Inside IFA: Das Geschäft mit Unterhaltungselektronik wird unberechenbarer

Wachstum gibt es in Europa derzeit nicht mit Fernsehern, sondern eher in Segmenten wie Audio-Streaming.

Inside IFA: Das Geschäft mit Unterhaltungselektronik wird unberechenbarer

Bei der Internationalen Funkausstellung in Berlin (IFA) ist logischerweise Optimismus ein Muss – schließlich sollen Händler zum Ordern, Konsumenten zum Bestellen und Journalisten zu überschwänglichen Berichten animiert werden. Doch lässt sich nicht verleugnen, dass eine gewisse Ratlosigkeit unter den Herstellern und Verkäufern von Unterhaltungselektronik herrscht. Bei den Konsumenten ist eine Sättigung zu verspüren, wie auch GfK zugibt: Der Markt befinde sich nach Jahren des Wachstums "im Umbruch", in Europa beispielsweise fehlen bei Fernsehern Impulse wie dies in den Vorjahren Fußball-Events oder Muss-Technologien wie HD waren. Im heurigen ersten Quartal wurden sechs Prozent weniger Fernseher verkauft als im Vergleichsquartal 2012.

Neue (in Wirklichkeit gar nicht so neue) Technologien wie 4k (also Ultra-HD) müssen erst ausreichend beworben werden, derzeit ist bei Fernsehern eher Größe das entscheidende Kriterium: Schon jeder siebente in Europa verkaufte Fernseher hat eine Bildschirmdiagonale von mehr als 120 Zentimetern. Das kann sich alleine von der Gestaltung der Wohnräume eines europäischen Haushalts nicht für eine breite Marktdurchdringung ausgehen, sollte man meinen. Auf der IFA wird dennoch geklotzt statt gekleckert: Riesen-Fernseher, auf denen hübsche Filme (Papageien am Amazonas, einsame Strände, Fußballer in Zeitlupenaufnahmen, etc) laufen, sollen zeigen, was möglich wäre, wäre das Wohnzimmer groß genug, könnte das Konto überzogen und der Rest der Familie von einer Kaufnotwendigkeit überzeugt werden.

Von solchen Konjunktivkonstruktionen können sich die Hersteller natürlich noch keine steigenden Verkaufszahlen erwarten, dabei sind Fernseher für Konzerne wie Samsung , Panasonic, Sony und LG nach wie vor ein wichtiges Standbein. Doch die 4k-Fernseher sind derzeit erstens preislich für den Massenmarkt unattraktiv (es geht ab rund 4000 Euro los, Billig-Geräte aus China fangen auch erst bei rund 2000 Euro an) und zweitens gibt es noch lange nicht ausreichend Inhalte dafür - sogar Blue-Rays müssten "hochgerechnet" werden, um in der neuen Ultra-HD-Qualität abgespielt werden zu können. Nicht mal der optimistischste 4k-Prophet wird glauben, dass sich davon Konsumenten überzeugen lassen. Wir erinnern uns mit Grauen an 3D-Fernseher, für die es Filme in einstelliger Zahl zur Auswahl gab - und dann waren alle erstaunt, weshalb sich die Dinger so mäßig verkauften.

Harter Kampf um "Full-HD"

Bleibt also erneut der Kampf um Marktanteile im Full-HD-Segment, wo die Preise aber weiter dahinschmelzen. Selbst wenn verstärkt größere Geräte verkauft werden - richtig viel zu verdienen ist da für die Hersteller nicht. Und wie es mit einem strikten Fokus auf Premium-Apparate gehen kann, beweist gerade Loewe. Die Krux bei all dem Marketing-Getöse: Die Konsumenten wollen immer mehr, und das möglichst billig. Sie werden unverschämter, was Ausstattung der TV-Geräte (Internet, etc.) betrifft, selbst wenn sie die meisten Zusatz-Features nicht nutzen werden.

Immerhin besteht Hoffnung für die Unterhaltungselektronik-Konzerne: In bestimmten Segmenten ist durchaus ordentliches Wachstum da, wie auch Marktforscher GfK analysiert: Audio wird wichtiger, zumal die besonders flachen Fernseher nicht über ausreichend gute Lautsprecher verfügen. Sony und andere Hersteller stellen daher entsprechende "Sound-Bars" her, die für den notwendigen Sound sorgen können. In den wichtigsten Märkten wurden zuletzt bereits zu jedem zehnten Flachbild-TV-Gerät solche Soundbars dazu verkauft. Auch Audio-Streaming, also die drahtlose Übertragung von Songs zwischen diversen Geräten (etwa vom Smartphone auf die Stereoanlage im Wohnzimmer) wird wichtiger; GfK hat im ersten Halbjahr ein Plus von 68 Prozent bei den Stückzahlen in diesem Segment berechnet. Dazu darf auf weiter steigende Umsätze mit Kopfhörern und Bluetooth-Lautsprechern gerechnet werden.

Insofern scheint die totale Hingabe der Hersteller an 4k etwas erstaunlich, doch es braucht immer ein Trendthema, dem alle hinterher laufen. Nur ein Randthema ist indes die Einfachheit der Bedienung diverser Apparate, selbst wenn es mit "One Touch" von Sony und ähnlichen Begriffen durchaus Bewegung in diese Richtung gibt.

Beispielvideo in 4k:

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