Facebook plant Revolution im Büro

Facebook plant Revolution im Büro

Viele Unternehmen verbieten ihren Angestellten Facebook in der Arbeit: Das soll "Facebook at Work" nun ändern.

Facebook sagt der Email den Kampf an - zumindest im Büroalltag. Denn laut einem Bericht der Financial Times arbeitet das soziale Netzwerk an einem speziellen Dienst für das Büro namens "Facebook at Work". Damit will das kalifornische Unternehmen Business-Netzwerken wie Xing, LinkedIn aber auch den Cloud-Diensten von Microsoft und Google Konkurrenz machen. Bei Facebook selbst nutzen die 8.500 Mitarbeiter das eigene Netzwerk auch zum beruflichen Austausch.

Seit langem ist Facebook das führende soziale Netzwerk, Ende Juni waren rund 1,32 Milliarden Nutzer weltweit registriert. Bisher konzentrierte sich das Unternehmen von Mark Zuckerberg auf den privaten Bereich, nun will man auch in die Büros der Welt eindringen. Bereits im Juni diesen Jahres berichtete der Technologie-Blog TechCrunch von "FB@Work", einem geheimen Projekt, das vermutlich in London vom früheren Google-Entwickler Lars Rasmussen entwickelt werde.

Jetzt verdichten sich die Informationen: Laut einem Bericht der Financial Times soll es sich um einen separaten Dienst handeln. Mit "Facebook at Work" sollen Kollegen untereinander chatten, Informationen mit Geschäftspartnern austauschen und Dokumente verschicken und bearbeiten können, berichtet die Financial Times unter Berufung auf anonyme Informanten. Der neue Dienst soll ähnlich wie das normale Facebook aussehen und so etwa auch mit einem Newsfeed und Gruppen ausgestattet sein.

Financial Times zufolge will Facebook für sein Büro-Netzwerk zumindest am Anfang kein Geld verlangen. Wichtig sei es, möglichst schnell möglichst viele Nutzer zu gewinnen.

Facebook will Email im Büroalltag ersetzen

Der Bedarf an einer Revolution ist unumstritten: Viele Beschäftigte bekommen jeden Tag vorgeführt, wie stark die Informationswege in ihren Firmen veraltet sind. Privat kommen die Neuigkeiten aus Facebook oder dem Kurznachrichtendienst Twitter, für den schnellen Kontakt gibt es WhatsApp, Suchmaschinen wie Google picken sekundenschnell Informationen aus den unendlichen Weiten des Netzes heraus.

Im Büro hingegen herrscht die Kommunikation per E-Mail vor. Unwichtige Mitteilungen werden häufig zu breit gestreut, relevante Fakten dagegen oft ein Geheimnis weniger Empfänger. Das Wissen ist im Intranet oder spezialisierten Datenbanken verteilt, die Mitarbeiter bekommen zuviele Informationen - und oft doch nicht die richtigen. Ein "Facebook at Work", das die Funktionsweise des Online-Netzwerks in den beruflichen Alltag überträgt, wäre nicht der erste Versuch, das zu ändern.

Inzwischen gibt es viele Werkzeuge, die Abhilfe schaffen sollen. Zum Beispiel firmeninterne Kurznachrichten-Plattformen, in denen Informationen auf einen Schlag für viele Mitarbeiter sichtbar sind. Einer der Pioniere, das Startup Yammer, gehört inzwischen zum Platzhirsch Microsoft, der sein Angebot verstärkt über die klassischen Office-Büroprogramme ausweiten will.

Datenschutz-Sorgen

Der Vorteil für Facebook sind die 1,35 Milliarden Menschen, die sich im Online-Netzwerk bereits zuhause fühlen. Doch die Datenschutz-Sorgen könnten die Pläne für ein Firmen-Facebook durchkreuzen. Insbesondere nach dem NSA-Skandal sind zum Beispiel die Europäer so misstrauisch geworden, dass US-amerikanische Cloud-Dienste einer nach dem anderen Rechenzentren auf dem Kontinent eingerichtet haben, bevorzugt in Deutschland. Und gerade auf Facebook, das sein Geld mit der Auswertung von Nutzer-Daten für personalisierte Anzeigen verdient, müsste besonders viel Überzeugungsarbeit zukommen. Immerhin kann das Online-Netzwerk inzwischen eine flächendeckende Verschlüsselung vorweisen.

Bei Facebook selbst nutzen die inzwischen knapp 8.500 Mitarbeiter das eigene Netzwerk auch zum beruflichen Austausch. So kommunizieren etwa Produkt-Teams in eigenen Facebook-Gruppen untereinander, wie Mitarbeiter Medien erzählten. Zudem reihten sich Informationen Newsfeeds ein, wie man sie als dem privaten Facebook kennt. Außerdem werde der Messenger für Kurzmitteilungen genutzt.

Ob nun Facebook oder jemand anders das Rennen machen wird, der Wandel in den Unternehmen hat längst begonnen. Den Erfolg werde künftig derjenige haben, der "die beste Fähigkeit hat, die Nadel im Heuhaufen zu finden", glaubt der IBM-Experter Peter Schütt, der ein Zeitalter des "Social Business" aufkommen sieht.

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