Microsoft startet Kehraus 3.0 bei Nokia

Microsoft streicht 18.000 seiner 127.000 Arbeitsplätze. Betroffen ist unter anderem das ehemalige Forschungszentrum der Handy-Sparte von Nokia, die vom US-Konzern. Dem Börsenkurs gibt die Botschaft Auftrieb. Der erneute Jobabbau in der Mobile-Sparte ist bereits der dritte Akt - zur Freude der Kapitalanleger und Spekulanten.

Microsoft startet Kehraus 3.0 bei Nokia

Redmond (Washington)/Wien. Neue Besen müssen kehren, ob sie gut kehren, wird sich noch weisen. Der neue Microsoft-Chef räumt zumindest auf. Der seit Jahresbeginn amtierende Satya Nadella schwört auf "mobile first": Cloud Computing und mobile Anwendungen sind bei Microsoft (ISIN US5949181045) im Fokus. Und auch die Nokia-Sparte hat er im Fadenkreuz. Wieder einmal soll die Handy-Sparte gerupft werden.

Ausgerechnet in der Mobile-Sparte, wo Microsoft durchstarten will, gibt es offenbar zu viele Mitarbeiter. Finnische Medien berichten zuletzt, Microsoft will die einstige Denkwerkstatt von Nokia im finnischen Oulu schleifen - 1000 Mitarbeiter sollen gefeuert werden. Und mindestens weitere 5000 Mitarbeiter will der Konzern laut Reuters gleich hinterher schicken. Gerüchte besagten dann, dass bis zu 10.000 Mitarbeiter "blaue Briefe" erhalten.

Schließlich machte der Software-Konzern den größten Mitarbeiterabbau seiner 39-jährigen Geschichte offiziell: 18.000 der 127.000 Arbeitsplätze werden gestrichen. Der Abbau von 13.000 Stellen sei bereits in die Wege geleitet, das gesamte Vorhaben solle im nächsten Jahr abgeschlossen sein, teilte der Software-Pionier am Donnerstag mit. Ein Großteil der Streichungen werde auf den Zukauf Nokia entfallen. Der Abbau werde 1,1 bis 1,6 Milliarden Dollar vor Steuern kosten.

Jobabbau 1.0 und 2.0

Die Geschichte wiederholt sich: Denn bei Nokia regiert nicht erst seit der Übernahme der Handysparte von Microsoft im April 2014 der Rotstift. Microsoft soll beim Kauf des Nokia-Handysparte rund 30.000 Mitarbeiter übernommen haben. In Summe standen auf dem Papier 127.000 Beschäftigte auf der Payroll des US-Konzerns. Schon seit der Ankündigung der Übernahme im September 2013 gibt es einen kräftigen Aderlass beim Personal. Mit „natürlichen Abgängen“ und „Golden Handshakes“ wurden bereits einige Tausend Mitarbeiter verabschiedet.

Und davor hatte Nokia bereits kräftig umgerührt. Immer wieder. Werke in Rumänien, davor in Deutschland sowie auch in Forschungszentren wurden seit dem Jahr 2010 geschlossen oder Mitarbeiter abgebaut. In Österreich wurde die Headquarter-Kompetenz für Zentral- und Südosteuropa abgezogen. Wegen der Standortverlegungen in Billiglohnländer wurde Nokia in Deutschland als „Subventions-Heuschrecke“ unter anderem auch von Politikern gescholten. Der Handykonzern hatte reichlich Standortförderung und EU-Töpfe abgezwackt bis Produktionen zuletzt über Rumänien nach Vietnam abgezogen wurden.

Und mit dem ersten Heranrücken an Microsoft am 11. Februar 2011 wurde der Rotstift ganz im Sinne eines damals offenbar schon geplanten Verkaufs gezückt. Der damalige neue Nokia CEO und damalige Ex-Microsoft-Manager Stephen Elop hatte sich mit einer Kooperation Microsoft als Braut angedient.

Jobabbau Version 3.0

Mit einvernehmlichen Auflösungen von Verträgen hat man bei Nokia auch zuletzt wieder reichlich Erfahrung. Unzählige Reorganisation und Freisetzungen mittels "Golden Handshakes" sind bei Nokia bereits seit gut zwei Jahren auf der Agenda. Seit der Behüpschung der Braut für Microsoft oder auch andere Interessenten seit dem Jahr 2012 wurden bereits Jobs im vierstelligen Bereich in der Handy-Sparte abgebaut. Nach mehreren erfolglosen Versuchen über ein Jahrzehnt hinweg hatte Microsoft die Übernahme von Nokia im April 2014 doch noch geschafft. 7,2 Milliarden Euro war der Preis - für eine kränkelnde Handysparte. Die mittlerweile halbwegs auf Profitkurs zurück steuernde Telekomausrüster-Sparte von Nokia (Anm.: dazu zählt rein die Netzwerktechnologie, Funktechnologie wie LTE, Masten) hatte Microsoft nicht gekauft. Die endlosen Restrukturierungen der vergangenen Jahre schwächten eher das Unternehmen, als es die Schlagkraft erhöhen sollte. Andere Konzerne, etwa der kanadische Mobilfunkausrüster BlackBerry, aber auch Google, Apple und Weltmarktführer Samsung hatten mit eigenen Smartphones, Apps, E-Mail-Diensten sowohl Nokia als auch Microsoft auch bei Handysoftware gezeigt, wo es langgeht.

Fehlender Anschluss

Legendär die Worte von Nokia-CEO Steven Elop anlässlich der Kooperation mit Microsoft im Februar 2011: “Nokia, unsere Plattform brennt!” Eine gemeinsame Plattform sollte die beiden im Mobilfunk schwächelnden Konzerne wieder in Richtung Spitze führen. Beide hatten den Anschluss verpasst. Und Apple und Google zumindest zeitweise einfach unterschätzt.

Und bei Smartphones haben Samsung, Apple, Google, aber auch Sony, LG aus Korea sowie Huawei und ZTE aus China in den vergangenen fünf Jahren längst zu Nokia aufgeschlossen oder gar überholt.
Der jetzige Jobabbau von 6000 bis 10.000 Jobs sei nur die "Version 3.0" der permanenten Planungen zum Mitarbeiterabbau, heißt es bei Personen, die mit der Situation vertraut sind.

Viele Mobile Fehlstarts bei Microsoft

Bei Microsoft lief es in der Mobilfunksparte alles andere als rund. Microsoft hat es seit Beginn der 2000er-Jahre nicht geschafft die eigene Mobilfunksparte zumindest auf Trab zu bringen. Von Galopp war nur die Rede in Ankündigungen. Microsoft versuchte mit einem halben Dutzend Aktionen seine Mobilfunkambitionen über ein Jahrzehnt hinweg zu unterstreichen. Die Handysoftware funktionierte mehr schlecht als recht. Und auch Kooperationen zum Bau von Handys endeten permanent im Desaster. Die Folge: Bei Mobilfunkriesen wurde Microsoft quasi ausgelistet.

Neben dem Jobabbau in der Mobilfunksparte sollen auch weitere Kürzungen in der Xbox-Spiele- und Unterhaltungssparte erfolgen. Cloud-Computing und Software für mobile Anwendungen.

Die Freude an der Börse

Der Aktienkurs der Microsoft-Papier beflügelt die Lust der Anleger. Microsoft-Aktien notieren bei 44,08 Dollar - so hoch wie seit dem Jahr 2000 nicht mehr. Nach der Finanzkrise waren der Kurs auf rund 15 Dollar abgestürzt.

Kommende Woche, am 22. Juli, gibt der US-Softwarekonzern seine Jahresergebnisse bekannt. Und bestimmt auch einen Ausblick für die Zukunft.

Microsoft Österreich dürfte vom Stellenabbau des US-Technologiekonzerns kaum oder gar nicht betroffenen sein. Auch weil hierzulande kaum Mitarbeiter von Nokia übernommen wurden.

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