Brückenbauer für Ideen gesucht

Wie der amerikanische Soziologe Unternehmen auf professionelle Ideenfindung und -umsetzung trainiert. Mit FORMAT-Redakteurin Barbara Mayerl spricht Tom Hunsaker über Bridger, Branchen und Steve Jobs.

Brückenbauer für Ideen gesucht

Tom Hunsaker hielt am 30. Juni in der Telekom Austria Business School einen Vortrag zum Thema "Hijacking markets with great ideas“. Der Soziologe forscht und lehrt an der Thunderbird School of Global Management in Arizona, unter anderem im Bereich Innovationsmanagement.

Format: Sie haben sich das sogenannte Bridger-Modell patentieren lassen. Was ist ein Bridger?

Tom Hunsaker: Den Begriff haben wir (Anm.: Thunderbird School of Global Management) kreiert. Er entstand aus unserer Forschungsarbeit, wie Ideen in einem Unternehmen entstehen, erfolgreich umgesetzt werden - oder eben auch nicht. Bei Ideen wird ja meist von Firmenperspektive gesprochen. Aber die meisten Ideen entstehen auf persönlicher, individueller Ebene, verkümmern dort oft, weil sie den Weg durch die Instanzen nicht schaffen. Unser Forschungsgegenstand sind jene Leute, die die Idee erfolgreich durch die Prozesse bringen - die sogenannten Bridger.

Was macht diese Persönlichkeiten aus? Was haben sie anderen voraus?

Tom Hunsaker: Ein Bridger ist jemand, der die Fähigkeit hat, Ideen zu erkennen, und den Willen, sie durch das Unternehmen zur Umsetzung zu tragen. Dabei suchen sie sich Mitstreiter aus, die ihnen dabei helfen. Für Ihre Forschungen haben sie mit Unternehmen auf vier Kontinenten gearbeitet. Gibt es einen gemeinsamen Nenner für Bridger? Alter? Einstellungen? Spezielle Profile?

Tom Hunsaker: Nationale oder demografische Prädispositionen gibt es nicht. Wir fanden gute Bridger in Südamerika ebenso wie in Indien oder Asien. Einer unserer Besten war fast 60 Jahre alt, ein anderer ein Mittzwanziger. Was aber alle eint, ist sehr gute Beobachtungsgabe und Bereitschaft, die erforderlichen Extrakilometer zu laufen. Durchaus überraschend: Sie waren nicht eifersüchtig, wenn jemand anderer die Idee verkauft. Und wir haben eine Art von Sturheit, oder sagen wir besser Beharrlichkeit, entdeckt. Gute Bridger wissen, dass sie auch mit Widerständen konfrontiert sind.

Sie haben einen multinationalen Konzern mit Tausenden Mitarbeitern und unterschiedlichen Segmenten. Wieviele Bridger braucht man hier? Gibt es so etwas wie einen anteiligen Schlüssel?

Tom Hunsaker: In der Form nicht. Wir machen Trainings auf der ganzen Welt, und die Welt ist so dynamisch geworden, dass es einfach nicht reicht, einen Bridger zu haben. Sie müssen schauen, dass möglichst viele ihrer Leute wie Bridger agieren, und sie darauf trainieren. Das ist auch viel effektiver, den Mitarbeitern das Gefühl zu geben, dass sie das können, als zwölf Bridger anzuheuern und zu sagen: Das ist jetzt euer Job.

Können Sie über Ihre Kunden reden?

Tom Hunsaker: Nein, das ist ärztliche Schweigepflicht.

Dann sagen Sie uns, welche Branchen besonders intensiv am "Bridging“ arbeiten.

Tom Hunsaker: Wir haben viele Telekomkunden.

Sie schreiben ein Buch zum Thema Bridger.

Tom Hunsaker: Stimmt, leider bin ich noch nicht fertig und habe parallel ein zweites angefangen, das den Arbeitstitel "Candor“ (Anm. Offenheit) trägt. Wir haben festgestellt, dass viele Firmen ein Problem haben, Dinge richtig und konstruktiv anzusprechen. Wer Leute verletzt, schadet dem Unternehmen. Gute Bridger sind nicht bloß Innovatoren - sondern auch gute Kommunikatoren.

Wie sehen Sie den verstorbenen Apple-Gründer Steve Jobs? Ein guter Bridger?

Tom Hunsaker: Auf seine Art ja, er hat den Ideen in seinem Haus - die allermeisten kamen ja nicht von ihm - sehr gut zum Durchbruch verholfen. Aber mehr als das technologische Erbe wird seine Fähigkeit übrig bleiben, die Welt in ihren Fehlern und Spannungen erkannt zu haben. Er war nicht magisch, er war einfach fähig, Dinge zu sehen, und hatte den Mut, etwas dagegen zu unternehmen: eine machtvolle Kombination.

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