Der nächste Milliardenmarkt: Daten von Smartphonekunden – SAP mischt groß mit

Der nächste Milliardenmarkt: Daten von Smartphonekunden – SAP mischt groß mit

Daten von Smartphonekunden sind gefragter denn je – etwa bei Stadtplanern, Einzelhändlern oder im Marketing. Und das Potential dieser Daten ist enorm. Bis 2016 soll der Markt auf bis zu 9,5 Milliarden Dollar anwachsen. Kaum verwunderlich, dass immer mehr Unternehmen ihre Tätigkeiten in Richtung dieses lukrativen Marktes ausrichten. Unter ihnen befindet sich auch ein bekannter Vertreter: Der weltgrößte Firmensoftwareanbieter SAP.

Das auf Verkehr spezialisierte Beratungsunternehmen Fehr & Peers untersuchte im letzten Jahr Pendlerströme im US-Bundesstaat Kalifornien. Eine traditionelle Postkartenaktion mit 5300 Fragebögen brachte einen Rücklauf von nicht mehr als 300 Stück. Versuchsweise wurden für den gleichen Zeitraum Handydaten über die Mobilfunknetze eingeholt und heraus kamen Bewegungsprofile von insgesamt 76.500 Nutzern.

Fehr nutzte für diesen Test die Dienstleistung des Start- Up-Unternehmens AirSage aus Atlanta. Die Mobilfunkdaten wurden nahezu in Echtzeit gesammelt. Dieser erfolgreiche Test führte zu fünf Anschlussaufträgen für AirSage von Fehr in diesem Jahr.

“Unsere Datenbasis hat sich um das Tausendfache verbreitert”, stellte Mike Wallace von Fehr in einem Gespräch mit Bloomberg News fest, “und der Preis ist durchaus vergleichbar geblieben. In Zukunft werden wir die traditionelle Methode weniger anwenden”.

Hohe Nachfrage

Und die Nachfrage für solche ausgewerteten Daten ist hoch - etwa bei Stadtplanern, Einzelhändlern und im Marketing. Immer mehr Unternehmen treten in diese lukrativen Märkte ein - neben AirSage, auch ComScore und, seit 21. Mai, die deutsche SAP.

Sie alle nutzen Rohdaten von Mobilfunkbetreibern wie Verizon Wireless, analysieren die Informationen und erstellen daraus verkäufliche Studien. Das Geschäft entwickelt sich sehr lukrativ: bei AirSage steigt der Umsatz Angaben des Unternehmens zufolge im jedem Quartal um 25 Prozent.

Die Praxis ist auch in den USA bei Datenschützern umstritten und die Regierung erwägt derzeit strengere Auflagen. Andererseits gilt gerade den Mobilfunkbetreibern diese Datensammlung als willkommene Umsatzquelle. Die Erträge aus der klassischen Sprachtelefonie sinken weiter und auch das Wachstum der Neuverträge hat sich zuletzt abgeschwächt.

Datensammlung bereits gängige Praxis

Die Datensammlung von Smartphone-Nutzern ist bereits gängige Praxis. Gesammelt werden Daten zum Standort, zur Nutzung von Apps und dem mobilen Internet. Mit den Daten können sich die Anbieter besser auf das Nutzungsaufkommen vorbereiten und den Datenverkehr besser steuern. Zwei Anbieter in den USA, Verizon Wireless und Sprint Nextel, haben gerade mit dem Verkauf solcher Daten an Drittanbieter begonnen und hoffen auf Millionenumsätze.

Weltweit wird der Markt für Nutzerdaten von Mobilfunkkunden von SAP auf bis zu 9,5 Milliarden Dollar im Jahre 2016 geschätzt. Im letzten Jahr wurden den Angaben zufolge 5,5 Milliarden Dollar umgesetzt. “Der Umsatz pro Mobilfunkkunde sinkt derzeit und die Anbieter sind allesamt auf dem Weg nach neuen Umsatzquellen”, sagt AirSage-CEO Cy Smith. Dabei werde nun gerade erst damit begonnen, den Wert solcher Daten richtig einzuschätzen.

Die Mobilfunkanbieter erhalten einen Teil des Umsatzes, den Unternehmen wie AirSage und SAP mit ihren Datenauswertungen erzielen. SAP wird Marketingfirmen und Werbetreibenden regelmäßige Auswertungen für mehrere tausend Dollar im Monat anbieten, wie Präsident John Sims von SAP Mobile Services im Gespräch ankündigte. Es sei das Ziel, den Mobilfunkanbietern neue Umsatzquellen zu erschließen.
Dabei sind die erhobenen Datenmengen enorm.

Laut SAP werden für 20 bis 30 Millionen Mobilfunkkunden pro Tag Daten im Umfang von ein bis zwei Terrabyte gesammelt. Diese Informationen deuten beispielsweise an, wann und an welchem Ort welche Internetseiten besonders oft aufgerufen werden. So können beispielsweise Werbebotschaften wesentlich zielgerichteter eingesetzt werden. Die Daten legen aber auch offen, wie sich die Kunden innerhalb einer Arbeitswoche durch ein Einkaufszentrum bewegen. Mobilfunkbetreiber verfügen über Daten, die weit mehr Kunden betreffen als jene von Betriebssystemherstellern wie Google und Apple.

Zurückhaltende Mobilfunkbetreiber

In den USA gibt es aber auch wesentlich zurückhaltendere Mobilfunkbetreiber, was die Datenerhebung und deren Verkauf angeht. Bedenken über den Datenschutz der eigenen Kunden stehen den potenziellen Umsätzen dabei entgegen. So verkauft etwa AT&T grundsätzlich keine Daten über die eigenen Mobilfunkkunden, wie Sprecher Mark Siegel in Dallas versichert. T-Mobile US verfüge über keine Abteilung zum Verkauf von Daten, sagte Sprecherin Anne Marshall.

Verizon startete mit dem Verkauf im Jahre 2012 und stellt es den Nutzern frei, sich gegen eine Datenweitergabe auszusprechen. Die meisten Anbieter fassen die Daten zusammen und anonymisieren sie. “Wir verkaufen auch keine Rohdaten”, versicherte Sprecherin Debra Lewis von Verizon Wireless. “Unsere Daten werden analysiert und heraus kommt eine Erkenntnis.”

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