Österreich auf dem Weg zum „besseren Google Maps“

Zug, Auto, Fahrrad oder Fußweg? Nun erklären Apps, welcher Weg der schnellste ist. Das ist nur möglich, weil alle Verkehrsträger, alle Länder und der Staat an einem Strang ziehen. Immer mehr zeigt sich so, dass der offene Umgang mit Daten dem Standort helfen kann.

Österreich auf dem Weg zum „besseren Google Maps“

„Viele Menschen haben Zweifel, dass eine Zusammenarbeit über Ländergrenzen und Verkehrsträger hinweg funktioniert“, sagt Verkehrsministerin Doris Bures anlässlich der Präsentation der „Verkehrsauskunft Österreich“ im News Tower: „Aber dieses Projekt zeigt, dass alle davon profitieren können.“ Denn unter dem Motto „Multimodal. Gemeinsam. Für alle.“ stellen die Länder und Verkehrsträger ihre Informationen zur Verfügung, um den Bürgern eine nahtlose Verkehrsauskunft zu ermöglichen: Per App erfahren die Reisenden nun, auf welcher Autobahn eine Baustelle für Stau sorgt, welcher Zug Verspätung hat und wie lange sie in der Stadt nach einem Parkplatz suchen.

Neu ist dabei nicht, dass die Informationen abgerufen werden können. „Scotty“, die App der ÖBB, informiert schon länger über Fahrzeiten der Züge und Busse; sie verzeichnet 184 Millionen Zugriffe pro Jahr und ist auf 38 Prozent der österreichischen Smartphones installiert. Die Asfinag erlaubt per App und auf ihrer Website den Zugriff auf Webcams, damit der Autofahrer sich ein Bild von der Verkehrslage auf den Autobahnen machen kann.

Nun werden aber all diese Apps angepasst, um auch die Daten der anderen Verkehrsteilnehmer anzuzeigen. „Denn jeder fährt irgendwann mal von der Autobahn ab“, sagt Alois Schedl, Vorstand der Asfinag: Und von dort an helfen die Daten der anderen Verkehrsträger, die Reise nahtlos weiter zu planen. Die Nutzer müssen dabei keine neue App installieren, sondern können ihre alte App in neuer Form weiter verwenden. In einem Kurztest der neuen Version von „AnachB VOR“ durch format.at zeigte sich etwa, dass diese nicht nur öffentliche Verkehrsmittel, Rad- und Fußwege, sondern nun auch Informationen für Autofahrer anzeigt.

Besser als Google Maps?

Nach Ansicht der Verantwortlichen hinter dem Projekt ist die österreichische Lösung sogar besser als die Verkehrsplanung über bekannte Mittel wie Google Maps. „Denn hier werden in Echtzeit alle Daten, die der öffentlichen Hand und den Verkehrsträgern zur Verfügung stehen, ausgegeben“, zeigt sich Karl Wilfing, Verkehrslandesrat Niederösterreich, überzeugt. Christian Kern, CEO der ÖBB Holding AG, unterstreicht dies: Zu Google liefern die ÖBB nur statische Daten; bei der österreichischen Lösung erfährt der Reisende stets den aktuellen Stand zum Zugfahrplan - weil die Daten direkt aus dem System kommen. „Es ist überhaupt ein Thema, wie man mit Google umgeht“, sagt Kern auf der Pressekonferenz: „Wir sind in dieser Hinsicht recht offen. Aber andere haben Angst vor einer ähnlichen Situation wie zwischen Amazon und dem stationären Buchhandel.“

In Bezug auf die österreichische Lösung ist Kern jedenfalls optimistisch: „Es werden aus solchen Ansätzen völlig neue Geschäftsmodelle entstehen“, sagt er: „In ein paar Jahren wird es Angebote geben, die wir uns heute noch gar nicht vorstellen können.“

Daten als Futter für Start-ups

Bei diesem Weg zu neuen Ideen und Geschäftsmodellen schreiten Bund, Länder und die freie Wirtschaft in einem bestimmten Bereich mit großen Schritten voran: Dem offenen Umgang mit Daten. Bereits seit 2012 gibt es unter www.data.gv.at ein Portal, auf dem Daten der öffentlichen Verwaltung frei verfügbar sind, in maschinenlesbarer Form. Mit den bestehenden Daten zu den Bezirken Wiens arbeiten nun etwa Immobilienportale, um ihren Kunden Informationen zum Umfeld ihrer Traumwohnung zu bieten. Zudem wurde diese Woche die Plattform www.opendataportal.at ins Leben gerufen – hier können nun auch Unternehmen, Universitäten und NGOs ihre Daten gebündelt zur Verfügung stellen.

Aus diesen offenen Daten ist die Website www.allisearch.com entstanden. Hier können Nutzer auf einer Karte diverse Informationen zu Veranstaltungen, Taxistandplätzen, Citybike-Stationen, Badestellen, Grillplätzen, sowie Parkplätzen von car2go und carsharing.at abrufen. Zwar wird auf der Website betont, dass sich das Projekt noch „in heftiger Weiterentwicklung“ („under heavy development“) befindet, Potenzial für die Zukunft hat es aber allemal.

„Open Data hat das Potential, ein effizienter Marketingkanal für Unternehmen zu werden“, sagt Vincenz Leichtfried, der Entwickler hinter ALLiSEARCH.com, zu format.at: Denn durch den offenen Umgang mit Daten können Unternehmen die Entstehung von Marketing-Apps an die Kunden auslagern. „Das hat enormes kreatives Potenzial“, schwärmt Leichtfried. Ähnlich wie bei Social Media erfordere dies aber ein Umdenken in der Kommunikation, und dabei helfen entsprechende Dienstleister.

Im Endeffekt ist es aber so, wie Bures betont: Kunden und Unternehmen profitieren, wenn an einem Strang gezogen wird, Institutionen ihre Daten zur Verfügung stellen und kreative Köpfe daraus nützliche Apps programmieren. Denn das bringt frischen Wind in die Wirtschaft und Gesellschaft – der ausnahmsweise nicht aus dem fernen Kalifornien weht, sondern aus Österreich.

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