Adobe Creative Cloud: Mehr als die Summe der einzelnen Teile

Adobe Creative Cloud: Mehr als die Summe der einzelnen Teile

Mit der Creative Cloud wandern Photoshop-Entwürfe vom iPad in Sekundenschnelle auf den PC.

Bei der "Creative Cloud" von Adobe kaufen sich die Kunden Software wie Photoshop nicht mehr, sondern mieten sie gegen eine Gebühr. Immer mehr Kreative springen auf diesen Zug auf.

Treue Kunden und kalkulierbare Umsätze – das sind zwei Dinge, die ich jeder Manager wünscht. Daher sind viele Unternehmen bemüht, ihre Kunden zu Abo-Modellen zu bewegen, bei denen anstatt eines einmaligen Investments eine monatliche Gebühr anfällt. Vor allem der US-Konzern Adobe treibt diese Entwicklung stark voran. Der Hersteller der Bildbearbeitungssoftware PhotoShop und des Videoschnitt-Programms Premiere bietet seinen Kunden mit der „Creative Cloud“ ein Paket, das die Manager selbst als „Betriebssystem für Kreative“ bezeichnen. Hier gibt es für Einzelanwender-Neukunden das Komplett-Abo der gesamten Software-Palette ab 61,49 € pro Monat, für Firmenkunden ab 69,99 € pro Monat.

Bei der Verkündung des Quartalsergebnisses am 16. September hieß es vom Unternehmen, dass bereits 63 Prozent der Umsätze aus den neuen Geschäftsmodellen kommen – neben der Creative Cloud fallen darunter allerdings auch zum Beispiel Einnahmen aus der Vermietung von Servern. Das Wachstum des Segments zeigt sich aber deutlich in der Entwicklung der Nutzerzahlen: Im vergangenen Geschäftsquartal konnten gut 500.000 Neukunden für die Cloud-Dienste gewonnen werden. Anfangs drückte die Neuausrichtung mit Mietsoftware noch auf das Geschäft, seit zwei Quartalen wächst der Umsatz aber wieder – wenngleich erhöhte Marketingkosten auf den Gewinn drücken.

Auch den Aktionären scheint diese Entwicklung zu gefallen: Zwar erlebte die Adobe-Aktie (ISIN: US00724F1012) im Jahresverlauf etliche kleinere Einbrüche, insgesamt legte sie aber seit Jahresbeginn um 21,88 Prozent auf aktuell 72,98 Euro zu. Den 12-Monats-Zielkurs sehen Analysten bei 79,61 Euro, mit einem Ertragspotenzial von 9,1 Prozent. Doch was muss ein Unternehmen seinen Kunden eigentlich bieten, damit sie freiwillig monatlich für ein Produkt zahlen, das sie gar nicht besitzen?

Mehr als die Summe seiner Teile

Adobes Vorteil ist, dass die Produkte aus der Kreativwirtschaft nicht mehr weg zu denken sind. PhotoShop ist in der Welt der professionellen Bildbearbeitung quasi konkurrenzlos, Premiere verwendet der kleine Dokumentarfilmer ebenso wie der Blockbuster-Produzent und InDesign hilft so manchem Verlag bei der Produktion seiner Magazine. Werden all diese Produkte zu einem Paket zusammen geschnürt, so können interessante Synergieeffekte entstehen: Bei einer Präsentation in Wien zeigte das Unternehmen, wie gut sich die PC-Programme untereinander, mit mobilen Apps und der realen Welt vernetzen – und wie dadurch neue Möglichkeiten für Kreative geschaffen werden.

So gibt es etwa zusätzlich zu den PC-Programmen diverse Apps für Apple-Geräte – Android soll folgen, allerdings liegt dafür noch kein Zeitpunkt fest -, mit denen auch unterwegs Filme und Fotos bearbeitet werden. Von dort können sie auf einen Server geladen werden und sind wenige Sekunden später in der PC-Software verfügbar. Einige dieser Apps nutzen auch die Hardware-Vorteile der Geräte gegenüber dem PC: Wer etwa unterwegs ein interessantes Objekt entdeckt, macht mit dem iPhone ein Foto, das anschließend von der App „Adobe Shapes“ automatisch in eine Vektorgrafik verwandelt wird – diese kann kurz darauf am PC in einen Flyer für die nächste Marketing-Kampagne umgewandelt werden.

Außerdem ist es möglich, Zeichnungen auf herkömmlichem Papier in die eigenen Projekte einfließen zu lassen – so kann das Plakat für die nächste Werbekampagne im Park entworfen und am PC schließlich fertig gestellt wird. Möglich wird dies durch eine Kooperation mit dem Notizbuch-Hersteller Moleskine.

Werbekampagnen des 21. Jahrhunderts: Vom Notizbuch über das iPhone auf den PC.

Außerdem lockt Adobe seine Kunden nicht nur mit den Programmen, sondern auch mit frei verfügbaren Inhalten. Zum Beispiel sind rund 2500 Schriftarten in die Creative Cloud integriert – Werbeagenturen und Medienhäuser, die sich sonst die Schriften teuer kaufen müssen, können diese nun frei verwenden. Zudem bietet Adobe mit dem „Creative Cloud Market“ Zugriff auf Design-Vorlagen unterschiedlicher Künstler, die ebenfalls lizenzfrei verwendet werden können. Das entsprechende Repertoire ist beachtlich – pro Monat kommen 500 neue Stücke hinzu.

In der Praxis bedeutet das zum Beispiel für einen Grafiker, dass er beim Termin mit einem Kunden für die Gestaltung eines Logos eine Vorlage herunterladen und diese rasch adaptieren kann, um so einen provisorischen Entwurf präsentieren zu können – das spart wertvolle Arbeitszeit.

Adieu, Schulungskosten!

A propos Sparen: Auch Schulungskosten für die Weiterbildung von Grafikern und anderen Mitarbeitern in der Kreativabteilung können nach Ansicht von Adobe künftig gestanzt werden. Denn das Unternehmen bietet zu seinen Produkten diverse Einschulungen über Videos, die über eine App oder die Website tv.adobe.com abgerufen werden können – und zwar gratis. Statt also einen externen Trainer zu engagieren, können sich die Mitarbeiter ein paar Stunden alleine vor ihren PC setzen, um dort von Adobe-Experten unterrichtet zu werden. Für etwaige Fragen gibt es ein Online-Forum, in dem motivierte Kunden sich gegenseitig helfen – nach Angaben eines Adobe-Mitarbeiters werden Probleme hier manchmal schneller gelöst als vom eigentlichen Kundendienst.

Fazit: Die von Adobe mit der Creative Cloud mit gelieferte Palette aus Produkten und Services zeigt das Potenzial eines Abo-Komplettangebots – auch wenn das Ende der Fahnenstange sicher noch nicht erreicht ist und noch viel mehr erreicht werden kann durch die weitere Kombination eigener Produkte und die Kooperation mit externen Partnern. Jedenfalls zeigt aber die Entwicklung bei Adobe, dass Abo-Modelle funktionieren – wenn man dem Kunden ein Gesamtpaket schnürt, das mehr ist als die Summe seiner einzelnen Teile.

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