Uhrmacherkunst im dritten Jahrtausend

Uhrmacherkunst im dritten Jahrtausend

IWC SCHAFFHAUSEN Die erste, aber bestimmt nicht die letzte Armbanduhr aus dem neuen Werkstoff Ceratanium: "Aquatimer Perpetual Calendar Digital Date-Month Edition 50 Years Aquatimer", limitiert auf 50 Stück. PREIS: 50.600 Euro

Uhrenbau auf höchstem Niveau kommt nicht aus der Mode. Verwendete Materialien und Uhrwerke werden immer exotischer und spektakulärer. Eine Auswahl der neusten High-End-Produkte der Manufakturen.

Eine Wortschöpfung, die im Zusammenhang mit der "Neo Bridges Titan" von Girard-Perregaux entstanden ist, beschreibt eine ganze Strömung, die den Geist der modernen Uhrmacherkunst prägt: "retro-futuristisch".

Der Begriff steht für zukunftsweisende Uhrmacherkunst im Einklang mit ihrer Historie. Klingt kompliziert? Ist es auch, denn welche Tabus können gebrochen werden? Welche Regeln neu definiert werden?

Der Traditionalist stellt die berechtigte Frage, ob ein grobschlächtiges, undekoriertes Handaufzugswerk, verpackt in ein komplett durchsichtiges Saphirglasgehäuse, den ohnehin strapazierten Begriff "Haute Horlogerie" für sich beanspruchen darf. Oder warum völlig untragbare Konzeptuhren präsentiert werden, die danach wieder verschwinden, als hätte der Hersteller ohnehin nie geplant, die Uhren zur Serienreife weiterzuentwickeln.

Nur der Medienberichte wegen? All dies sind Verirrungen einer Industrie auf der Suche nach den wenigen Nischen, die noch nicht besetzt sind. Oder nach Zielgruppen, die bereits derart gesättigt sind, dass sie nur noch Exotisches begeistern kann.

Experimentelle Uhrmacherei hat nichts Repräsentatives. Was wir hingegen zeigen möchten, ist das Genie einer neuen Generation von Uhrmachermeistern - der wahren Helden, die die Uhrmacherkunst in das dritte Jahrtausend führten. Ohne diese genialen Konstrukteure, Produktentwickler und Designer wäre die Uhrenszene nur noch halb so spannend. Denn nur wer mit der Zeit geht, kann sie auch mitgestalten.

Neue Zeitrechnung

Innovation kann in vielen verschiedenen Bereichen stattfinden -vom Uhrwerk über das Zifferblatt bis zum Band, von den verwendeten Materialien bis zur Konstruktion an sich. Ein wichtiges Thema ist die Suche nach neuen Werkstoffen, die die Zeitmessung noch genauer, die Gangreserve länger und die Uhren tragbarer machen.

So stieß man beispielsweise auf Silizium: unempfindlich gegenüber Magnetismus, extrem korrosions- und verschleißfest. Das im Vergleich zu Stahl leichtere und auch härtere Material bietet ein geringeres Trägheitsmoment, ist nicht auf Schmierung angewiesen und ermöglicht es, extrem präzise, komplexe Formen zu fertigen.

Bereits 2001 hatte Ludwig Oechslin mit Silizium - übrigens die nach Sauerstoff auf der Erde am zweithäufigsten vorkommende Substanz -experimentiert. Der Werkstoff reagierte zu Beginn noch zu stark auf Temperaturschwankungen. Breguet und Patek Philippe konnten diesen Effekt eliminieren und waren die ersten Manufakturen, die 2006 Werkkomponenten aus monokristallinem Silizium zum Einsatz brachten.

Anker, Hemmungsrad und Unruhspirale waren die ersten Teile, die dank der hervorragenden Eigenschaften von Silizium und eines eigens entwickelten Verarbeitungsverfahrens für Furore sorgten. Silizium hat sich bewährt, bleibt angesichts der hohen Fertigungskosten aber noch dem Luxussegment vorbehalten.

Kampf dem Magnetismus

Magnetfelder sind heute überall. Handy, Tablet, Induktion oder auch der elektrische Rasierer kreieren magnetische Felder, die mechanische Uhrwerke beeinträchtigen können. Im schlimmsten Fall bleibt die Uhr komplett stehen und muss von einem Uhrmacher entmagnetisiert werden.

Um dies zu vermeiden, wurde nichts unversucht gelassen - vom werkschützenden Weicheisenkern bis zu antimagnetischen Werkkomponenten wie der oben genannten Siliziumspirale. Omega baut inzwischen ganze Werke komplett aus amagnetischen Materialien und lässt diese von der METAS (Schweizer Institut für Metrologie) als "Master Chronometer" zertifizieren.

A. LANGE &SÖHNE

Eindrucksvoll: Die "Zeitwerk Decimal Strike" macht die Zeit auf neuartige Weise hörbar: Ihr Schlagwerk erklingt alle zehn Minuten. Limitiert auf 100 Exemplare in Honiggold.
PREIS: 121.000 Euro

CARTIER

"Rotonde de Cartier", Kaliber 9407 MC mit Handaufzug, Minutenrepetition und geheimnisvollem Doppeltourbillon, "Poinçon de Genève", Titangehäuse, limitiert auf 50 Stück.
PREIS: 505.000 Euro

Große Materialkunde

Vom Uhrwerk über die Zifferblätter bis zu Gehäuse und Band - in allen Teilbereichen wird nach geeigneten Werkstoffen geforscht. Viele Marken sind untrennbar mit bestimmten Materialien verbunden - zum Beispiel Hightech-Keramik mit Rado, Cerachrom mit Rolex oder Magic Gold mit Hublot. Solange die neuen Materialien dem Uhrenbesitzer auch Vorteile bringen, machen die Experimente auch Sinn.

Das jüngste Beispiel für eine derartig sinnvolle Material-Lancierung kommt aus den Labors von IWC Schaffhausen und heißt Ceratanium. Mehr als fünf Jahre haben die Spezialisten von IWC an der Entwicklung dieses neuen Werkstoffs auf Basis einer Titanlegierung gearbeitet. Durch den speziellen Herstellungsprozess erhält das Metall eine schwarze, keramische Oberfläche -es ist so leicht und bruchfest wie Titan, gleichzeitig aber auch hart und kratzfest wie Keramik.

Man muss nicht zwingend ein neues Material entdecken -es ist auch sinnvoll, bereits bewährtes weiterzuentwickeln. Im "Laboratorio di Idee" von Panerai hat man sich mit dem Potenzial von Carbon beschäftigt. Das Resultat: Das Gehäuse besteht zu 100 Prozent aus Carbotech, einem Verbundmaterial auf der Basis von Kohlenstofffasern, das Uhrwerk kommt dank der mechanischen Eigenschaften von Carbotech ohne Schmierung aus.

Konstruktionswunder

Die liebste Spielwiese innovativer Uhrmacher ist ja die Konstruktion des Werkes. Ob Tourbillon, Minutenrepetition oder Schaltrad -es gibt immer noch Verbesserungspotenzial oder gar die Möglichkeit einer Neugestaltung.

Das ist etwa bei Jaeger-LeCoultre mit der "Hybris Mechanica" gelungen: Erstmals erklingt der legendäre Westminster-Schlag in vollem Umfang am Handgelenk. Die Aufzählung von Spitzenleistungen ließe sich noch eine Weile fortsetzen -vom "Hybrid"-Kaliber der Chopard "Superfast" bis hin zum geheimnisvollsten Doppeltourbillon der Uhrenszene, konstruiert und gebaut von Cartier. Die Preise für diese Meisterwerke freilich rauben einem den Atem. Die aufwendige Entwicklungsarbeit kostet eben -bis zu sagenhaften 1,25 Millionen Euro bei der Jaeger-LeCoultre.


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