Ametsreiter: "LTE-Anbindung ist zu mehr als zwei Drittel fertiggestellt"

Ametsreiter: "LTE-Anbindung ist zu mehr als zwei Drittel fertiggestellt"

Die neue Mobilfunktechnologie LTE bringt Breitband-Internet auf Mobilgerät. Das freut nicht nur die Kunden, sondern auch Betreiber und Ausrüster, die sich davon einen Innovations- und Umsatzschub erhoffen. Die Frequenzauktion im Herbst ist in dieser Hinsicht entscheidend. Der Hintergrund: Bisher stehen für LTE nur Frequenzen im 2.6-GHz-Bereich zur Verfügung, die vor allem für städtische Gebiete geeignet sind. Um LTE aber landesweit verfügbar machen zu können, braucht es weitere Frequenzbereiche – um diese und um die damit zusammenhängenden Nutzungsrechte für LTE müssen die Mobilfunker feilschen.

Im Interview spricht Telekom Austria-Boss Hannes Ametsreiter nicht konkret über diese Auktion (das wurde von der RTR, der Regulierungsbehörde, verboten), sondern über LTE im Allgemeinen und was er sich konkret von der Technologie erwartet.

FORMAT: Sehen Sie LTE als derzeit wichtigstes Thema für die österreichische Mobilfunkbranche?

Hannes Ametsreiter: Ja, LTE wird vor allem die Kapazitäten im Mobilen Breitband stark erweitern. Das rasante Wachstum bei der Verbreitung von Smartphones und Tablets lässt sich in absehbarer Zeit nur mit 4G/LTE bewältigen. Wir waren im Oktober 2010 unter den ersten Betreibern weltweit, die LTE gestartet haben und konnten uns gut auf die jetzt startende Nachfrage vorbereiten.

Wie weit ist A1 beim Ausbau der neuen LTE-Technologie?

Ametsreiter: Fest steht jedenfalls, das wir das größte LTE Netz in Österreich haben. Derzeit ist in Österreich nur das Frequenzband im Bereich 2600 MHz ( Anm.: 2,6 GHz ) für die Nutzung von 4G/LTE gewidmet. Aktuell sind alle Landeshauptstädte und einige Ballungsräume damit ausgebaut. Das 4G/LTE-Netz von A1 erreicht in Ballungszentren bereits mehr als 80 Prozent der Bevölkerung, in ganz Österreich liegt die Netzabdeckung aktuell bei rund 30 Prozent.

Wie hoch ist der Aufwand, technologisch und bezüglich der notwendigen Investitionen?

Ametsreiter: Die Aufwände sind nicht zu unterschätzen. Wir konnten zwar beim Aufbau von LTE in den meisten Fällen bestehende Mobilfunkmasten benutzen, aber die Anbindung der Stationen muss wegen der hohen Leistungsfähigkeit von LTE erneuert werden. LTE ist vor allem für schnelle Datenübertragungen aus dem Internet entwickelt worden. Die Daten aus dem Internet müssen wir aber irgendwie zu den Sendestationen bekommen und das geht bei den Datenraten von LTE nur mit Glasfaserleitungen. A1 hat sich in den letzten Jahren im Hintergrund gut darauf vorbereitet: bei mehr als zwei Drittel der Mobilfunkstationen ist die Anbindung fertiggestellt.

Welche Strategie verfolgen Sie bei LTE, was wird es in Sachen Umsatz, Kundenbindung, etc. bringen?

Ametsreiter: Wir haben 4G/LTE bereits seit Oktober 2010 im Betrieb und haben begonnen, es dort aufzubauen, wo wir den höchsten Kapazitätsbedarf sehen. 4G/LTE ist eine neue Technologiegeneration, erst seit kurzem ist eine breite Verfügbarkeit von 4G/LTE-Endgeräten gegeben. A1 bietet mit aktuell fünf Smartphones, einem Datenstick und einem WLAN-Hotspot das größte Portfolio in Österreich. Schon bald wird 4G/LTE zur Grundausstattung jedes Smartphones zählen.

Droht Österreich bei diesem Thema seine Rolle als Mobilfunk-Musterland zu verlieren?

Ametsreiter: Immer wieder werden auch im internationalen Umfeld Untersuchungen und Tests durchgeführt, die zeigen, dass Österreich eine der besten Netzabdeckungen hat. Das ist mit 3G-Netzen so und ich sehe keinen Grund, dass sich das mit LTE ändern soll.

INFOS: Was ist LTE?

Allzu viel können sich die Österreicher derzeit noch nicht unter den Begriffen LTE oder 4G vorstellen, wie Befragungen der Mobilfunker ergeben haben. LTE steht für Long Term Evolution und bezeichnet die vierte Generation (daher „4G“) des Mobilfunks. Durch die Aufrüstung der Mobilfunkmasten mit LTE-Antennen und die Anbindung an ein Glasfasernetz kann deren Sende- und Empfang- Kapazität stark erweitert werden.

Damit können Daten deutlich rascher übertragen werden; LTE ermöglicht eine Übertragungsgeschwindigkeit von bis zu 100 Mbit pro Sekunde. Zum Vergleich: Die dritte Mobilfunkgeneration, UMTS, macht 0,38 Mbit je Sekunde möglich. Die österreichischen Mobilfunker bauen ihre Netze nach und nach aus; entsprechende Endgeräte gibt es allerdings erst in überschaubarer Anzahl. Je nach Frequenzband, auf dem gesendet wird, beträgt die Reichweite zwischen 600 Metern und sechs Kilometern. Das derzeit verfügbare 2,6-GHz-Frequenz ist für kürzere Entfernungen ausreichend und daher primär für Städte geeignet. Ab dem Herbst rittern die Mobilfunker um die 800-MHz-Frequenz („Digitale Dividende“), dann wird LTE auch für ländliche Regionen interessant.

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