CES: Der Kampf um die Technologie der Zukunft

CES: Der Kampf um die Technologie der Zukunft

Je nach Blickwinkel und Technologie: reale und virtuelle Parallelwelten treffen auf der Elektronikshow CES in Las Vegas aufeinander. Und die Autoindustrie steuert mit.

Schon immer hat die Elektronikmesse CES in Las Vegas die Schienen für Techniktrends, Ideen oder futuristische Konzeptstudien gelegt. Aber auch Produkte präsentiert, die tatsächlich dann den Markt gesehen haben. Und Milliardenumsätze brachten. Die einstige Elektronikshow mutiert nun aber auch zur Autoshow - mit Google und Startups als Herausforderer.

Las Vegas. International Consumer Electronics Show (CES) war einmal, heute wird die einstige Elektronikshow kurz und knapp CES genannt. Aus gutem Grund. Sie ist nicht nur die Elektronikshow, wo Computer, Software, Handys, Netztechnologie und vor allem auch die Facetten von TV präsentiert wird. Vielmehr mutiert die im Jahr 1967 erstmals veranstaltete Messe zur Autoshow. Zwischen dem 6. und 9. Jänner zeigen 3600 Aussteller das Neueste der Technologiewelt. 150.000 Besucher aus 150 Ländern werden erwartet. Und ist somit nebenbei auch die Vorgabe für die alljährlich in Detroit stattfindende Autoshow, die eine Woche nach der CES 2016 Mitte des Monats über die Bühne geht.

Und alle sind sie gekommen – nicht nur Ausrüster der Elektronik, Computer und IT-Industrie, sondern auch die Schwergewichte der Autoindustrie. Stehen auf der Detroiter Autoshow vor allem neue Modelle, PS, Lack und Chrom im Mittelpunkt, zeigen die Autohersteller zumindest ihre Blaupausen, wie sie sich das „Autofahren der Zukunft“ vorstellen.

Neue Autowelten

Nicht ganz ohne Zwang. Denn die Autoindustrie droht überholt zu werden. Google hat schon mehrfach Ideen zur Mobilität präsentiert, erst im Vorjahr hat der Suchmaschinenkonzern das Thema „Autonomes Fahren“ gepusht. Der E-Autobauer Tesla nutzt die CES schon mehrere Jahre für die eigene Show. Das noch jüngere Startup Faraday Future zeigte schon am Tag vor der offiziellen Messeröffnung seinen Einsitzer FFZERO1 Concept. Ein neuer Sportwagen mit Elektronantrieb, wobei die Einzelteile – was nicht so neu ist – von verschiedenen Zulieferern zusammengekauft und gebaut werden. 18 Monate nach Gründung will Faraday in der Wüste von Nevada die Produktion starten.

4500 Mitarbeiter will Faraday einstellen. Ingenieure von Unternehmen wie Tesla, BMW, Apple, Google, Boeing und SpaceX soll Faraday bereits verpflichtet haben. Und damit will der Newcomer nicht nur der Autoindustrie, sondern dem E-Auto-Platzhirsch Tesla die Zähne zeigen. Finanziert wird das im Wüstensand von Nevada gebaute Werk übrigens von dem chinesischen Multimilliardär Jia Yueting, der mit dem Videodienst LeTV in China populär und reich geworden ist.

Die Antwort von Tesla wird nicht lange ausbleiben. Der Konzern wird am Donnerstag Näheres zur Kooperation mit Panasonic präsentieren. Bereits im Sommer 2014 wurde die Kooperation publiziert. Auch Tesla hat den Anker in der Wüste Nevadas geworfen und dort eine sogenannte "Gigafactory". Dort soll Tesla gemeinsam mit Panasonic Batterien bauten - nicht nur für Autos. Der japanische Elektronikkonzern Panasonic hat sich zuletzt stark auf den Bau von Lithium-Ionen-Batterien fokussiert.

Neue Mobilitätskonzepte

Nicht nur neue Technologien, neue Innenkonsolen oder Unterhaltungs- und Navigationssysteme sind im Fokus, sondern auch neue Produktionsmethoden, Geschäfts- und Mobilitätskonzepte wollen die Autoneustarter präsentieren. Selbst VW, das noch immer tief im Morast des Abgasskandals steckt, versucht zumindest die Show als Neustart zu nutzen. Ein elektrisch betriebener Bus soll das Image heben. Toyota, GM, BMW oder Mercedes sind auf der Messe ebenso vertreten wie die IT-Companys und Startups, die in die Domäne der Autokonzerne vorfahren wollen.

Toyota hat abermals signalisiert, Apple und Google auszusperren, die so gerne die Software für die Unterhaltungsanlagen liefern wollen - und wahrscheinlich noch mehr dafür bekommen wollen. Toyota hat vor dem CES-Start angekündigt auf die Software von Ford zu setzen, die nicht mit Googles Android und Apples Car Play gesteuert wird. Ford hat hingegen avisiert, auch auf die Software der beiden Computerkonzerne zu setzen.

Galten im Vorjahr tiefer gehende Kooperationen, etwa zwischen Google, Apple oder Facebook und namhaften Autoherstellern so gut wie beschlossen, zeigt der Weg nun in eine andere Richtung. Die Autokonzerne gehen derzeit zumindest auf Distanz zu Google und Apple & Co. Und investieren selbst in Startups. Und in Mitarbeiter, die nicht nur von Motoren, sondern auch von IT eine Ahnung haben. Die andere Art der Mobilität sind Drohnen. Der französische Hersteller hat ebenso am Tag vor der Messeröffnung eine neue Drohne präsentiert, die nicht wie eine Krake, sondern eher wie ein Flugzeug aussieht.

Die virtuelle Parallelwelt

Wem die irdische Welt zu vertraut ist, Mit Autos vielleicht nicht so viel am Hut hat, der findet auch genügend Neues mit Technologien zu Virtual Reality. Neben Facebook werden auch Smartphonehersteller wie Samsung Datenbrillen präsentieren. Die Koreaner hatten bereits im Vorjahr erste zaghafte Versuche präsentiert. Facebook will mit der kürzlich übernommenen VR-Company Oculus Neues zeigen. Auch Sony und HTC wollen Datenbrillen zeigen. Noch ist das Geschrei um die Produkte für den Einstieg in die virtuelle Parallelwelt größer als der Nutzen.

Wer es doch irdischer mag, bekommt auch Neuigkeiten zur Unterhaltungselektronik präsentiert. Besserer Sound durch, wie es das sogenannte Lightning von Apple verspricht, haben die Kopfhörerhersteller auf ihrer Agenda.

TV war gestern, Video ist heute

Nicht nur bessere Bildqualität oder einmal mehr gebogene Flatscreens, sondern auch Neues zur 4K oder 8K-Technologie erwarten die CES-Besucher. Weit wichtiger als 4K oder 8K dürften Streamingdienste sein. Sony und Samsung wollen ihrer TV-Geräte mit vielen neuen Content-Technologien und –Diensten aufrüsten.

Und damit im trauten Heim alles perfekt vernetzt werden kann, soll ein neues WLAN-Format wesentliche Qualitätssteigerungen bringen.

Zentrale Steuerung

Auch das Smartphone darf in der Leistungsschau nicht fehlen. Des Menschen liebster Begleiter mutiert vom Internetanschluss und Telefon (!) zur individuellen Steuereinheit samt Überwachung seiner persönlichen Bedürfnisse, was auch über Fitness- und Gesundheitsapps erfolgen kann. Gespannt werden dabei auch die Neuentwicklungen von sogenannten Wearables sein, die einfach am Handgelenk getragen werden.

Die totale Vernetzung ist das Programm, wie es die Ausrüster sehen. Und dabei soll für den Nutzer das Smartphone die erste Geige spielen. Und damit soll nicht nur der Haushalt, sondern auch das zweitliebste Stück des Menschen gesteuert werden – das Auto. Die Autohersteller wissen, warum sie Google, Facebook, Apple & Co auch auf der CES auf die Finger schauen müssen – nicht zuletzt auch deswegen, um das eigene Kerngeschäft abzusichern.

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