"Flexibilität von Unternehmen und Auftragnehmern leidet"

"Flexibilität von Unternehmen und Auftragnehmern leidet"

IT-Dienstleister sollen selbst entscheiden können, welches Vertragsverhältnis sie annehmen.

Die Fachgruppe Unternehmensberatung und Informationstechnologie der Wirtschaftskammer Wien warnt vor Auswirkungen jüngster Entwicklungen auf den IT-Standort Wien. Konkret sieht die Fachgruppe, die rund 20.000 Unternehmer in der Hauptstadt vertritt (IT-Dienstleister, Unternehmensberater und Buchhalter) ein Problem mit der rückwirkenden Umwandlung freier Dienstnehmer in Angestellte. Damit verbundene Rückforderungen könnten sich schnell auf 100.000 Euro summieren, heißt es.

Die Ubit fordert daher Wahlfreiheit bei Vertragsverhältnissen. Wissensbasierte Dienstleister sollten entscheiden können, in welchem Vertragsverhältnis sie tätig sind. Im Interview erläutert Robert Bodenstein, Obmann der Fachgruppe Ubit der WK Wien, seine Beweggründe:

Format: Sie fordern Wahlfreiheit bei Vertragsverhältnissen, speziell für wissensbasierte Dienstnehmer. Ist das nicht ein sehr heikles Gebiet, auf das Sie sich da begeben? Fürchten Sie beispielsweise nicht den Zorn der Gewerkschaften?

Robert Bodenstein: Das ist natürlich ein heikles Gebiet, das ist uns durchaus bewusst. Es geht ja im Prinzip um drei Punkte: Um Flexibilität der Unternehmen, um jene der Auftragnehmer und um soziale Sicherheit. In diesem Kräftefeld spielt sich das ab. Doch zur Zeit geht es halt ausschließlich um eine vordergründige soziale Sicherheit, die aber so ohnedies nicht gegeben ist. Die Flexibilität von Unternehmen und Auftragnehmern leidet aber darunter. Gerade die EPU spüren derzeit einen starken Rückgang der Aufträge.

Welche Bereiche sind von etwaigen Rückforderungen von Dienstnehmer- und Dienstgeberbeiträgen besonders betroffen?

Bodenstein: Wir sehen zahlreiche Bereiche betroffen. Das sind im Bereich der wissensbasierten Dienstleister neben dem IT-Bereich auch Unternehmensberater, Trainer und Grafiker.

Ist es andererseits tatsächlich immer so, dass die Dienstnehmer eine Wahl haben?

Bodenstein: Wir merken sehr stark den Wunsch der Dienstleister, auch selbstständig tätig sein zu wollen. Das unterstreicht auch eine Befragung unserer Mitglieder, die zu 94 Prozent aussagen, selbstständig bleiben zu wollen. Nicht nur aus steuerlichen Gründen, sie wollen einfach die Flexibilität. Da kann man genau jene Dinge tun, die man tun will. Das ist der Hauptgrund für diesen Wunsch. Der Staat oder das Sozialsystem werden ja nicht geschädigt.

Sie fordern klare gesetzliche Rahmenbedingungen. Wie könnten diese konkret aussehen?

Bodenstein: Für zahlreiche Berufe ist eine Wahlfreiheit über das Vertragsverhältnis aus unserer Sicht die fairste Methode. Den betroffenen Zielgruppen ist eine Beurteilung der Situation durchaus zuzutrauen.

Sie fordern auch, dass geistige Werke abschreibbar sein sollen. Gibt es dazu Vorbilder in anderen Ländern?

Bodenstein: Ja, beispielsweise Deutschland. Um korrekt zu sein, geht es uns aber um die Möglichkeit zur Aktivierung von Software und nicht um alle geistigen Werke.

Wie sehen in diesen Punkten nun Ihre nächsten Schritte aus? Wie realistisch ist eine baldige Umsetzung?

Bodenstein: In Kenntnis der politischen Landschaft in Österreich ist uns bewusst, dass beide Themen nur mittel- bis langfristig zu lösen sind. Wir werden daher unser Lobbying zu diesem Thema weiter fortsetzen.

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