Baselworld 2017: Uhrenindustrie kontert Smartwatch-Herstellern

Uhrenmesse Baselworld: Seit 100 Jahren Leitmesse der Uhren- und Schmuckhersteller.

Uhrenmesse Baselworld: Seit 100 Jahren Leitmesse der Uhren- und Schmuckhersteller.

Vom 23. bis zum 30. März findet die Baselworld, die Leitmesse der Schmuck- und Uhrenbranche statt. Dort zeichnet sich eine Trendwende ab: Bislang hatten die etablierten Hersteller die Smartwatch-Anbieter weitgehend ignoriert. Nun kontern sie diesen mit eigenen Modellen.

Zum Frühjahrsbeginn nach Basel: Bereits zum 100. Mal findet im Jahr 2017 dort die "Baselworld", die wichtigste Messe der Schmuck- und Uhrenbranche statt. Wobei die Uhrenindustrie traditionell den Takt vorgibt und sich das Who is Who der Branche ein Stelldichein gibt.

Die Top-Highlights der Messe sind wie jedes Jahr die zumeist streng limitierten Luxus-Chronometer, mit denen die Manufakturen der Welt zeigen, welche kleinen Kunstwerke sie zu schaffen imstande sind. Doch im Jahr 2017 gibt es daneben noch eine kleine weitere Sensation zu beobachten: Traditionelle Uhrenhersteller, die mit eigenen Modellen den in den vergangenen Jahren neu in die Branche eingestiegenen Smartwatch-Herstellern paroli bieten.

Zur wichtigsten Baselworld 2017 (23. bis 30. März) stellt etwa auch die Edel-Marke Montblanc ihre erste Computer-Uhr, die Montblanc Summit, vor, die Schweizer Feinuhrmachereicodes mit den fortschrittlichsten Wearable Technologies vereint. Von TAG Heuer gibt es die zweite Generation der Android-Smartwatch "Connected" und der Uhrenkonzern Swatch will sogar eine eigene Technologie-Plattform als Gegengewicht zu Apple und Google entwickeln.

Luxus-Smartwatches: Montblanc Summit, Titanium-Ausführung und TAG Heuer Connected.

Luxus-Smartwatches: Montblanc Summit, Titanium-Ausführung und TAG Heuer Connected.

Der Hintergrund: Die Hersteller hoffen, damit jüngere Kunden ansprechen zu können, die für klassische Uhren in den letzten Jahren immer weniger Interesse gezeigt haben und oft gänzlich auf das Tragen einer Uhr verzichtet hatten.

Wenn Kleinreden nicht hilft

Vor zwei Jahren, im April 2015, hat Apple die Apple Watch in den Handel gebracht und ist damit in ein davor schon langsam, aber stetig wachsendes Marktsegment eingestiegen: Unter Sportlern waren Uhren, die neben der Uhrzeit auch verschiedene leistungs- und ortsbezogene Daten wie etwa die Pulsfrequenz, die Geschwindigkeit, zurückgelegte Höhenmeter oder Distanzen messen konnten, davor schon viele Jahre lang weit verbreitet. Apples großer Konkurrent Samsung hatte zuvor schon im September 2013 die Smartwatch "Galaxy Gear" in den Handel gebracht. Apple rühmt sich mittlerweile, unter den Smartwatch-Herstellern Marktführer zu sein.

Apple Watch: Computerhersteller als Konkurrent der Uhrenindustrie.

Apple Watch: Computerhersteller als Konkurrent der Uhrenindustrie.

Dennoch hatte die Branche die neuen Konkurrenten zunächst nicht wirklich ernst genommen. Als Samsung seine Galaxy Gear ankündigte und der Konzern damit begann, am Uhrenmarkt mitzumischen, meinte Nick Hayek, der Chef der Swatch Group noch, dass er nicht an eine Revolution glaube. Es sei eben schwer, ein iPhone durch ein Terminal am Handgelenk zu ersetzen, allein schon wegen der Größe des Displays.


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Mittlerweile hat sich Hayeks Einschätzung zum Teil bestätigt. Die Revolution ist ausgeblieben. Doch klar ist mittlerweile auch, dass sich die Computer-Uhren einen ansehnlichen Marktanteil erobert haben und dieser in den nächsten Jahren weiter steigen wird - wenn auch nicht in Riesenschritten: Nach Schätzungen des Marktforschers IDC wurden im vergangenen Jahr gut 49 Millionen smarte Uhren verkauft. Bis 2021 sollen es über 150 Millionen Geräte sein. Mittlerweile glaubt jedenfalls auch in der Branche wohl niemand mehr ernsthaft daran, dass Smartwatches nur eine vorübergehende Zeiterscheinung sind.

Herausforderer werden ernst genommen

Für die etablierten Hersteller sind Computer-Uhren eine Herausforderung allein schon wegen einer Besonderheit ihres Geschäfts: Auch bei ihnen machen die günstigen Modelle den Großteil der verkauften Uhren aus. Den Großteil ihres Geldes verdienen sie jedoch mit den in geringen Stückzahlen gefertigten Luxusmodellen. Alles, was in diesen Hochpreis-Bereich schneidet, trifft die Hersteller direkt ins Mark.

Die Zahlen sprechen für sich: Von den im vergangenen Jahr exportierten 25,4 Millionen Schweizer Uhren kosteten knapp zwei Drittel weniger als 200 Franken. Aber bei den Erlösen war das Bild genau umgekehrt: Fast zwei Drittel der Erlöse von insgesamt 18,2 Milliarden Franken wurden mit den 1,4 Millionen Uhren gemacht, die über 3.000 Franken kosteten.

So war die Erleichterung in der Schweizer Industrie kaum zu überhören, als Apple mit seiner über 10.000 Euro teuren goldenen Luxus-Version der Watch grandios scheiterte und sie nach gut einem Jahr leise vom Markt nahm. Doch der vergebliche Vorstoß von Apple in das Highend-Segment kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei den Uhrenherstellern gerade nicht rund läuft. Eine Erhöhung der Luxus-Steuer in China, weniger kauffreudige Touristen in europäischen Metropolen und der starke Franken ließen die Erlöse der Schweizer Hersteller im vergangenen Jahr um fast 10 Prozent fallen.

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