Dunkle Wolken über Europa

Dunkle Wolken über Europa

Mission sollte lauten: "United Clouds of Europe".

Cloud Computing nennt man die bedarfsgerechte Bereitstellung von IT-Ressourcen aus dem Internet. In Amerika hat sich Cloud Computing längst als Wirtschaftsmotor etabliert. Die US-Online-Giganten Amazon, Apple, Facebook und Google setzen längst gezielt auf die Speicherung von Daten und Software in der Wolke und bedienen ihre Kunden kostengünstig mit einfachen Zugangslösungen und IT-Anwendungen auf Cloud-Plattformen.

Die USA haben sich wieder einmal in die Pole-Position des globalen IT-Business gebracht. Aber nicht nur das: Die Vereinigten Staaten haben mit ihrem geheimen Massenelektronik-Überwachungsprogramm PRISM seit 2007 systematisch Live-Kommunikation und gespeicherte Daten abgefragt. Dazu gehören E-Mails, Video- und Voice Chats, Fotos, Voice-over-IP Chats wie Skype, Datentransfers und Details aus sozialen Netzwerken. 98 Prozent der PRISM Datenproduktion stammt von Yahoo, Google und Microsoft.

Um das Briefgeheimnis haben die Europäer Jahrhunderte lang gekämpft. Viele Staaten haben es in ihre Verfassungen aufgenommen und auch in der Europäischen Menschenrechtscharta ist dieses ein fixer Bestandteil. Aber im elektronischen Zeitalter sollten wir einfach hinnehmen, dass die Privatsphäre der Bürger bedenkenlos zu Gunsten übertriebener Sicherheitsdoktrinen geopfert werden soll?

Hoheit wiedergewinnen

Europa muss seine Hoheit über die elementare Technologie-IT wieder zurück gewinnen, mit eigenen Infrastrukturen und mit einer entsprechenden Rechtssicherheit, die es auch US-Behörden oder den Briten unmöglich macht, ohne rechtsstaatliche Ermächtigung Data-Mining bei Bürgern und Unternehmen im großen Stil zu betreiben.

Wenn Europa nicht wie in der Vergangenheit bei ihrer Computer- oder Autoindustrie Amerika kampflos das gesamte Wirtschaftspotential eines lukrativen Zukunftsmarktes überlassen will, gilt es jetzt gemeinsam und entschlossen zu handeln. Nur mit einem weitreichenden Aktionsplan kann der „alte“ Kontinent nicht nur seine globale Wettbewerbsfähigkeit auf Basis innovativer Informations-technologien stärken, sondern seine hoch entwickelten Industrien insgesamt aufwerten und damit Arbeitsplätze und Wohlstand sichern. Europa braucht einen Aktionsplan, mit dem ein Grundkonsens zwischen europäischen Cloud-Unternehmen erzielt wird. Die Forderung nach „United Clouds of Europe“ steht in engem Einklang mit der „Europäischen Cloud Strategie“ im Rahmen der europäischen 2020 Initiative „Digital Agenda for Europe“. Mit dieser Strategie soll der europäische Binnenmarkt unter anderem auf Basis ultraschneller Internetverbindungen bis zum Jahr 2020 zum wettbewerbs-fähigsten IKT-Markt der Welt umgestaltet werden.

Aktionsplan dringend nötig

Die europäischen IT-Unternehmen und die EU-Kommission müssen rasch einen kontinent-weiten Aktionsplan in eine gemeinsame europäische Strategie einbetten und konsequent umsetzen. Denn ohne „United Clouds of Europe“ wird der Wirtschaftsstandort Europa noch weiter ins Hintertreffen geraten. Es braucht zertifizierte Mindestqualitätsstandards bei Infrastruktur, bei Datensicherheit und beim Datenschutz. Die Nutzer von Cloud-Diensten müssen ferner Gewissheit darüber haben, dass ihre Daten bei europäischen Cloud-Anbietern in europäischen Rechenzentren gehalten werden. Einheitliche Nutzungsverträge sollen zusätzliche Rechtssicherheit schaffen. Auch die Source Codes für die Cloud-Dienste sollen vollständig in Europa liegen.

Cloud-Computing ist eine Chance, die unsere europäische Wirtschaft im globalen Wettstreit um Marktanteile und die Entwicklung innovativer Technologien nicht versäumen darf. Nur ein ambitionierter, effektiver und gesamteuropäischer Vorstoß kann hier zum Erfolg führen.

Helmut Fallmann ist CEO des Linzer IT-Unternehmens Fabasoft

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