Office 2016: Microsoft eifert Google nach

Office 2016: Microsoft eifert Google nach

Sicherheit, Zusammenarbeit und Mobilität - mit diesen Schlagworten feiert Microsoft sein neues Office 2016, das ab heute erhältlich ist. Viele Features kennen Nutzer aber bereits von der Konkurrenz. Ein Vergleich zwischen Office 2016 und Google Docs.

Microsoft verkauft jede Sekunde ein Exemplar seines Office-Pakets, das Software wie Excel, Word, Outlook und PowerPoint umfasst. Insgesamt gibt es über 1,2 Milliarden Office-Nutzer weltweit. Am 22. September ist mit Office 2016 nun eine Neuauflage jenes Software-Pakets erhältlich, mit dem auch österreichische Büroarbeiter jeden Arbeitstag verbringen.

Wichtige Neuerungen gibt es in punkto Sicherheit. So wurde etwa die Funktion der Data Loss Prevention (DLP) von Outlook auf die Programme Excel, Word und PowerPoint ausgebaut – DLP soll verhindern, dass sensible Firmendaten an Personen außerhalb des Unternehmens verschickt werden. Außerdem nutzt Office 2016 die sogenannte Multi-Faktor-Authentifizierung, die Nutzer bereits von Online-Überweisungen kennen: Hier verwendet der Nutzer nicht mehr bloß den PC, um sich per Passwort einzuloggen, sondern muss sich zusätzlich über ein zweites Gerät identifizieren – zum Beispiel über sein Smartphone. Drittens soll in Office 365 integriertes Mobile Device Management (MDM) ermöglichen, dass Administratoren mobile Geräte wie Smartphones und Tablet-PCs vor Diebstahl und Verlust schützen – so wie es bei Apple über die iCloud oder bei Samsung über die Sicherheitslösung Knox gemacht wird.

Zusammenarbeit auf Smartphone und Tablet-PC

Mobile, das ist eines der großen Themen bei Microsoft. Dementsprechend wurde Windows 10 als ein Betriebssystem entwickelt, dass auf allen Geräten ähnlich läuft. Und auch Office 2016 soll das Bearbeiten von Dokumenten neben dem PC auf dem Smartphone oder dem Tablet-PC, etwa Apples iPad, ermöglichen. Besonders betont wird von Firmenvertretern nun die einfachere Zusammenarbeit: Beim neuen Office sehen Nutzer nun live, wenn ihre Kollegen ein Dokument bearbeiten; sie können Kollegen zur Bearbeitung eines Dokuments einladen und mit wenigen Klicks bestimmen, ob diese das Dokument nur lesen oder auch editieren dürfen.

Neu ist dies allerdings nicht: Google ermöglicht mit Google Docs schon längere Zeit das Freigabe-Management unter Kollegen, die Live-Mitverfolgung von Änderungen und das Bearbeiten auf unterschiedlichen Geräten via Browser.

Link teilen, mit Kollegen kooperieren: Nun ist das auch bei Microsoft möglich.

Cortana gegen Google Now

Auch freut man sich bei Microsoft, dass die virtuelle Assistentin „Cortana“ – die Antwort des Konzerns auf Apples „Siri“ – nun mehr leisten kann. Etwa soll sie den Outlook-Kalender des Nutzers scannen und ihn anschließend an Termine erinnern.

Auch diese Funktion bietet Google bereits seit geraumer Zeit mit seinem Dienst „Google Now“, der aus der Browsing-Historie, den Gmail-Mails, dem Google Kalender und den GPS-Daten des Android-Handys jeweils relevante Informationen zum aktuellen Wetter und bevorstehenden Terminen ansagt; im Format.at-Test konnte Google Now bei der Ankunft am Flughafen Schwechat gar mitteilen, zu welches Gate wir gehen mussten. Im Gegensatz zur fortschrittlichen Google-Lösung ist Microsofts Cortana in Österreich noch gar nicht verfügbar – bei Nachfrage zu einem Erscheinungsdatum hält sich Microsoft Österreich noch bedeckt.

Begriffe in Word nachschlagen

Zusätzlich zu den für alle Programme verfügbaren Neuerungen gibt es auch in den einzelnen Anwendungen ein paar Neuerungen. So wurde für die Textverarbeitung Word etwa eine „Intelligente Suche“ eingeführt, bei der direkt in Word Begriffe nachgeschlagen werden können, ohne dass man dafür in den Browser wechseln muss. Als Quellen für Suchergebnisse dienen hier das Oxford Dictionary, Wikipedia und Microsofts eigene Suchmaschine Bing – die Suche über Google wird nicht unterstützt.

Per Excel die Zukunft vorhersagen

Die Tabellenkalkulation Excel punktet wiederum mit sechs neuen Diagrammtypen, wodurch die Visualisierung komplexer Daten erleichtert werden soll. In den vergangenen Jahren hat Microsoft hier starke Konkurrenz durch Online-Anbieter wie Infogr.am bekommen, auf denen kostenlos und einfach deutlich schickere Infografiken erstellt werden können. Um sich im großen Angebot der Excel-Diagramme zurechtfinden zu können, wurde die Funktion „Empfohlene Diagramme“ verbessert, die jene Diagramme vorschlägt, die am besten zur Tabelle passen.

Sunburst Charts: Eine schicke neue Darstellung in Excel.

Außerdem kann Excel nun mit nur einem Klick Prognosen für zukünftige Entwicklungen erstellen, wenn man die entsprechenden historischen Daten in der Excel-Table markiert. Der Nutzer bekommt dann eine Grafik mit Prognosen für die „Worst Case“-, „Best Case“- und wahrscheinlichsten Szenarien, ohne dass er sich an statistischen Monstrositäten wie Konfidenzintervallen die Zähne ausbeißen muss. Praktisch ist das für jeden, der mit Zahlen operiert – seien es KPIs zum Verkauf oder zur Preisentwicklung beim Lieferanten.

Aus historischen Daten lassen sich nun einfach Prognosen für die Zukunft erstellen.

Outlook: Anhänge aus der Cloud

Neben der – in Österreich noch nicht verfügbaren – Integration der Assistentin Cortana soll Outlook noch mit ein paar Neuerungen punkten. Zum Beispiel beim Versand von Dateien; denn hier schlägt Outlook die zwölf zuletzt verwendeten Dateien vor, damit der Nutzer nicht lange auf seiner Festplatte herumsuchen muss. Außerdem ist es möglich, Dateien aus Microsofts Cloud-Speicher OneDrive anzuhängen – also so, wie Google es im Gmail mit Dateien aus Google Drive ermöglicht.

Auch soll Outlook nun Emails automatisch sortieren; je nachdem, wie oft man mit den entsprechenden Kontakten kommuniziert. Auch hier eifert Microsoft Googles Online-Maildienst nach, der mit der Neuauflage namens „Inbox“ Mails noch effizienter sortiert als Gmail, indem zum Beispiel Mails zu einer geplanten Reise an einem Ort zusammengefasst werden oder alle Belege in einem Ordner abgelegt werden.

Kaufen oder mieten?

Wer das neue Office haben möchte, der muss sich entscheiden, ob er es in Form des Pakets „Office 2016“ gegen eine einmalige Bezahlung kaufen oder lieber in Form von „Office 365“ gegen eine regelmäßige Bezahlung mieten möchte. Laut Microsoft Österreich werden hierzulande bereits 65 Prozent der Office-Pakete als Mietprodukte verkauft, international liegt das Verhältnis bei 50:50.

Die Office365-Lösung bietet ein wenig mehr Leistung als der einmalige Kauf, wie etwa 1 TB OneDrive-Speicher im Gegensatz zu 15 GB bei Office 2016, oder 60 integrierte Minuten über den Internettelefoniedienst Skype. Außerdem darf Office 2016 pro Lizenz auf nur einem PC installiert werden, Office 365 zusätzlich auch auf mobilen Geräten.

Office 2016: Funktionen und Preise im Vergleich.

Fazit

Office 2016 bietet einige Neuerungen, die das Arbeiten vereinfachen, vor allem die Kollaboration über mehrere Geräte hinweg. Viele Lösungen gibt es aber bereits bei der Konkurrenz, und andere – wie etwa Cortana – sind in Österreich noch gar nicht verfügbar. Auch stellt sich die Frage, ob die Tools überhaupt benötigt werden, oder ob eine Freeware wie Open Office nicht auch ihren Zweck erfüllt. Schreiben und Tabellen bearbeiten kann man auch mit dieser Gratis-Lösung.

Punkten kann Microsoft aber am meisten über das Thema Sicherheit, denn hier ist das Misstrauen vieler großer Unternehmen gegenüber Anbietern wie Google nach wie vor groß.

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