschätzt wird. Wer uns unterschätzt, läuft Gefahr, arrogant zu werden.

Ist es denkbar, dass Leute demnächst vor den Microsoft-Stores übernachten, wenn ein neues Windows-Phone-8-Handy herauskommt?

Berg: Da spricht überhaupt nichts dagegen (lacht).

Zur Person: Achim Berg, 48. Der Wirtschaftsinformatiker war 2010 Vice President der Microsoft-Mobilfunksparte. Seit 2011 ist er einer von sechs Marketing- und Vertriebsvorständen - zuständig für den globalen Telekommarkt.

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