Peter Simonischek - Sprechen Sie Wirtschaft?

Schauspieler Peter Simonischek

Peter Simonischek: „Jeder empfohlene Deal zur Steuerersparnis ging für mich schmerzlich daneben“

Der Burgschauspieler und Publikumsliebling Peter Simonischek erklärt, warum er Finanzprodukten gegenüber skeptisch ist, Großzügigkeit sexy ist und Genuss eine Frage der Tagesverfassung.

trend: Sie spielen gerade an der Burg in Alexander Ostrowskijs „Schlechte Partie“ einen Vertreter des Großkapitalismus, für den auch die Liebe nur Ware ist. Wer war Ihr Role Model?
Peter Simonischek: Dagobert Duck in Love

Welche Rolle spielt Wirtschaft in Ihrem Alltag? Lesen Sie die Wirtschaftsseiten, checken Sie die Börsenkurse?
Simonischek: Schuster, bleib bei deinem Leisten …! Als gut verdienender Künstler sind Sie der Prototyp der dummen Melkkuh, das dankbarste Milchvieh für Fonds und Finanzprodukte aller Art. Jeder vom Steuerberater empfohlene „Deal“ zur Steuerersparnis ging für mich schmerzlich daneben! Zum Glück macht mir mein Beruf so viel Spaß, dass man nicht von „sauer verdientem Geld“ sprechen muss, das ich im fünfstelligen Bereich verloren habe. Aber für jeden Euro habe ich was auswendig gelernt und aufgesagt! Und das muss ich selber machen – ich kann nicht andere für mich „aufsagen“ lassen und kassieren, wie viele Unternehmer.

Was ärgert Sie am herrschenden Wirtschaftssystem?
Simonischek: Es ist das unappetitlichste Gewerbe! Es ist die Wissenschaft des Betruges! Mich empört vor allem, dass Menschen hungern, weil andere den Hals nicht voll kriegen. Und dass die Dreistigkeit täglich zunimmt.

Haben Sie einen persönlichen Finanzfahrplan?
Simonischek: Ich bin ein miserabler Bankkunde. Ich habe im Leben noch nie ein Konto überzogen. Jedenfalls kein eigenes!

Sie sind mit Schauspielerin Brigitte Karner verheiratet. Wer hat im Haushalt die Finanzhoheit?
Simonischek: Wenn ich das wüsste! Wir haben strenge (Arbeits-)Teilung. Ich zahle ein und meine Familie gibt aus.

Sind wohlhabende Paare glücklicher als ärmere?
Simonischek: Eher umgekehrt.

Was haben Sie bezüglich Umgang mit Geld von zu Hause mitbekommen? Und was haben Sie selbst Ihren Söhnen weitergegeben?
Simonischek: Ich bin 1946 geboren, 45 war der Krieg zu Ende, also bin ich mit Sparsamkeit aufgewachsen. Später hätte ich mir gewünscht, Großzügigkeit „dazuzulernen“ und weiterzugeben an die Söhne. Großzügigkeit ist sexy, auch wenn man nichts hat.

Viele Ihrer Künstlerkollegen sind Werbetestimonials. Was würden Sie als Künstler auch für viel Geld nicht machen?
Simonischek: Werbung für Finanzprodukte.

Was halten Sie dann heute noch für ein sinnvolles Investment?
Simonischek: In die Ausbildung der Kinder zu investieren, ist das Sinnvollste.

Die meisten Männer tragen Ihre Münzen immer in der Hosentasche. Besitzen Sie ein Portemonnaie?
Simonischek: Ich besitze eine Brieftasche auch fürs Kleingeld, weil es mir zu mühsam ist, im Mantelfutter nach Münzen zu stöbern.

Niemand hat so oft den Lebemann „Jedermann“ gespielt wie Sie. Sind Sie selbst ein Genießer?
Simonischek: Genießen ist eine kulturelle Leistung, die mit Disziplin und Verzicht beginnt und befördert wird durch geschärfte Sinne und Gelassenheit. In einem Lied von Konstantin Wecker gibt es eine Textzeile, die lautet: „Genießen war noch nie ein leichtes Spiel.“ Sie sehen, die Theorie des Genusses ist mir vertraut. Die Praxis unterliegt der Tagesverfassung!

Wofür geben Sie selbst gerne und lustvoll Geld aus?
Simonischek: Zum Beispiel für mich!

Und was war das Verrückteste, das Sie sich je geleistet haben?
Simonischek: Das Verrückteste kommt hoffentlich noch: Bereit sein ist alles!


Zur Person

Peter Simonischek , 71. Der geborene Grazer ist als Bühnen- wie Filmstar („Toni Erdmann“) erfolgreich. Von 2002 bis 2009 verkörperte er den „Jedermann“ bei den Salzburger Festspielen. Seit 1999 ist er Ensemblemitglied des Burgtheaters, wo er aktuell als steinreicher Kaufmann in Alvis Hermanis’ Inszenierung von Ostrowskijs Drama „Schlechte Partie“ zu sehen ist.


Der Artikel ist der trend Ausgabe 43/2017 vom 27. Oktober 2017 entnommen.

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