BlackBerry Z10 im FORMAT-Test

Schablonen für das schnelle Nachbearbeiten von Fotos.

Das Kontext-Menü erscheint als schwarze Ebene über der geöffneten Anwendung.

Selten war ein neues Smartphone so aufgeladen wie das BlackBerry Z10 – vor allem mit Emotionen und großen Erwartungen. Hat der zum Underdog verkommene E-Mail-Pionier aus Kanada das Zeug für eine nachhaltige Kurskorrektur?

Es sieht ganz gut aus. Meldungen über eine Einzelbestellung von einer Million Stück sind nicht nur gute PR, das BlackBerry Z10 verkauft sich wirklich gut, seit wenigen Tagen auch in Österreich. „Schon die Vorbestellungen waren extrem hoch,“ sagt Jochen Schützenauer von A1. „Und kamen vor allem von Privaten und nicht nur aus der historischen BlackBerry-Stammklientel.“

Ein cooles Teil, ist der Gedanke beim Erstkontakt. Das Gerät liegt gut in der Hand und hat ein angenehmes Gewicht. Die gut verarbeiteten, wertigen Materialien geben ein gutes Gefühl. Die Rückseite ist nicht glatt, der leichte Grip bewährt sich im Alltag. Es rutscht nicht aus der Hand und auch nicht so schnell herum, etwa im Auto. Schönes Design, das auf elegantes Understatement setzt.

Auf den schnellen Blick erinnert das Z10 tatsächlich an ein iPhone. Sich von Apple-Designern inspirieren zu lassen, war noch nie verkehrt. Spätestens mit dem Drücken des Einschaltknopfs (oben am Gerät) sind diese Assoziationen vorbei. Das neue Betriebssystem – BlackBerry 10 – kommt schon auf den ersten Metern deutlich weniger verspielt daher als iOS oder Android. Schriftbild, Icons, Farbwahl – alles irgendwie klarer, ernsthafter und Business-mässiger. Die Entwickler versuchten eine klare Formensprache zu finden, die sich am Lebens- und Arbeitsstil der Kernzielgruppe – mobiler Manager - orientiert. Diese Reduktion bringt Übersichtlichkeit und die schätzen auch Private.

Es geht nach oben

In der Menüstruktur findet man sich rasch zurecht. Der „Schlüssel“ zu fast allem beim Z10 ist ein Fingerwisch von der unteren Gerätekante nach oben. Eine perfekte, intuitive Geste, in die man sich schnell verliebt. Mit dieser Bewegung navigiert man durch alle Menüs und holt mit einem Fingerwisch von rechts den Kontext für die jeweilige Anwendung auf das Display.

Durch das Kontext-Menü (konsequenterweise in Schwarz) halbiert sich der Bildschirm dann. Die zwei Hierarchie-Ebenen sind schön visualisiert und logisch.

Dass die E-Mail heute nicht mehr die Killer-Applikation ist, hat BlackBerry in seinem neuen System ebenfalls antizipiert. E-Mails tickern wie Twitter-Feeds, SMS und anderes – konsolidiert über den BlackBerry Hub – auf das Display. Um den Fans der physischen Tastatur den Phantomschmerz zu ersparen, hat sich BlackBerry ein cleveres Vorschlagssystem für das vermutlich gesuchte nächste Wort einfallen lassen. Über dem virtuellen Keyboard blitzen Vorschläge auf, die man dann nach oben ins Eingabefeld „schiesst“. Spitze und erstaunlich treffsicher, solange keine literarisch wertvollen Exposées getippt werden müssen.

Die Apps

Beliebte Programme wie Dropbox oder LinkedIn sind am Z10 bereits vorinstalliert. Wer mehr braucht, holt sich kostenlose oder bezahlpflichtige Programme aus dem App-Store BlackBerry World, muss aber vorher eine BlackBerry-ID anlegen. Rein zahlenmäßig kann BlackBerry hier noch nicht mit der Konkurrenz mithalten. Ob man noch etwas vermisst, hängt von den individuellen Vorlieben ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass vielgenutzte Programme wie etwa Skype nicht drin sind, wird aber mit jedem Tag geringer. BlackBerry investiert viel Geld, um App-Entwickler in ihr System zu holen. Die Konsequenz: Zur Zeit kommen jede Woche etwa 1000 neue Apps in den Market.

Mit dem Z10 kann man auch richtig Spaß haben. Mit der 8-Megapixel-Kamera spielt BlackBerry ganz klar nicht in der Oberliga. Auch bei den Zusatzfunktionen hält man sich zurück und bietet stattdessen ein paar Vorlagen für Retro-Optik und schon kann das Bild gepostet oder versandt werden. Mittelklasse, aber für den Normalgebrauch absolut ausreichend. Bewegt-Bild und Ton machen in Kombination mit guten Kopfhörern auf dem gut auflösenden 4,2-Zoll-Bildschirm viel Freude.

Wer das Entertainment zulange genießt, wird die große Schwachstelle des Z10 früher kennenlernen als ihm lieb ist. Die Akku-Leistung liegt leider im unteren Bereich. Wer lange Arbeitstage hat, sollte ohne Stecker nicht außer Haus gehen. BlackBerry will mithilfe eines Software-Updates aber Abhilfe schaffen.

Fazit

BlackBerry Z10 ist ein gelungener Wurf der Kanadier, und hat das Potenzial in fremden Gewässern zu fischen. Einziger Wermutstropfen: die Akku-Leistung*.

Ungestützt kostet das Z10 an die 600 Euro (geizhals.at). Von den Mobilfunkern führt A1 das Smartphone derzeit exklusiv (ab 0 Euro). T-Mobile hofft ab Mai anbieten zu können, bei 3/Orange kann man noch keinen exakten Start-Termin nennen.

*Nachtrag: Auf dem Testgerät war eine frühere Software-Version installiert. Mit der finalen Version - die auf den verkauften Geräten installiert ist - sollte das Akku-Problem nicht in dem beschriebenen Ausmaß gegeben sein, sagt Netzbetreiber A1.

Die technischen Details zum Gerät

Demnächst: Der BlackBerry Z10 im Firmenkunden-Test...

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