Wirtschaftsmediation: "Qualität in Österreich ist sehr gut"

Wirtschaftsmediation: "Qualität in Österreich ist sehr gut"

Michael Hamberger, Experte für Wirtschaftsmediation in der Wirtschaftskammer, spricht im Interview über die Rolle der außergerichtlichen Streitschlichtung in Österreich, den Vergleich mit Italien und weshalb Mediation oft der einzig mögliche Weg ist.

FORMAT: Herr Hamberger, welche Rolle spielt Wirtschaftsmediation heute?

Michael Hamberger, Sprecher der Experts Group WirtschaftsMediation : Wirtschaftsmediation stellt eine klare Chance für mannigfaltige, verzwickte Unternehmenssituationen dar – und zwar bei mehr Selbststeuerung und weniger Delegierung von Verantwortung und Ergebnisqualität als etwa in Schieds- oder Schlichtungsverfahren. Die Methode wirkt unter anderem präventiv, regulierend, und lösungsorientiert. Wirtschaftsmediation steht für ein breit gefächertes Spektrum an hochdifferenzierten Einsatzformen in unterschiedlichen Bereichen, steht jedoch nicht im Rampenlicht der Medien - Mediatoren dürfen nämlich nicht wirklich darüber berichten und Unternehmen gehen trotz Erfolgserlebnissen mit Wirtschaftsmediation eher mit anderen PR-Themen an die Öffentlichkeit. Mediation ist ökonomisch und sehr oft die einzige Option, in der man unternehmerische Existenz oder Kernprozesse aufrecht hält und ist auch EU-politisch klares Mittel der Wahl, zusammen mit anderen außer- und vorgerichtlichen Optionen. In Italien ist Mediation in Handels- und Zivilrechtsangelegenheiten verpflichtend und weist höchste Erfolgszahlen und Zufriedenheit auf, auch bei den damit massiv entlasteten Gerichten und Anwälten. Bemerkenswert dabei ist, dass österreichische eingetragene Mediatoren im Vergleich zu italienischer „Standardausbildung“ ein um ein x-faches intensiveres Ausbildungslevel vorweisen können.

In welchen Branchen hat sich diese Methode heute bereits etabliert?

Hamberger: in der vollen Breite wirtschaftlicher Branchen und Bereiche finden in Österreich Mediationen statt: allerdings geht es rund um das Thema Etablierung eher darum, dass wir in seit Jahren immer differenzierter Mediation in unterschiedlichen Bereichen einzusetzen imstande sind. Je nach Fall geht es in der Mediation beispielsweise um Präventivarbeit, um Implementierung von Strategischem Konfliktmanagement in Organisationen oder um Konfliktregelung. Andernorts wirken Wirtschaftsmediatoren mit dem Fokus auf Begleitung ökonomischer Verhandlungsprozesse oder in komplexen Fällen recht häufig durch transformative Mediation: Hierbei werden oft grundlegende Interessen neu erkundet. In den letzten Jahren kommen in vielen Bereichen zunehmend Fälle an Wirtschaftsmediatoren, die zur Imagewahrung beider Seiten sehr gut in einer Mediation aufgehoben sind. Zum Beispiel dort, wo lange und intensive gerichtliche Verfahren die Zentralinteressen beider Seiten lähmen könnten, weil man eng zusammenarbeitet oder das jeweilige Wohl am Markt stark voneinander abhängt- Aber auch die mediative Begleitung von unterschiedlichen Beschwerdefällen im Bau oder im Tourismus ist von hoher Bedeutung.

Wie sieht es mit den Mediatoren in Österreich aus? Gibt es genug und genug gute?

Hamberger: Genug ist nie genug. Jedenfalls steht Österreich hier punkto Qualität sehr gut da. Aber wir arbeiten am Feintuning und an empirischer Stärkung in speziellen Anwendungsbereichen. Die Verbände kooperieren hier in zunehmendem Maße, das treibt diese Entwicklung positiv an. Also wird es noch mehr Mediatoren brauchen, die ganz besonders in einzelnen Spezialbereichen qualifiziert und erfahren sind. Das sollten Profis mit Branchen- oder Nischenerfahrung sein, die dann profund Mediation erlernen. Mediatoren braucht es aber auch nicht bloß, um „Fälle“ zu mediieren, sondern um gemeinsame Know-how-Levels in Organisationen und in der Gesellschaft zu erhöhen. Ein Beispiel: Baumediation ist nicht einfach Baumediation, sondern speziell wirksam in unterschiedlichen Phasen, mit unterschiedlichen Bedürfnissen an Ablauf, Vertragsrahmen und Instrumenten. Dasselbe gilt für Mediation in der Versicherungswirtschaft: Hier sind möglichst viele Stakeholder involviert, die diesen Bereich abdecken. Um rechtliche Bedingungen und klare Mediationsklauseln in Versicherungsverträgen zu verankern und damit sich Mediation sicher rechnet für alle Beteiligten.

Ist unser Rechtssystem überhaupt auf Mediation ausgerichtet?

Hamberger: Ausgerichtet? Nein. In der Praxis angekommen? Jein. Der Zugang zum Gerichtsweg soll ja weiterhin in höchster Güte erhalten und gepflegt bleiben, hier steht Österreich sicher nicht im europäischen Schatten. Das österreichische Zivilmediationsgesetz verwurzelt Mediation in höchster Qualität, hier waren und sind wir Vorreiter - noch. Aber dennoch sind alternative Formen der Regulierung und Beilegung noch viel zu wenig im praktischen Betrieb integriert . Es hat in Österreich sicher einen guten Grund, wieso zunehmend viele Anwaltskanzleien auf kollaborative Formen und Mediation in Ihrem Angebot bauen. Hier geht es heute nicht um Konkurrenz zwischen Berufsständen oder Beilegungsformen und Methoden oder um eine rein akademische Diskussion, sondern es geht darum, hilfreiche Realitäten zu schaffen. Dazu ist Mediation in vielen Bereichen ein fundiertes Mittel der Wahl.

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