"Austrian Innovation Center" – So geht's nach Silicon Valley

"Austrian Innovation Center" – So geht's nach Silicon Valley

Beim Launchevent des neuen Netzwerks „Austrian Innovation Center Silicon Valley“ trafen am vergangenen Freitag in Palo Alto österreichische Unternehmer auf Investoren und Startup-Manager der San Francisco Bay Area.

„Sie können überall hinziehen, solange es San Francisco ist“. Mit diesen Worten wurde Western Union-Manager Khalid Fellahi von seinen Vorgesetzten weggeschickt, um die Digital-Unit des Konzerns aufzubauen. „WU Digital Ventures“ heißt der Ableger des Geldtransfer-Anbieters, der neue digitale und mobile Zahlungslösungen entwickelt.

Fellahi ist nicht der einzige, den es aufgrund der Infrastruktur und Innovationsfaktor nach Silicon Valley zieht. Beim Launchevent des neuen Netzwerks „Austrian Innovation Center Silicon Valley“ trafen am vergangenen Freitag in Palo Alto österreichische Unternehmer auf Investoren und Startup-Manager der San Francisco Bay Area. Die Idee für das Netzwerk hatte der Österreicher Mario Herger, der seit zwölf Jahren als Innovation Strategist bei SAP in Nordkalifornien tätig ist. Seine Motivation: „Heimischen Unternehmen den Einstieg ins Silicon Valley erleichtern.“ Zwar gebe es bereits Programme wie „Go Silicon Valley“ der Wirtschaftskammer, das Austrian Innovation Center will laut den Initiatoren noch einen Schritt weitergehen, die Beziehungen zwischen Österreich und Silicon Valley vertiefen und Neuankömmlinge zu unterstützen.

Für das 160 Jahre alte Unternehmen Western Union war der Schritt nach San Francisco ein großer. Fellahi nahm 15 Mitarbeiter mit an die Westküste, eineinhalb Jahre später beschäftigt WU Digital 110 Personen. Die Atmosphäre ist für einen Finanzdienstleister ungewohnt offen. Der Senior Vice President spricht von einem „kontrollierten Chaos-Umfeld“, in dem Designer, Business Developer und Produktmanager neue Apps entwickeln. Der Vorteil am Standort sei, das hier viel Talent zu finden sei. Allerdings müsse man um die Fachkräfte kämpfen, da sie gern vom Mitbewerb abgeworben werden. Western Union ließ sich deshalb einen ungewöhnlichen Bewerbungsweg einfallen: „Wir luden zu einer offenen Party ein, bei der die Jobbeschreibung an den Wänden hingen.“ Die neuen Mitarbeiter wurden vor Ort rekrutiert.

Alles da was man braucht

Fredrik Hermann, Mitgründer des österreichischen Startups Jajah und mittlerweile bei anderen Jungunternehmen tätig, fasst die Stimmung des Silicon Valley ähnlich wie der WU Digital-Manager zusammen: „Hier findet man Talent, Kapital und Spirit, den sogenannten Drive for Innovation, der den unternehmerischen Geist anregt.“ Während Hermann in der Bay Area hängengeblieben ist, versuchen andere, den Spirit nach Österreich zurückzuholen. Marcus Scheiber, Geschäftsführer des Mödlinger Geo-Informations-Entwicklers ms.GIS packte im August 2011 mit einem Teil seiner Belegschaft die Koffer, um im Silicon Valley Fuß zu fassen und den amerikanischen Markt zu bearbeiten. „Wir sind kein Startup, deshalb können wir auch nicht die ganze Firma hierher verlegen. Aber wir denken Innovation hier und setzen die Ideen dann in Österreich um“, erklärt Scheiber seine Strategie. Die Verbindung nach Silicon Valley sei nicht einseitig: „Mittlerweile ist die Palo Alto Garage in Österreich angekommen“, so der Firmenchef.

Auch die Investorencommunity begrüßt den bilateralen Austausch. Erik Bovee, der den österreichischen Investmentfonds SpeedInvest in den USA vetritt, stellt klar: „Die Szene ist ganz anders, als in der Presse oft dargestellt wird.“ Es bedarf einer langen Planung, um nach Silicon Valley zu ziehen. Zwölf Monate solle man laut Bovee dafür schon einrechnen. Zu bedenken sei auch, dass US-amerikanische Ventue Capital-Firmen ein großes Risiko eingehen, wenn sie sich mit österreichischen Unternehmen einlassen - „Venture Capitalists hassen das österreichische Gesetz“.

Um österreichischen Unternehmen den Schritt nach Westen zu erleichtern, entwickelt das Austrian Innovation Center gemeinsam mit SpeedInvest ein Programm, das Gründer in den unterschiedlichen Phasen des Umzugs unterstützt. Eines ist für Bovee klar, wenn heimische Unternehmen den Markteintritt wagen: „Der CEO muss nach Palo Alto ziehen, das ist nicht optional!“

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