"Daten sind das neue Öl, das die Wirtschaft anfeuert"

"Daten sind das neue Öl, das die Wirtschaft anfeuert"

Die Themen Cloud Computing und Big Data sind für viele Unternehmen ein Spanisches Dorf – das muss und wird sich ändern, meint EMC-Österreich-Chef Martin Hammerschmid. Nutzung von Cloud-Diensten und Auswertung riesiger Datenmengen würde nicht nur die IT, sondern die gesamte Wirtschaft grundlegend verändern.

Cloud, Big Data, Sicherheit – das sind die drei Kernthemen, über die Martin Hammerschmid, Geschäftsführer von EMC Computer Systems Österreich , am liebsten spricht. Kein Wunder: Mit diesen drei Begriffen, die längst nicht nur für IT-Profis Aussagekraft haben, werden sowohl drei große Trends der IT-Branche und der Wirtschaft insgesamt umschrieben als auch drei Kernbereiche von EMC. Der US-Konzern ist auf die Herstellung von Hardware und Software für Storage und Cloud Computing spezialisiert; in Österrech werden 140 Mitarbeiter beschäftigt und die größten heimischen Unternehmen zählen zu den Kunden.

Cloud Computing (also das Bereitstellen bzw. Abrufen von IT-Ressourcen bzw. Daten über ein Netzwerk) ist ein Schlagwort, mit dem auch IT-Unbedarfte spätestens seit Google Drive etwas anfangen können. Doch wie weit ist es in den Unternehmen damit gediehen? Hammerschmid im Gespräch mit format.at: „Alle Firmen haben sich auf diese Reise begeben, aber sie sind bisher unterschiedlich weit gekommen.“ Ein geringer Anteil der Firmen habe einen hohen Virtualisierungsgrad erreicht, die Mehrheit würde einen Grad von 50 bis 80 Prozent erreicht haben. „Der nächste Schritt: Nicht nur IT-Anwendungen, auch andere überlebenswichtige Applikationen werden virtualisiert, etwa SAP“, sagt Hammerschmid. Je nach Phase des Cloud Computings stehen für die Unternehmen Kosten, Agilität oder Flexibilität im Vordergrund.

Hardware ist kein Geschäft mehr

„Die reine Hardware wird zur Commodity, da lässt sich nicht viel Geld verdienen“, glaubt Hammerschmid. Die Intelligenz bei der Umsetzung einer Cloud Computing-Strategie liege in der Software, mit der man beispielsweise den Zugriff auf die Speicher optimieren könne. Am Thema Cloud kommt jedenfalls kein Unternehmen und keine Branche vorbei. „Es ist eine Revolution in der IT“, sagt der EMC-Österreich-Chef.

Von noch größerer Bedeutung ist indes das Thema Big Data, mit dem die Analyse und Verwendung bisher kaum genutzter Daten umschrieben wird. „Das wird nicht nur die IT, sondern die gesamte Wirtschaft revolutionieren“, meint Hammerschmid. Mit den enormen Datenmengen, die derzeit meist ohne Verwendung sind, könnte man unglaubliches Wissen generieren. Auch hier sei entsprechende Software nötig, um etwa die parallele Verarbeitung der Daten zu ermöglichen. Als Beispiel nennt Hammerschmid die Nutzung von Bewegungsdaten für die Vermeidung von Staus.

Strukturiert, unstrukturiert

"Bisher haben Unternehmen strukturierte Daten einfach verwerten können, diese Zeiten sind vorbei. Nun ist es möglich und notwendig, unstrukturierte Daten zu erfassen, zu verknüpfen und zu verwenden", sagt Hammerschmid. Das gelte nicht nur für große Unternehmen, sondern auch für den Mittelstand. EMC arbeitet in dieser Hinsicht beispielsweise mit dem österreichischen Start-Up webLyzard zusammen, das ein System zur Analyse von Online-Medien entwickelt hat.

In diesem Zusammenhang ist Hammerschmid überzeugt, dass Österreich als Standort für Experten und Unternehmen aus diesem Umfeld eine große Chance hat. "Gefragt sind Profis, die aus Daten das Optimum herausholen." Österreich könnte sich sozusagen als Ölförder-Nation etablieren.

Sicherheit bleibt von großer Relevanz

Bei all der Datensammelwut bleibt indes Sicherheit ein Kernthema. "Die Bedrohungen steigen, weil heute die Internet-Betrüger eine eigene hochentwickelte Industrie sind", sagt Hammerschmid. Daher seien entsprechende Sicherheitsmaßnahmen in den Unternehmen notwendig - damit mit der Datenflut nicht ungewünschte Besucher ins Unternehmen kommen. "Eine Firewall aufzubauen ist heute nicht mehr der Weisheit letzter Schluss", sagt Hammerschmid. Stattdessen würden moderne Systeme bei Auffälligkeiten Alarm schlagen.

Robert Prazak

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