Die Hintergründe der iPad-Verkleinerung

Die Hintergründe der iPad-Verkleinerung

Um den Großangriff von Google und Microsoft auf dem Tablet-Markt abzuwehren, beugt Apple vor. Der Kampf wird dennoch hart.

Apple lässt sich aus Prinzip nicht von der Konkurrenz unter Druck setzen - soweit das Klischée. Tatsächlich hat der Computerkonzern in den vergangenen Jahren selbst das Tempo und die Technologien vorgegeben, siehe iPod, iPhone und iPad.

Nun reagiert Apple aber offenbar doch auf die Konkurrenz. Laut Nachrichtenagentur Bloomberg wird derzeit eine kleinere Version des iPad vorbereitet - diese soll einen sieben bis acht Zoll großen Bildschirm haben (iPad: 9,7 Zoll). Bloomberg beruft sich auf unternehmensinterne Quellen, die über die iPad-Verkleinerung informiert sein wollen. Angeblich soll das Mini-Pad schon im Oktober präsentiert werden.

Google und Microsoft greifen an

Hintergrund der Aktion: Microsoft und Google bringen ihrerseits Tablet-PC auf den Markt; speziell das kleine Google-Gerät Nexus 7 ist mit einem Kampfpreis von 200 Dollar für Apple ein Herausforderer. Microsofts Surface-Tablet wiederum könnte mit einer guten Anbindung an Computer und der für PC-User gewohnten Windows-Umgebung punkten.

Albtraum für Konkurrenz?

Ein kleineres, billigeres iPad könnte für Google und Microsoft indes ein schwerer Dämpfer sein, meint der US-Analyst Shaw Wu von Sterne Agee & Leach Inc.. Apple habe den Vorteil des etablierten Anbieters, Käufer würden eher zu einer kleineren iPad-Variante greifen also zu einem Produkt eines anderen Anbieters.

Der Tablet-Markt wird heuer rund 67 Milliarden Dollar schwer sein, Apple hält daran rund 60 Prozent. Wer hier Fuß fassen will, sollte sich auf jene Bereiche konzentrieren, auf denen Apple bisher Schwierigkeiten hatte. Kritikpunkte sind unter anderem die fehlende Anbindung des Apple-Geräts an Produkte anderer Hersteller, der hohe Preis und das hermetisch abgeriegelt Betriebssystem.

Vorteile im Vertrieb

Doch der Generalangriff auf Apple wird nicht leicht - auch beim Vertrieb ist der Konzern aus Cupertino stark aufgestellt: 360 Filialen weltweit gehören direkt zu Apple; über andere Vertriebspartner wie Mobilfunker kann das iPad rasch erworben werden. Google hingegen will sein Nexus 7 vorerst nur über den Online-Shop anbieten; auch Microsoft verfügt nicht wirklich über beeindruckende Vertriebskanäle für Hardware.

Jedenfalls ist die geplante iPad-Schrumpfung ein bemerkenswerter Schritt von Apple. Der im vergangenen Oktober verstorbene Apple-Mitbegründer Steve Jobs hatte sich über kleinformatigen Tablet-Versionen der Konkurrenz stets lustig gemacht. Er hatte gemeint, die Größe des iPad sei nötig, um gute Nutzbarkeit zu gewährleisten. Möglicherweise sieht sich die neue Apple-Führung nun aber genötigt, drohenden Marktanteilsverlusten vorzubeugen. Das Mini-iPad wird nach Branchenmeinungen jedenfalls mehr kosten als das Nexus 7. Der Markenname Apple reiche, um mehr zu verlangen.

Microsoft und Google riskieren mit ihren eigenen Hardware-Offensive auf jeden Fall deutlich mehr als Apple mit einem verkleinerten iPad, meinen Analysten wie der oben erwähnte Shaw Wu: Die Kunden seien eher pessimistisch, wenn Software- und Internet-Firmen Hardware produzieren. Zudem könnten bisherige Partner wie Samsung vergrämt werden.

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