Das Internet kommt aus der Stromleitung

Das Internet kommt aus der Stromleitung

Internet- und Satelliten-Signale werden mittels Powerline im gesamten Haushalt verteilt – neue Web-Fernseher lassen die Nachfrage steigen.

PC, Laptop, Handy, Spielkonsole, dazu noch Fernseher – und alles in zwei- bis dreifacher Ausfertigung: Die Liste an internet-fähigen Geräten im Haushalt (und auch im Büro) wird immer länger und damit die Notwendigkeit zur entsprechenden Vernetzung. Das Problem: An passender Verkabelung mangelt es häufig und Wlan ist vor allem in mehrgeschossigen Häusern oder in Altbauten mit dicken Wänden nicht immer eine gute Alternative. Eine weitere Alternative ist Internet via Stromleitung – eine Technologie, die inzwischen ausreichend ausgereift ist, um starke Übertragungsleistungen zu garantieren; der Fachbegriff dafür lautet Powerline.

Internet für den gesamten Haushalt

Größter Anbieter in Europa in dieser Nische ist die deutsche devolo . Im Gegensatz zu den einstmals misslungenen Versuchen von Stromnetzbetreibern, Internet von außen in die Wohnungen und Häuser zu bringen, konzentriert sich devolo auf die Verbreitung der Daten innerhalb des Haushalts bzw. des Büros. Im Prinzip funktioniert das, in dem ein Internet-Router (über den das Signal von außen hereinkommt, etwa via Kabel) an einen entsprechenden Adapter angeschlossen wird, der seinerseits an eine Steckdose gesteckt wird – via Stromleitung wandern die Daten dann an andere Steckdosen, wo sie über weitere Geräte empfangen und an Computer, Laptop etc weitergereicht bzw. in ein Wlan-Signal umgewandelt werden. Ähnlich funktioniert es mit Satelliten-TV-Signalen, die über die Stromleitung vom Empfänger zum Fernseher oder PC wandern.

Bei der IFA in Berlin zeigte devolo nun weitere Produkte: Eher Gadget-Charakter hat dabei eine Live-Cam, die via Stromnetz Daten ins Heimnetz und von dort dann ins Internet sendet – über eine IP-Adresse können dann die Bilder dieser Live-Cam von überall abgerufen werden, etwa über ein iPhone oder ein Tablet (nur Android und iOS, nicht für PC). Deutlich größer dürfte das Interesse am neuen dLAN-TV-Multituner sein, mit dem Satellitensignale auf zwei Kanäle aufgeteilt werden können; dadurch können auf zwei Fernsehern unterschiedliche Sendungen angesehen werden. Voraussetzung dafür ist übrigens ein neuer Technologiestandard namens „Sat-to-IP“ vom Satellitenbetreiber Astra.

Höherer Datendurchsatz

Neu ist auch der Adapter „dLAN 500 AV Wireless+“mit Datendurchsatz von bis zu 500 Mbit/Sekunde, der drei LAN-Anschlüsse sowie eine integrierte Steckdose hat. Im Gespräch mit FORMAT sieht Christoph Rösseler, Vice President Marketing von devolo, noch Potenzial für Powerline. „Immer mehr Geräte werden ans Internet angebunden, etwa Fernseher – und viele Käufer kommen erst nachher drauf, dass sie gar nicht über die entsprechenden Anschlüsse verfügen.“ Trotz Konkurrenten wie Netgear , die ebenfalls ihr Portfolio ausweiten, liegt der Marktanteil im deutschsprachigen Raum konstant bei rund 70 Prozent. Rösseler: „Weil wir nur Powerline machen und sonst nichts.“ Seit 1. April gibt es auch eine eigene Österreich-Tochter; hierzulande werden die Produkte vorwiegend über die großen Elektronikmärkte vertrieben. Der Umsatz von devolo betrug zuletzt mit 185 Mitarbeitern rund 129 Millionen €.

Robert Prazak

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