Energieversorger setzen auf smarte Technologien

Energieversorger setzen auf smarte Technologien

Die Thermostate von Nest sind Teil des Google-Konzerns - und helfen Kunden, ihren Haushalt mit dem Handy zu steuern.

Europas Energieversorger fürchten sich, dass sie von Internetgiganten wie Google in die Ecke gedrängt werden könnten. Daher verbünden sie sich mit Start-ups, um ihren Kunden bald mehr bieten zu können als bloß Strom und Gas.

Via App von unterwegs schon mal die Heizung hochdrehen oder per Knopfdruck auf dem Tablet die Waschmaschine starten - das sind schon lange nicht mehr nur Träume technikverrückter Hausbesitzer. Das Smartphone-Zeitalter stellt die traditionelle Energieindustrie auf den Kopf. Für die angestammten Versorger wie RWE und E.ON geht es inzwischen um mehr als möglichst viel Strom und Gas an Kunden zu verkaufen. Im digitalen Zeitalter verbünden sich die Energieriesen immer häufiger mit aufstrebenden Startup-Firmen aus dem Silicon Valley, deren Fokus auf dem Energiesparen liegt. Denn in der Branche herrscht die Sorge, auf das Abstellgleis gedrängt zu werden von Internetgiganten wie Google.

"Vor den anderen Energieunternehmen der Welt ist uns gar nicht so Angst und Bange", sagt RWE-Strategiechef Thomas Birr. "Wir befinden uns in einer komplett anderen Wettbewerbsarena, in der Technologiekonzerne eine größere Rolle spielen. Das ist die Spielwiese, auf die wir uns einstellen müssen." Einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag gibt der zweitgrößte deutsche Versorger für Innovationen und Forschung aus. Das ist nur ein Bruchteil des drei Milliarden Euro schweren Investitionsbudgets für dieses Jahr. Birr zufolge werden neue Technologien aber immer wichtiger für einen Industriesektor, der sich wegen der Energiewende im Umbruch befindet - weg von der Atomkraft und den fossilen Brennstoffen hin zu erneuerbaren Energien. Deshalb räumt RWE Neuerungen künftig einen höheren Stellenwert ein und legt ab Juli die Bereiche Strategie und Innovation zusammen. "Für unsere Branche wird die Innovationsfähigkeit wettbewerbsentscheidend", erläutert Birr.

Einer Studie der Unternehmensberatung McKinsey zufolge kann der europäische Energiemarkt bis 2020 zusätzliche Gewinne durch neue Geschäftsfelder wie erneuerbare Energien, Speichertechnik und Nachfragemanagement von rund 26 Milliarden Euro einfahren. Aber nur etwa 15 Prozent davon blieben bei den traditionellen Energiekonzernen hängen, schätzen die Experten. Analystin Monika Kumar von der Marktforschungsgesellschaft IDC erwartet, dass immer mehr neue Tech-Firmen auf den Markt drängen und den angestammten Versorgern das Leben schwermachen. Diese hätten nur dann eine Chance, wenn sie ihr eigenes Geschäft kannibalisierten - den Kunden nicht mehr nur Energie verkauften, sondern ihnen gleichzeitig aufzeigten, Strom und Gas zu sparen.

Wirtschaftlicher Nutzen noch ungewiss

Die großen deutschen Energiekonzerne sind schon auf den Zug aufgesprungen: Über das sogenannte SmartHome können RWE-Kunden etwa von unterwegs per App bei starker Sonneneinstrahlung die Rollos runterfahren oder die Lüftungsanlage anmachen. Zudem arbeiten die Essener mit der Google-Tochter Nest zusammen. Das 2010 gegründete US-Unternehmen verkauft Thermostate, die die Temperatur im Haus automatisch an die Außenverhältnisse anpasst und sich die Heizgewohnheiten der Bewohner merkt. Strategiechef Birr zufolge soll es weitere Kooperationen mit Technologiefirmen geben. Rivale E.ON hat nach eigenen Angaben mehr als ein Duzend Partnerschaften mit Startups, darunter eine mit dem US-Anbieter Opower. Dessen Software zeigt Endkunden in blinkenden Balkendiagrammen und farbigen Charts an, wann wie viel Strom oder Gas verbraucht wurde und wo es Potenzial zum Sparen gibt.

Ob sich der ganze Aufwand eines Tages rechnet, steht nach Einschätzung von Experten in den Sternen. Fragt man die Konzerne selbst nach daraus resultierenden Zusatzgewinnen, werden sie schmallippig. Dass der neue Bereich die wegbrechenden Erträge aus dem bisherigen Geschäft mit Kohle-, Gas- und Atomkraftwerken wettmacht, ist ohnehin unrealistisch. "Aber was sagt man über bahnbrechende Technologien? Es dauert zehn Mal länger als erwartet bis es durchschlägt, aber dafür ist der Ertrag daraus zehn Mal größer", sagt E.ON-Managerin Susana Quintana Plaza, die im Konzern für Innovationen zuständig ist.

Ob sich damit Aktionäre überzeugen lassen, steht auf einem anderen Blatt: "Fragt man die deutschen Versorger, wie dieses Geschäft genau aussehen wird, erhält man keine konkreten Informationen", sagt DWS-Portfoliomanagerin Susana Penarrubia. "Andererseits haben sie keine andere Wahl, als in diesem Bereich nach Wachstum zu suchen."

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