Cisco: Ein Riese lernt von kleinen Start-ups

Cisco: Ein Riese lernt von kleinen Start-ups
Cisco: Ein Riese lernt von kleinen Start-ups

Hilton Romanski, Head of Corporate Development bei Cisco

Cisco ist Vorreiter unter jenen Konzernen, die ihre eigene Innovationskraft durch die Akquise von Start-ups erhalten. Zuständig für diese Investments ist Hilton Romanski, Head of Corporate Development bei Cisco in Kalifornien. Mit format.at sprach er über Österreichs Gründerszene, die häufigsten Start-up-Fehler – und über die Gefahr einer neuen Dotcom-Blase.

Format: Warum investiert ein Konzern wie Cisco in kleine, risikobehaftete Start-ups?

Hilton Romanski: Wir als Cisco haben immer von Veränderungen im Markt profitiert, indem wir rechtzeitig eingestiegen sind. Das machen wir erstens über interne F&E-Aktivitäten – und zweitens, indem wir hinausgehen und aktiv mit Start-ups interagieren. Wir kaufen auch Unternehmen, um dort Wissen und Innovationskraft zu erlangen, wo unsere eigenen Kapazitäten nicht ausreichen würden.
Investments sind für Konzerne aus verschiedenen Gründen interessant. Viele sehen es als eine rein finanzielle Aktivität, bei der sie gewinnbringende Unternehmen kaufen. Wir übernehmen auch Start-ups, die in der ganz frühen Phase sind und deren disruptives Potenzial sich in den kommenden 3 bis 5 Jahren entfaltet. Dies beschleunigen wir – etwa durch die Beziehungen, die wir zu anderen Partnern haben. Zudem haben wir Programme, in denen wir Start-ups durch Mentoring unterstützen – hier investieren wir nicht zwingend Geld, sondern unser Wissen und unsere Kontakte.
Seltener investieren wir auch in Start-ups, die sich in einem fortgeschrittenen Stadium befinden. Insgesamt ist unser Investment-Portfolio zwei Milliarden Dollar groß, es umfasst 90 Unternehmen und 35 Risikokapital-Fonds.

Format.at: Wo sind diese 90 Start-ups geographisch angesiedelt?

Hilton Romanski: 50 Prozent des Portfolios befindet sich in den USA, der Rest außerhalb der USA. Wir investieren in Westeuropa, in Mittel- und Osteuropa, in Israel, Indien, Südostasien, Australien, Japan, China und indirekt – durch unsere Fonds – auch in Brasilien. Wo Unternehmertum stattfindet, dort versuchen wir, eine Position einzunehmen. Unsere Präsenz bauen wir in den einzelnen Märkten immer stärker aus: In Israel sind wir direkt als Investoren aktiv, weil wir dort schon vor 15 Jahren in Form von Risikokapital-Fonds begonnen haben; dadurch haben wir gelernt und konnten so unsere eigene Präsenz aufbauen. Auch in Mittel- und Osteuropa haben wir mit Risikokapital-Fonds investiert und daraus gelernt: In Wien haben wir 2013 den Cloud-Anbieter SolveDirect übernommen, in Prag haben wir das Unternehmen Cognitive gekauft – dieser macht Sicherheitsanalysen, was für uns ein wichtiges Feld ist. Durch die anfänglichen Aktivitäten konnten wir unser Selbstbewusstsein für die jeweiligen geographischen Märkte entwickeln.

Format.at: Hat Österreich überhaupt eine Gründerszene, die für Konzerne wie Cisco attraktiv ist?

Hilton Romanski: Es geht in die richtige Richtung. Wir fragen uns beim Markteintritt immer, ob wir dort die einzigen Investoren ist; denn wenn man ein Start-up in einem frühen Stadium übernimmt, braucht man andere Investoren, die ebenfalls einsteigen und das Wachstum begleiten. Oft ist kein komplettes Ökosystem vorhanden – es gibt in manchen Märkten nur Einzelinvestoren, in anderen Regionen nur große Fonds. Der hiesige Markt beginnt, einen kompletten Lebenszyklus an Start-up-Finanzierungen zu entwickeln. Er ist noch nicht am Ziel angelangt, vor allem fehlt das Mittelfeld zwischen Investments in der frühen und in der sehr späten Phase eines Unternehmens. Doch diese Lücke wird gefüllt – unter anderem helfen dabei internationale Konzerne wie wir.

Format.at: Was muss ein Start-up haben, um für Sie interessant zu sein?

Hilton Romanski: Es muss sich erstens auf einen Markt fokussieren, der relevant genug ist, um einen Wert für uns zu generieren. Das zweite wichtige Element, vor allem in der frühen Phase, ist die Qualität der Unternehmensidee – ist sie differenziert genug und ausreichend durchdacht? Auch das Team an sich ist wichtig.
Wenn wir direkt in ein Start-up investieren, dann muss es außerdem auch schon eine Marktrelevanz haben – also bestehende Kunden, sowie Wachstumspotenzial. Ebenso wichtig für ein Engagement von Cisco ist aber die Frage, ob wir überhaupt helfen können. In manchen Fällen stellen wir etwa den Kontakt zu neuen Kunden aus unserem Netzwerk her, oder unsere IT-Abteilung unterstützt sie – im Gegenzug möchten wir aber auch vom Start-up lernen. Etwa, indem wir zusammen in neue Märkte eindringen oder Dinge gemeinsam entwickeln, die wir alleine nicht machen würden.


Es wird eine Korrektur im Markt geben

Format.at: Was sind die häufigsten Fehler, die Start-ups machen?

Hilton Romanski: Entweder sie machen zu wenig, oder sie machen zu viel. Das sind zwei Enden des Spektrums, zwischen denen man die Balance finden muss. Manche glauben, dass ihre Lösung für alle Probleme passend ist und stellen sich daher zu breit auf – dabei vergessen sie, was sie wirklich auszeichnet. Am anderen Ende des Spektrums stehen Unternehmen, die ein einziges Problem sehr gut gelöst haben und sich dann nicht weiter entwickeln. Sie bleiben bei einem einzigen Großkunden – und das ist niemals gut.

Format.at: Und mit Ihren Mentoring-Programmen helfen Sie dabei, diese Fehler zu vermeiden?

Hilton Romanski: Wir können die Start-ups mit einer großen Bandbreite an praxisnahem Wissen beraten – zu Business-Themen ebenso wie etwa zur technologischen Weiterentwicklung der Produkte. Dabei haben wir im Hinterkopf, dass ein Kunde durch die Kooperation zwischen uns und dem Start-up einen Mehrwert bekommen soll.

Format.at: Die Investments durch verschiedene Marktteilnehmer nähren die Angst vor einer neuen Spekulationsblase, ähnlich der Dotcom-Blase zur Jahrtausendwende. Sind diese Sorgen berechtigt?

Hilton Romanski: Ich bin im Jahr 2001 zu Cisco gekommen. Damals habe ich ein Portfolio übernommen, bei dem es zu einem großen Teil darum ging, Unternehmen zu reparieren – oder abzudrehen. Es wurde damals so viel investiert, dass dieser Wert nicht real erwirtschaftet werden konnte. Es gibt auch jetzt Segmente, die überhitzt sind, und solche Segmente werden immer kollabieren. Andere Segmente verzeichnen ein mehr fundamentales Wachstum – und als Ganzes wächst die IT-Branche relativ konsistent. Gibt es also eine Blase? Als Investor sehen wir nun mehr Start-ups, die aktiv auf uns zukommen und Anteile verkaufen wollen – das ist schon ein Indiz für eine gewisse Überhitzung des Marktes. Andererseits sehen wir als Investoren, dass viele Unternehmen trotz hoher Bewertungen ihre Soll-Werte erreichen oder sogar über Plan wirtschaften. Sie wachsen schnell; Umsatz, Kundenzahl und Margen nehmen rasch zu. Es ist also schwer, das Timing einer Blase hervorzusehen – eines kann ich jedoch sagen: An einem bestimmten Punkt wird es eine Korrektur im Markt geben. Die Frage ist bloß, wann und wie dies passiert – denn die Märkte könnten generell trotz hoher Bewertungen stabil sein, auch wenn einige Einzelsegmente überbewertet sind. Dann würden diese Segmente korrigiert werden, der Rest wird aber weiter wachsen.

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