„Unternehmen bedrohen sich durch Nachlässigkeit selbst“

„Unternehmen bedrohen sich durch Nachlässigkeit selbst“

IT-Security-Experte Albert Gerlach von der UBIT über die Gefahren beim Cloud Computing und was gesunder Menschenverstand mit Sicherheit zu tun hat.

Albert Gerlach ist Berufsgruppen-Sprecher IT der UBIT Wien (Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Wien) und widmet sich vor allem dem Thema IT-Sicherheit. Business-Software könne in der Cloud ein Sicherheitsrisiko sein, wenn sie bei US-Anbietern gehostet werde, meint Gerlach. Im Gespräch mit format.at präzisiert er diese Vorbehalte.

FORMAT : Birgt Cloud Computing mehr Gefahren als den meisten Anwendern bewusst ist?

Albert Gerlach : Nein, das ist übertrieben. Aber Cloud Computing muss einfach richtig angewendet werden. Das ist wie mit einem Auto: Auch das kann gefährlich sein. Generell ist Cloud Computing ja ein dehnbarer Begriff, der auch Services wie Dropbox oder bestimmte Google-Dienste umfasst. Solche Anwendungen sind im Unternehmensumfeld mit Vorsicht zu genießen. Aber generell gilt: Es gibt in diesem Bereich viele amerikanische Unternehmen, die ja bekanntlich von US-Geheimdiensten durchleuchtet werden. Man kann nichtsdestotrotz Cloud-Lösungen verwenden, um dort etwa eigene Programme laufen zu lassen. Am sichersten ist die sogenannte Private Cloud, die am besten über ein Rechenzentrum in Österreich laufen sollte. Zusammengefasst kann man sagen, dass mit einer gewissen Web-Affinität, einem seriösen Anbieter und mit gesundem Menschenverstand Cloud Computing kein Problem sein sollte.

Was sind die wichtigsten Vorteile beim Cloud Computing?

Gerlach : Zeitersparnis, Senkung der Kosten und die Möglichkeit, rascher auf Änderungen reagieren zu können, sind sicher die Hauptgründe, weshalb es von Unternehmen vorangetrieben wird. Das wird quer durch alle Branchen und von Unternehmen unterschiedlichster Größe umgesetzt. Es drängt sich aber vor allem dann auf, wenn eine mittlere bis größere Anzahl an Computern vorhanden ist.

Zum Thema Sicherheit: Was sind akute Bedrohungsszenarien für die IT-Systeme von Unternehmen?

Gerlach :Die größte Bedrohung ist jene, dass viele Unternehmen gar keinen Sinn für Datensicherheit haben, es werden beispielsweise oftmals keine oder zu wenige Daten-Backups durchgeführt. Oder die Backups werden auf einer Festplatte am Server gespeichert, die dann ebenfalls ausfallen kann. Auch regelmäßig Updates von Betriebssystemen sind ein unverzichtbarer Schutz gegen Viren, werden aber oft nicht vollzogen. Stellen Sie sich vor, wenn wichtige Unternehmensdaten für immer verloren gehen. Das hat enorme Auswirkungen.

Angriffe von Hackern sind also eher ein Film-Klischee?

Gerlach : Es wird Unternehmen geben, die für Hacker ein begehrtes Angriffsziel sind, aber der typische Klein- oder Mittelbetrieb ist das eher nicht. Viel größer ist die Gefahr, dass Rechner wegen fehlender Schutzprogramme von Trojanern und Viren befallen werden. Klassisch gehackt werden Websites, nicht die Server von Kleinunternehmen.

Wie versucht die UBIT zu helfen?

Gerlach : Wir machen Veranstaltungen und haben auch eine eigene Experts Group zum Thema Sicherheit. Diese gibt Broschüren zur Information der Unternehmen über Datenspeicherung, Sicherheit und ähnlichen Themen heraus.

Veranstaltungshinweis : Am 11. September gibt es einen „Club IT“ der UBIT Wien zum Thema “Bespitzelt, durchleuchtet und kein Entkommen möglich?“ - Weitere Details dazu finden Sie hier .

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