Ein digitales Wirtschaftswunder sucht das Vertrauen der KMU

Ein digitales Wirtschaftswunder sucht das Vertrauen der KMU

Ministerin Johanna Wanka macht Stimmung für die digitale Revolution

„Wer seine Daten an Google gibt, schadet seiner Innovationskraft“, sagte die deutsche Forschungsministerin Johanna Wanka auf der IT-Messe CeBIT. Das sieht auch der Mittelstand so: 90 Prozent wollen bei einem geplanten "Wirtschaftswunder 4.0" nicht mitmachen, weil sie sich um ihre Daten sorgen. Doch es gibt bald Alternativen, verspricht das Fraunhofer Institut.

„Industrie 4.0“ ist das beherrschende Thema der der CeBIT 2015. Ein Schlagwort, das für die IT-Branche einer neuen industriellen Revolution gleichkommt: Verstanden wird darunter die komplette Vernetzung von Produktionsanlagen. Dazu gehören Maschinen, die einander über den aktuellen Status einer Produktfertigung Bescheid geben, sich dabei selbst organisieren und die Produktion optimieren, ohne dass ein Mensch eingreifen muss. Industrieroboter melden sich, wenn sie gewartet werden müssen.

Die Erwartungen darin sind so groß, dass manche deutsche Konzerne bereits von einem „Wirtschaftswunder 4.0“ sprechen. Ein Wunder, das der deutschen Wirtschaft durch die Steigerung von Efffizienz und der Reduzierung von Kosten auch helfen soll, gegen globale Konkurrenten aus Asien und den USA bestehen zu können.

Europa hat eine Chance, heißt es auf einer Pressekonferenz des Fraunhofer Instituts. Die USA und Asien wären zwar sehr stark im Softwarebereich, bei Netztechnologie, Server, Cloud Services und Business Intelligence. Europa und besonders Deutschland könne jedoch bei Hardware, intelligenten Maschinen, Mikroelektronik und etablierten Branchen – etwa dem Automobilbau punkten.

KMU sorgen sich um ihre Daten

Es besteht die Chance, dass auf dieser soliden Basis eine vierte industrielle Revolution aufgebaut wird – doch das werde nicht allein mit der Kraft der Großkonzerne funktionieren. „Der Mittelstand muss bei dieser industriellen Revolution mitziehen“, sagt die deutsche Ministerin für Bildung und Forschung, Johanna Wanka. Doch die KMU fürchten sich noch: Einer Studie des Ministeriums zufolge haben 90 Prozent der Klein- und Mittelbetriebe angesichts der Industrie 4.0 Sorgen um ihre Daten haben. Besonders groß sind die Bedenken, dass bei US-Konzernen gespeicherte Daten missbraucht könnten: „Wer seine Daten an Google gibt, schadet seiner Innovationskraft“, sagt die Ministerin auf der Messe vor versammelten Journalisten.

Das Fraunhofer Institut arbeitet daher mit Playern aus der Industrie zusammen, um eine Alternative namens „Industrial Data Space“ zu schaffen. Die Idee dahinter: Statt alle Daten auf zentralen Servern zu speichern sollen kooperierende Unternehmen nur noch die für die Zusammenarbeit notwendigen Daten on-demand für den oder die jeweiligen Kooperationspartner freigeben.

Das Industrial Data Space System könnte in Zukunft nicht nur in der Industrie, sondern etwa auch in der Telemedizin, im Handel oder in der Logistik zum Einsatz kommen. Vom Fraunhofer-Institut wird indes betont, dass es bei dieser Lösung um mehr geht als um einen neuen Markt: Um den Schutz der angestammten Industrien, etwa der Automobilbranche. „Wettbewerbsvorteile und Know-How schützen“, ist einer der Eckpunkte, den die Wissenschaftler als Ziel skizzieren: „Neue Standards etablieren und unsere Werthschöpfung ausbauen“, ist ein anderer. Und vor allem geht es darum „mit europäischer dahin zu gehen, wo andere erst hinwollen“.

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