„Wir müssen die United Clouds of Europe gründen“

„Wir müssen die United Clouds of Europe gründen“

Fabasoft-CEO Helmut Fallmann will Cloud Computing dazu nutzen, der europäischen IT-Industrie neues Selbstbewusstsein zu geben. Die Bespitzelung durch US-Geheimdienste sei nicht die grundlegende Krankheit, sondern nur Symptom der amerikanischen Dominanz.

Der Abhörskandal PRISM und seine Ableger sind zwar ein wenig aus dem Mittelpunkt des medialen Interesses gerückt – von der ungewissen Zukunft von „Aufdecker“ Edward Snowden mal abgesehen. Doch die langfristigen Folgen dieser Schnüffelei der amerikanischen Freunde werden größer sein als man denkt.

So werden Forderungen nach einem eindringlicheren und selbstbewussteren Vorgehen europäischer Politiker gegenüber den USA laut, auch die Abhängigkeit von US-Konzernen was die IT- und Telekombranche betrifft, wird thematisiert. Helmut Fallmann, CEO des Linzer Softwareanbieters und Cloud-Betreibers Fabasoft , sieht sich durch die jüngsten Ereignisse bestätigt, was die europäische Strategie im IT-Sektor betrifft. Oder besser gesagt: Die Nicht-Strategie.

„Europa hat in Sachen IT keine Versorgungssicherheit, weil wir von den USA abhängig sind“, sagt er. Das sei deshalb so „dramatisch“, weil die IT die Wettbewerbsfähigkeit aller Wirtschaftsbereiche betreffe. „Früher hat es Leuchttürme in der europäischen IT-Branche gegeben wie Olivetti, heute kaufen die Amerikaner alle unsere guten Firmen einfach auf“, beklagt Fallmann. Ein Beispiel sei die Übernahme von Autonomy durch HP.

Wo liegen die Daten?

„Die jüngsten Enthüllungen über die Verletzung der Privatsphäre hat mal wieder deutlich gemacht, dass es uns nicht egal sein kann, wo die Daten liegen“, sagt Fallmann. Cloud Computing biete für die Wirtschaft große Möglichkeiten, doch die Sicherheit dürfe nicht vernachlässigt werden. Fallmann fordert daher einen „europäischen Grundkonsens der Cloud-Anbieter“. Seine Vision ist ein „United Clouds of Europe“, eine europäische Gemeinschaft der Cloud-Spezialisten.

Es muss einen Aktionsplan zur Förderung und Festigung der europäischen IT-Industrie gebe, dadurch könne der gesamte Wirtschaftsstandort Europa vorangetrieben werden. Ein solcher Aktionsplan sollte etwa Mindestqualitätsstandards für Infrastruktur, Datensicherheit, Datenschutz und Verschlüsselung umfassen; weiters wären einheitliche Nutzungsverträge, Unterstützung aller EU-Sprachen und Barrierefreiheit wichtige Parameter. Zudem sollten die Daten ausschließlich bei europäischen Cloud-Anbietern in europäischen Rechenzentren gespeichert werden. „Das gibt uns die Gewissheit und auch die Wahlfreiheit“, sagt der Fabasoft-Chef.

“Spitze des Eisbergs“

„PRISM ist ja nur die Spitze des Eisbergs“, sagt Fallmann. Das Problem liege viel tiefer, nämlich in der Marktdominanz der Amerikaner. „Dass uns die Amerikaner aufgrund dieser Position dann auch noch ausspionieren, ist ein Skandal. Aber es zeigt, dass wir dringend etwas tun müssen.“

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